Stille in der Plaudertasche

23. April 2008, 12:01
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Einem Spanienurlauber aus Oberösterreich wurde das Handy gestohlen, 800 Euro wurden vom Dieb vertelefoniert. Wieder daheim, wollte "One" erneuten Empfang nur gegen Bares gewähren

Es sollte für die neun Oberösterreicher ein gemütliches Fußballwochenende in Barcelona werden. Höhepunkt des Kurztrips: das Spiel FC Barcelona gegen Getafe im Nou-Camp-Stadion, Europas größter Fußballarena. Für den 31-jährigen Ansfeldner Klaus Kasper hatte der Ausflug in die spanische Metropole aber ein kommunikationstechnisches Nachspiel der kuriosen Art.

Zu spät

Noch in Barcelona bemerkt Kasper den Diebstahl seines Handys und lässt die Sim-Karte über seinen Netzanbieter One sperren. Offensichtlich mehrere Stunden zu spät. Wieder in Österreich erfährt der Ansfeldner nämlich, dass die Handydiebe bis zum Zeitpunkt der Sperre bereits 800 Euro vertelefoniert hatten.

Den Schock über die unfreiwilligen Handykosten noch nicht verdaut, bescherte One seinem Kunden die nächste unliebsame Überraschung. Da ein offener Betrag von 800 Euro - zur Erinnerung: jener Betrag, den der spanische Dieb ungefragt aus der "kleinen Plaudertasche" entwendet hatte - am Konto aufscheine, müsse man umgehend sowohl Handy als auch das Internet sperren. Hinweise, dass dem finanziellen Problem ein Diebstahl und nicht Zahlungsunwille oder gar eine mangelnde Liquidität zugrunde liegen würden, beeindruckten den One-Kundenberater ebenso wenig wie eine Kopie der Verlustanzeige. "Da ich beruflich derzeit ziemlich eingedeckt bin und One ja sowieso eine von mir unterschriebene Einzugsermächtigung hat, habe ich darum gebeten, den offenen Betrag doch einfach von meinem Konto abzubuchen", schildert Kasper im Standard-Gespräch.

Ein Euro Guthaben

Nicht mit One: Der offene Betrag könne nur bar in einem Kunden-Shop beglichen werden. Oder man könne natürlich auch bis zum Monatsende auf die offizielle Handyrechnung warten. "Es ist eine Frechheit, wie da mit einem langjährigen Kunden umgesprungen wird. Keine Überweisung, kein Net-Banking - nur bar. Und das in der heutigen Zeit", ärgert sich Kasper.

Bei One versteht man die Aufregung nicht: "Wenn sonst immer nur kleine Beträge auf der Rechnung stehen, und plötzlich sind 800 Euro offen, läuten bei uns die Alarmglocken. Dass in solchen Fällen nur Barzahlung möglich ist, steht im Vertrag", rechtfertigt Sprecherin Petra Jakob die Vorgehensweise. Spannendes Detail: Rund eine halbe Stunde nach der Standard-Anfrage wurde das Handy aus "Kulanzgründen" nach neun Tagen Funkstille wieder freigeschaltet. Und man zeigte sich kundenfreundlich - Herr Kasper bekam für ein Woche die Grundgebühr erlassen. Was sich bei einem Monatsgrundtarif von vier Euro so richtig auszahlt.

Hauptproblem ist die irreführende Werbung

Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) kennt man die Probleme. "Von so einem Fall höre ich zwar zum ersten Mal, aber es rufen oft verärgerte Kunden an. Hauptproblem ist die irreführende Werbung. Da bieten die Netzbetreiber tolle Tarife an, die Rechnung schaut meist anders aus", schildert Renate Wagner vom VKI.(Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 15. April 2008)

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