Sonntags bei der Menschlichkeitspflege

21. April 2008, 17:46
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Yann und Beatrix von Carole Fréchette, im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG)

Die Prinzessin sitzt im 133. Stockwerk eines Hochhauses. Ihr Turmzimmerchen ist mit Kunstrasen tapeziert, darauf Plastikgänseblümchen sprießen. Und der Prinz - ist ein Prämienjäger, den sie mit einer Annonce angelockt hat.

Yann und Beatrix von Carole Fréchette, im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) nun in der Regie von Margit Mezgolich erstmals auf Deutsch aufgeführt, ist wohl ein Stück über die unüberwindbaren zwischenmenschlichen Distanzen. Ich-Suche, Gefühlsschwäche, Selbstverwirklichung, Entfremdung in dieser ach so schnelllebigen Zeit, in der alle so verdammt abgebrüht funktionieren - man interessiert sich nur für den anderen, wenn man zusammen eingesperrt ist?

Nicht einmal dann! Denn der Prämienjäger (Gernot Plass) lässt sich weder durch Vollmonde, die zu "Fly me to the Moon" aufleuchten, knacken, noch durch die aufgezwungenen Zärtlichkeiten der rothaarigen Prinzessin (Christina Schaefer), die den Schlüssel zum Loft verschluckt hat. Liebe - etwas, das man sich vornimmt wie den Sonntagsbesuch bei der kranken Großmutter.

Und wie so oft im TAG fragt man sich am Schluss: Wer ist diese vermeintliche Gesellschaft, der hier ein dekorierter alter Spiegel vorgehalten werden soll? (ih, DER STANDARD/Printausgabe, 13.04.2008)

>> TAG - Th. a. d. Gumpendorfer Str.,, (01) 586 52 22, bis 13. 5., 20.00

Link:
www.dastag.at
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    foto: tag /stöcher und göbl
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