"Deep Throat" vs. Manierismus

20. April 2008, 16:49
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Parallel zur laufenden Arcimboldo-Ausstellung zeigt das Kunsthistorische Museum den zeitgenössischen Künstler Glenn Brown

Wien - Das Kunsthistorische Museum zeigt in einer kleinen Glenn Brown-Personale zeitgenössische Kunst und stellt sie den Werken Giuseppe Arcimboldos gegenüber. Bei der Suche nach zeitgenössischen Künstlern, mit denen die bis 1. Juni laufende Arcimboldo-Ausstellung ergänzt werden könnte, ist man nicht nur auf Bernard Pras gestoßen, dessen fotografische "Kompositporträts" bereits seit Februar zu sehen sind, sondern auch auf den von der renommierten New Yorker Gagosian Gallery vertretenen Briten, Glenn Brown. Er verwende ähnliche Techniken wie Arcimboldo, schilderte Kuratorin Katarzyna Uszynska. Auch seine Gemälde seien Rätselbilder. "Nicht selten entpuppen sich die pastos scheinenden Pinselstriche als Trompe l'Oeuil-Malerei, lassen sich in den hybrid-amorphen Formen immer wieder menschliche Züge entdecken."

Tatsächlich ähnelt die Annäherung des Betrachters an die zehn gezeigten Gemälde Browns jener bei den Bilderwelten des italienischen Manieristen. Was zunächst als sehr dekorative Farbaufträge, bei denen sich dicke Striche zu verworrenen Knäuel verflechten, oder als seltsame Gemüse-Stillleben wirkt, lässt sich beim näheren Hinsehen auch als Horrorfilm interpretieren. Dabei gräbt er in der Kunstgeschichte, verfremdet, verbiegt und verändert bekannte Inhalte und Ikonografien. Uszynska: "Brown vergleicht sich gerne mit einem künstlerischen Doktor Frankenstein, der alte Bilder zu neuem Leben erweckt." (APA/red)

  • Glenn Brown, Deep Throat (2007), Öl auf Holz
    foto: khm

    Glenn Brown, Deep Throat (2007), Öl auf Holz

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