Jedes Ausbildungsjahr bringt sieben Prozent mehr Nettolohn

17. April 2008, 13:19
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Bildung zahlt sich aus - Ein zusätzliches Ausbildungsjahr "bringt" finanziell mehr als ein Jahr Berufserfahrung - Mit Infografiken und Bericht zum Download

Wien - Bildung ist auch in harten Euro messbar, denn sie macht sich buchstäblich bezahlt. Das belegen neueste Analysen der Statistik Austria, die am Mittwoch präsentiert wurden. Ein zusätzliches Ausbildungsjahr bedeutet demnach einen finanziellen Einkommensvorteil von durchschnittlich sieben Prozent mehr Nettostundenlohn. 2005 erhielten Männer pro zusätzlichem Ausbildungsjahr einen um 7,7 Prozent höheren Nettostundenlohn, der Einkommensvorteil von Frauen betrug pro weiterem Bildungsjahr nur 7,2 Prozent.

Bezogen auf Bruttolöhne wäre der Effekt aufgrund des progressiven Steuersystems noch stärker, erklärte der Bevölkerungsstatistiker Markus Schwabe. In den höheren Bildungsebenen stiegen die "Bildungsrenditen" noch deutlicher an als in den unteren.

Männer mit akademischem Abschluss haben gegenüber Pflichtschulabsolventen einen um 74,7 Prozent höheren Nettostundenlohn, Akademikerinnen bekommen um 69,1 Prozent mehr Nettostundenlohn als Frauen, die nur Pflichtschulabschluss haben.

Ein zusätzliches Ausbildungsjahr ist finanziell auch deutlich mehr wert als ein Jahr mehr an Berufserfahrung, das für Frauen ein Einkommensplus von 2,4 Prozent, für Männer 2,6 Prozent bringt.

Der Effekt der "sehr gestiegenen Bildungsrenditen" resultiere daraus, "dass die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmern stark zunimmt, Österreich aber zu wenige Akademiker ausbildet", erklärt Einkommensexperte Alois Guger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Standard-Gespräch. Der Akademikermangel steigere bei wachsender Nachfrage den Preis, der für hoch qualifizierte Arbeit bezahlt wird. Durch die Globalisierung stehen diese Qualifikationen einfacher zur Verfügung, wobei "der Zuzug relativ gut gebildeter Menschen aus dem früheren Ostblock andere Tätigkeiten unter Druck bringt, etwa wenn Ärztinnen hier in der Krankenpflege arbeiten", sagt Wifo-Experte Guger.

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"Wir sind Statistiker und halten uns an die Fakten." Mit diesem Satz steckte der Leiter der Direktion Bildung der Statistik Austria, Peter Findl, am Mittwoch bei der Präsentation der Broschüre "Bildung in Zahlen 2006/2007" gleich die Grenzen der Zuständigkeit ab. Hier die nüchternen Daten, da die Interpretationen und Schlussfolgerungen der Politiker. Diese haben mit dem Faktenkompendium für die in letzter Zeit gern zitierte "faktenbasierte Politik" Daten vom Lernen im Kleinkindalter bis zur Weiterbildung im Berufsleben zur Verfügung.

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. So lässt sich zum Beispiel klar belegen, dass sich Bildung buchstäblich rechnet. Die Währung für Bildung sind nicht nur Noten, sondern auch harte Euro. Akademiker erzielen einen um 75 Prozent (Männer) bzw. 69 Prozent (Frauen) höheren Nettostundenlohn als Menschen mit Pflichtschulabschluss. Ein zusätzliches Ausbildungsjahr ist finanziell deutlich mehr wert als ein Jahr mehr an Berufserfahrung.

Bildung wirkt auch wie eine Firewall gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Pflichtschulabgänger dreimal so hoch wie für Universitäts- oder Fachhochschulabsolventen (9,6 Prozent zu 2,7 Prozent, Österreich-Schnitt: 4,7 Prozent Arbeitslose), erklärte Statistiker Markus Schwabe.

Armutsgefährdung

Auch die Armutsgefährdung ist für Pflichtschulabsolventen dreimal so hoch wie für Akademiker (19,8 Prozent vs. 6,6 Prozent). Eine Lehre ist übrigens ein besserer Schutz vor Armutsgefährdung (8,9 Prozent) als bloß eine Matura (9,7 Prozent).

Der statistische Allgemeinbefund über das österreichische Bildungsniveau lautet: "Österreich ist weiter auf Qualifizierungskurs." Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit nur Pflichtschulabschluss ist zwischen 1971 und 2006 von knapp 60 auf 18,2 Prozent gesunken. Der Akademikeranteil hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht (13 Prozent), aber es sei "evident", dass es hier noch klaren "Nachholbedarf" gebe.

Die Reifeprüfungsrate stieg von 1987 mit 24,9 Prozent eines Jahrgangs auf 38,2 Prozent im Jahr 2005 - mit deutlichem Vorsprung für die Frauen (44,5 Prozent, Männer 32,1 Prozent). 48,1 Prozent aller Maturanten beginnen ein Studium.

Die Studierendenzahl steigt seit 30 Jahren "stetig", einen Einbruch gab es nur nach Einführung der Studiengebühr 2001. Das erkläre sich aus der statistischen "Bereinigung in den Karteien der Unis", so der Fachstatistische Generaldirektor Peter Hackl.

Zu wenig Lehrende an Unis

Zur Lage an den Unis beobachteten die Statistiker auch, dass die Zahl der Professoren "keineswegs" der steigenden Studierendenzahl folgte: Die Betreuungsrelation an den Unis habe sich "tendenziell verschlechtert". 2006/07 kamen auf eine Professur 95 Studierende, in den Jahren davor waren es 90. Alle Lehrenden eingerechnet, entfielen 2005/06 auf eine Lehrperson an öffentlichen Unis 15,2 Studierende (2003: 1:18), an Privat-Unis 7,7 und an Fachhochschulen 7,3.

Das Resümee der Statistiker über das österreichische Bildungswesen ist das seit Pisa bekannte: Mittelmaß. Oder wie Peter Findl sagte: "Generell liegen wir im europäischen Durchschnitt - und das ist schmerzlich für jemanden, der glaubte, top zu sein." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 17. April 2008)

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