Die Slowakei auf Euro-Kurs

15. April 2008, 19:34
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In Österreichs östlichem Nachbarland laufen die Vorbereitungen zur Währungsumstellung am 1. Jänner 2009 auf Hochtouren

Wenn die Vorbereitungen zur Euro-Einführung in der Slowakei gut laufen, wird es Anfang 2009 in Bratislava und Kremnica ein großes Feuer geben. "Wir schätzen, dass es insgesamt 148 Tonnen Banknoten und 2000 Tonnen Münzen werden, die zur Vernichtung geeignet sind", sagt Milada Kronerová, Direktorin in der slowakischen Nationalbank.

Entscheidung im Juli

Die endgültige Entscheidung über den Beitritt der Slowakei zur Eurozone mit 1. Jänner 2009 fällt der Europäische Rat im Juli. "Die Wahrscheinlichkeit der Euro-Einführung beträgt 90 Prozent", sagt der slowakische Finanzminister Ján Pociatek. Die Maastricht-Kriterien seien erfüllt: Die Inflation lag im Februar mit 2,1 Prozent deutlich unter dem Limit von 3,1 Prozent, das Haushaltsdefizit werde in diesem Jahr auf zwei Prozent des BIP veranschlagt.

Die Vorbereitungen betreffen aber nicht nur die große Wirtschaft. Einen Monat nach Festlegung des Wechselkurses, also ab August, müssen alle Preise in beiden Währungen angegeben werden. Widerstand gab es nur bei den Kleinhändlern, die weniger als fünf Leute beschäftigen. Sie waren nicht bereit, ihre Registrierkassen umzustellen. Nun müssen sie die Preise nur direkt bei der Ware doppelt auszeichnen. Gleiches gilt für Versandhandel, Tankstellen, Konditoreien und Fleischereien. Tabak- und Fastfoodverkäufer müssen nur eine doppelte Preisliste an gut sichtbarer Stelle anbringen.

Weil dem Euro auch in der Slowakei der Ruf eines "Teuro" vorauseilt, wird die korrekte Umrechnung von insgesamt 150 Handelsinspektoren in 30 Regionen kontrolliert: zuerst einmal im Monat, später alle zwei Wochen. Zur Kontrolle melden sich auch weitere Verbände und Vereine, die ihre Freiwilligen ins "Terrain" schicken wollen.

Die 188 Millionen Euro-Banknoten im Wert von sieben Milliarden Euro, die für den Umstieg auf die neue Währung notwendig sind, werden von der österreichischen Nationalbank geliefert. Die slowakische Nationalbank verteilt das Geld an die Banken, die bis Ende März Zeit hatten, ihren Bargeldbedarf anzumelden.

Die Euro-Münzen mit slowakischen Motiven auf der Rückseite werden im Münzhaus in Kremnica geprägt: ungefähr 1900 Tonnen im Wert von 140 Millionen Euro.

Zwei Währungen für 16 Tage

Gemeinsam werden die beiden Währungen nur 16 Tage im Umlauf sein. Danach gilt nur noch der Euro. Nach Meinung vieler Experten war die zweimonatige Übergangsfrist in anderen Ländern viel zu lang und hat die Kosten der Umstellung stark erhöht.

In der noch immer stark religiös geprägten Slowakei sind auch die Kirchen in die Währungsumstellung eingebunden. Dabei geht es vor allem um Hilfe für Pensionisten, Behinderte und sozial Schwache. In diesen Monaten laufen Informationsseminare für Mitarbeiter kirchlicher Organisationen. "Einige Leute - Schwächere, Isolierte oder Behinderte - haben leider keinen guten Zugang zu Informationen und können diesen großen Wechsel nicht vollwertig akzeptieren und verstehen. Wir sind hier, um ihnen zu helfen, mit der neuen Situation fertigzuwerden", sagt Ján Huba, Chef der Evangelischen Diakonie in der Slowakei. (Lýdia Kokavcová aus Bratislava, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2008)

  • Ein- und Zwei-Euro-Münze (Bild): slowakisches Wappen.

    Ein- und Zwei-Euro-Münze (Bild): slowakisches Wappen.

  • Zehn- bis 50-Cent-Münzen: Burg von Bratislava.

    Zehn- bis 50-Cent-Münzen: Burg von Bratislava.

  • Ein- bis Fünf-Cent-Münzen: Hohe Tatra.

    Ein- bis Fünf-Cent-Münzen: Hohe Tatra.

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