"Nicht mit der Badehose ins Parlament"

21. April 2008, 16:33
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Die grüne Kritik resultiere daraus, dass er Erwartungen nicht erfüllt habe, glaubt der erste "Migrations- Bundesrat" Dönmez

STANDARD: Sie haben bereits angekündigt, sich dessen bewusst zu sein, für manche ihrer künftigen Aussagen "die eine oder andere Watschen" (siehe derStandard.at- Interview) zu kassieren. Sind sie grüner Masochist?

Dönmez: Nein, so darf man das nicht auffassen. Ich will keine künstlich provozierte Diskussion in Gang setzen, nur um den Medien die Schlagzeile "Die Grünen sind tief gespalten" zu liefern. Die Grünen sind eine Partei, die unterschiedliche Ansichten zulässt und die Vielfalt lebt.

STANDARD: Es ist aber doch ungewöhnlich, wenn die Grünen Sie stolz als Österreichs ersten nationalen Politiker mit Migrationshintergrund präsentieren und parallel dazu heftige Kritik an Ihrer Person aus der eigenen Partei kommt, oder?

Dönmez: Was ist daran ungewöhnlich? Wir sind ja keine Einheitspartei, die autoritär strukturiert ist. Es ist für mich selbstverständlich, dass wir gerade bei so einem emotionalen Thema wie der Integration nicht alle auf einer Linie sind.

STANDARD: Wenn der Linzer Grünen-Chef Jürgen Himmelbauer sagt, Ihre Worte und Wertehaltung seien "problematisch" und Sie müssten sich überlegen, welche Position Sie als Bundesrat vertreten, ist das wohl ein bisschen mehr als 'nicht auf Linie', oder?

Dönmez: Es ist mir transportiert worden, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Aber ich habe beim Thema Integration sicher eine differenzierte Herangehensweise, weil ich eben zwischen zwei Kulturen aufgewachsen bin. Ich kenne beide Seiten.

STANDARD: Kritik kommt aber nicht nur aus Linz, auch Teile der Wiener Grünen haben bereits Bedenken geäußert. Wird es da als Bundesrat nicht schwer werden?

Dönmez: Sicher nicht. Ich arbeite in einem Flüchtlingsheim, bin türkischer Herkunft und lebe in den Communities – mir braucht wirklich keiner erzählen, was Sache ist. Aber wahrscheinlich war auch vonseiten der Partei die Erwartungshaltung eine andere.

STANDARD: Inwiefern?

Dönmez: Man hat gedacht, dass mit mir einer kommt, der nur für die Ausländer spricht. Und das tue ich halt nicht, ich versuche die Diskussion sachlich, ehrlich und differenziert zu führen.

STANDARD: Werden Sie als Bundesrat Ihren provokanten Stil beibehalten?

Dönmez: Natürlich werde ich diplomatischer vorgehen. Aber inhaltlich bleibt es dabei: Ich lasse mir auch in Zukunft sicher nicht die Migranten madig reden und alle Österreicher als ausländerfeindlich hinstellen.

STANDARD: Sind Sie der neue "Scharfmacher" der Grünen?

Dönmez: Nein, ich bin weder "Scharfmacher" noch "Sozialromantiker", sondern verstehe mich als "Brückenbauer" zwischen den Kulturen.

STANDARD: Aber Sie verstehen schon, dass man hellhörig wird, wenn plötzlich vom künftigen grünen Bundesrat Aussagen wie "Haben Imame eine theologische Ausbildung oder sind es irgendwelche Kameltreiber aus Anatolien" kommen?

Dönmez: Die Aussage war sicher sehr provokant. Aber es entspricht eben der Realität, dass es sehr viele selbsternannte Imame ohne theologische Ausbildung gibt. Und das ist ein Problem mit vielen Folgeproblemen.

STANDARD: Wo steht Österreich derzeit beim Thema Integration?

Dönmez: Im Endeffekt sind beide Seiten – Österreicher und Zugereiste – unzufrieden. Profitieren tut nur die politische Rechte. Man muss jetzt aktiv werden, wir haben seit Jahrzehnten eine Einwanderung, aber keine adäquate Politik. Es braucht die Rahmenbedingungen, dass Integration gelebt werden kann. Wenn es diesen Rahmen gibt, kann man sagen: Fördern und Fordern. Man muss endlich erkennen: Religion ist mehr als ein Kopftuch oder irgendwelche Extremisten, die zündeln.

STANDARD: Sind Sie für ein Kopftuchverbot?

Dönmez: Wenn ein Kopftuch aus einer religiösen Haltung heraus getragen wird, habe ich kein Problem damit. Wenn es ein aufgezwungenes Symbol ist, schon. Ich bin auch klar gegen eine Ganzkörperverschleierung. Wenn jemand so in Österreich auftritt, bleiben gewisse Türen verschlossen. Ich kann mich ja auch nicht in der Badehose ins Parlament setzen.

STANDARD: Wurde mit Ihnen der vieldiskutierte Generationswechsel bei den Grünen eingeleitet?

Dönmez: Es sollen künftig bei den Grünen junge Leute verstärkt einbezogen werden. Aber natürlich darf auf die Erfahrungen der Älteren nicht verzichtet werden. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 16.4.2008)

ZUR PERSON:
Efgani Dönmez (31), türkischstämmiger Oberösterreicher, studierte nach einer Lehre zum Installateur an der Sozialakademie und arbeitet seit 1999 bei der Volkshilfe Oberösterreich. Anfang April wurde Dönmez zum grünen Bundesrat gewählt.
  • Mit einem Kopftuch als religiöses Symbol hat Efgani Dönmez kein Problem, gegen eine Ganzkörperverschleierung stellt sich der Neo-Bundesrat klar. Tritt jemand so auf, würden gewisse Türen verschlossen bleiben.
    standard/alfred habitzl

    Mit einem Kopftuch als religiöses Symbol hat Efgani Dönmez kein Problem, gegen eine Ganzkörperverschleierung stellt sich der Neo-Bundesrat klar. Tritt jemand so auf, würden gewisse Türen verschlossen bleiben.

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