Zaghafte Schritte in Richtung Neubeginn

20. April 2008, 16:49
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Nach Termin- und Führungsturbulenzen gibt sich die 42. Ausgabe der Art Cologne" (bis 20. April) insgesamt recht gelassen

Im Vergleich zu 2007 schrumpfte die Zahl der Teilnehmer von 180 auf 150 aus 23 Ländern.

Köln – Und es ist eine Reduktion, die der Messe keineswegs zum Nachteil gereicht. Ein Drittel der Aussteller kommt aus Deutschland, zwölf Galerien aus Österreich mit unverhohlenem Wien-Schwerpunkt. Die Eröffnung der noch führungslosen Messe wurde nicht ohne Spannung erwartet, nachdem Gerard Goodrow Anfang dieses Jahres in "gegenseitigem Einvernehmen" aus der Messe Köln ausschied. Daniel Hug, sein designierter Nachfolger, der sein Amt erst per 1.Mai übernimmt, stellte sich nun auf der Pressekonferenz das zweite Mal den Medienvertretern und erläuterte seine Pläne: Ein internationales Gremium, in das bereits sieben von neun Mitgliedern aus Europa und den USA berufen sind, soll sich künftig um die drei Kernthemen der Messe "Klassische Moderne", "Kunst nach 1945" und "Zeitgenössische Kunst" kümmern.

Nicht zu Unrecht wurde Hug gefragt, warum bei der angestrebten Internationalisierung der "Art Cologne" aus den derzeit emporkommenden Kunstmarktregionen Asien und Naher Osten niemand in die engere Wahl für das Komitee genommen werden soll. Da wurde es still ...

Wenn sich auch bislang nichts Grundlegendes an der Art Cologne im Vergleich zur letzten Ausgabe verändert hat, haben Stringenz und Messedesign bereits zugelegt. Schwund gab es nach oben, weil so mancher Aussteller stattdessen Richtung Belgien (Art Brussels, 18.–21. April) pilgerte, und nach unten im Falle der Nichtzulassung.

Viele Stände, gerade im Bereich der Klassischen Moderne und Nachkriegskunst, sind museal kuratiert, bei Thomas aus München und Utermann aus Dortmund, wo Arbeiten von Horst Antes dessen beeindruckender Privatsammlung von Kachinas und Kunststoffrobotern gegenüberstehen. Klassische Moderne zeigen außerdem die Schweizer, die auf deutschen Expressionismus spezialisierte Galerie Henze & Ketterer mit Arbeiten auf Papier (ab 2000 Euro) bis hin zu einem weiblichen Halbakt des Brücke-Protagonisten Ernst Ludwig Kirchner aus dessen bester Zeit (5,5 Millionen Euro).

Bei Salis & Vertes füllen Arbeiten Jawlenskys, Jean Dubuffets, Josef Albers’ und anderer Größen des 20.Jahrhunderts die Wände. Das erklärte Highlight sind Emil Noldes Seerosen von 1917, samt Originalkünstlerrahmen mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt. "Diese Kunstmesse lebt von Alt und Neu und ist die beste deutsche Kunstmesse, denn die Sammlerkultur ist hier im Rheinland", so das Resümee von Thomas Salis, das viele Kollegen teilen.

Ist also nichts von der befürchteten Untergangsstimmung in Köln zu vernehmen? Jedenfalls nicht im konventionelleren Obergeschoß der Messehalle. Von Verkäufen am Eröffnungstag weiß dort schon die Galerie Terminus aus München zu berichten, die als Schwerpunkt die amerikanische Pop-Art pflegt und bereits Tony Craggs Good Face (2007) für einen sechsstelligen Betrag vermitteln konnte.

Das Untergeschoß ist den Zeitgenossen vorbehalten, den "New Contemporaries" und der kuratierten Schau "Open Space" mit junger frischer Kunst. Teilnehmer des "Open Space" sind der Großteil der österreichischen Galerien. Zu den regulären Ausstellern der Halle gehört Rosemarie Schwarzwälder von Nächst St.Stephan, die im Rahmen der "New Talents", das sind ausgesuchte Künstler mit geförderten Quadratmetern an Ausstellungsfläche, die 1972 in Warschau geborene Agnieszka Kalinowska mit konkreten Skulpturen zeigt. Sie sind inhaltlich zwischen destruktiver Geschichte und künstlerischer Aufbauarbeit angesiedelt. (Bettina Krogemann / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2008)

  • Die Galeria Rubin (Mailand) hat bei Art Cologne Gerhard Demetz’ 2007 geschaffenes Schnitzwerk "Mao e Hitler" im Angebot.
    foto: galerie

    Die Galeria Rubin (Mailand) hat bei Art Cologne Gerhard Demetz’ 2007 geschaffenes Schnitzwerk "Mao e Hitler" im Angebot.

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