Wirbel um Finanzierung der Tschad- Mission

Redaktion, 05. Juni 2008 13:44
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    Foto: apa/bundesheer/ peter lechner

    Soldaten als Entwicklungshelfer? Ja, denn sie leisten humanitäre Hilfe, sagen die Regierung und die OECD. Mit klassischer Entwicklungshilfe habe das nichts zu tun, entgegnen Kritiker, das Geld werde anderswo fehlen.

Einsatz wird als Entwicklungshilfe verrechnet - Grüne kündigen Anfrage im Nationalrat an - Kritik auch von NGOs

Wien – Die österreichische Regierung wird sich den Bundesheereinsatz im Tschad als Entwicklungshilfe anrechnen lassen. Wie der Standard erfuhr, hat das Außenministerium in Wien die Anrechenbarkeit des Einsatzes in einem Briefwechsel mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Frühjahr abklären lassen. Diese Vorgehensweise ist umstritten, denn durch die Anrechnung werden militärische Ausgaben – für Munition etwa – als Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) ausgegeben. Andererseits weist das Außenministerium darauf hin, dass die Tschad-Mission klare humanitäre Ziele wie den Schutz von Flüchtlingen verfolgt.

Heftige Kritik kommt jedenfalls von den Grünen: "Es kann nicht sein, dass Militäreinsätze, auch wenn sie humanitäre Ziele haben sollen, die Zukunft der österreichischen Entwicklungshilfe sind", sagt die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek. Unklar sei auch, ob die Mission nachhaltig und armutsbekämpfend wirke, also den Kriterien der österreichischen Auslandshilfe überhaupt entspreche. Die Abgeordnete will daher noch diese Woche eine schriftliche Anfrage im Nationalrat an das Außen- und Finanzministerium stellen. Der Militäreinsatz im Tschad wird bis Juni rund 25 Millionen Euro kosten. Nicht als entwicklungshilfetauglich gelten offiziell nur längerfristige Ausgaben, etwa für gepanzerte Fahrzeuge.

Kritik kommt auch von NGOs: "Wenn ein Militäreinsatz in die Entwicklungshilfe eingerechnet wird, wird das Geld an anderer Stelle, etwa bei der Nahrungsmittelhilfe, fehlen", sagt Christoph Petrik-Schweifer, Chef der Auslandshilfe der Caritas. Zudem warnt er davor, Militäreinsätze pauschal als humanitäre Hilfe einzustufen. Das Besondere im Fall des Tschad-Einsatzes ist, dass die gesamten laufenden Kosten für die Mission EZA-tauglich sind: Für die Mission im Kosovo darf nur ein Bruchteil des Aufwandes als EZA verrechnet werden, bei UN-Blauhelmmissionen sind es sieben Prozent der Ausgaben.

Im Außenministerium wird auf die OECD verwiesen: Diese habe entschieden, dass der Tschad-Einsatz als EZA einstufbar sei. Auch andere Staaten werden sich den Einsatz anrechnen lassen, heißt es. Dass es nur darum gehe, die österreichische Bilanz zu verbessern, wird zurückgewiesen. Österreich hat zugesagt, bis 2010 0,51 Prozent seines Bruttonationaleinkommens für EZA auszugeben. Nach Schätzungen fehlen dafür derzeit rund 800 Millionen Euro.

Die OECD beklagt zudem schon lange, dass Österreichs Hilfe falsch verteilt ist. Für die längerfristig nicht planbare humanitäre Hilfe, etwa nach Erdbeben, werde im Verhältnis zu viel ausgegeben. Kernprojekte der EZA wie Institutionenaufbau und Armutsbekämpfung kämen dagegen zu kurz. (András Szigetvari/ DER STANDARD Printausgabe, 15.4.2008)

Kommentar posten
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Wolfgang Moser
15.04.2008 20:24
Seid ich vom Zivi gehört habe das Militäreinsatz...

Entwicklungshilfe ist----verstehe ich die Amis erst richtig-.Die Leisten also Entwicklungshilfe im Irak und Afghanistan.

Wenn das der Bush erfährt lädt er den Darabos auf seine Ranch ein zum Essen.

Franz Woyzecks liebste Erbse
15.04.2008 17:52
@Ceiberweiber

Darauf habe ich mein Leben lang gewartet: Dass ein deklarierter SPÖ-Fan einen Militäreinsatz fast schon fanatisch verteidigt.

ceiberweiber.at
15.04.2008 21:22
wenn man nicht lesen kann

hat man irgendwann mal was vom irakkrieg gehört und hält den tschad für eine stadt im irak.

aber wie machen sie das eigentlich mit dem posten?

diktieren sie? oder verfasst sie auch jemand anderer?

Franz Woyzecks liebste Erbse
15.04.2008 22:20

Gähn. Wer nicht ihre Meinung vertritt, ist wieder mal automatisch ein Kampfposter, gell ?

Im übrigen bin ich nicht aus humanitären Gründen gegen diesen Einsatz, sondern aus militärischen.

Jambala Magdalena
15.04.2008 16:26

Ich finde es sehr in Ordnung, weil die Entwicklungshilfe , die üblicherweise geleistet wird, ist doch für die Katz. Oder kann man auch nur eine Erfolgsmeldung vorweisen?

erwin meier
15.04.2008 16:47

die nachfrage nach mercedes limousinen und geländewägen ist in afrika deutlich angestiegen. ausserdem wurde in manchen bereichen (zB textilien, ackerbau) die lokale industrie nachhaltig zerstört, da sie gegen die kostenlosen "hilfslieferungen" nicht bestehen konnte.

fred fredl
15.04.2008 16:39

der Erfolg der Entwicklungshilfe der letzten 50 Jahre liegt darin die Idee von Unterentwicklung so zu installieren, das westliche Industrieländer als höchste Entwicklungsstufe der Menschheit gelten und alle anderen freudig in den Abgrund hinterherfahren

fred fredl
15.04.2008 16:20

militärische Demokratieverbreitung ist doch Entwicklungshilfe par excellence........und Kopfschuss

Auf uns westliche Entwicklungsexperten....wir habens drauf

ceiberweiber.at
15.04.2008 16:27
aha

und sie sind sich ganz sicher, dass sie wissen, zu welchem artikel sie posten?

hier geht es um die sicherung von flüchtlingslagern, die die patrouillierenden soldaten gar nicht betreten. wo die menschen bisher angst um ihr leben haben mussten, wenn sie sich ausserhalb der lager bewegt haben und die hilfsorganisationen nicht mehr wussten, in welchem umfang sie ihre unterstützung wegen der gefahren noch aufrechterhalten können.

fred fredl
15.04.2008 16:56

und damit rechtfertigen sie den Anspruch dieser Aktion als Entwicklungshilfe?

TSMOE
15.04.2008 17:12

Flüchtlinge vor dem Tod zu retten klingt für mich doch recht gut. Wie stehen Sie dazu?

fred fredl
24.04.2008 12:11

hab immer gedacht hier gehts um Entwicklungshilfe

Warentester
15.04.2008 15:11

Ich finde das vollkommen korrekt. Schließlich werden durch die häufige und ausdauernde Interaktion unserer Jakohelden mit der dortigen Infrastruktur (Sauftouren, P*fftouren, etc.) eine ansehnliche Menge an Geld in die lokale Wirtschaft gepumpt, deren Ausmaß durchaus ausreicht, um diese dauerhaft zu stützen. Hoffentlich schießt nicht wieder wer in die Luft oder lässt einen Kracher fallen, weil dann müssen sich unsere Helden wieder tagelang in Luxushotels unter dem Bett verstecken, was die segenreichen Geldströme dann doch erheblich reduziert.

eilat 94
15.04.2008 19:24

jämmerlich.

erwin meier
15.04.2008 16:48

Quelle?

Warentester
15.04.2008 21:29

Quelle: Einstündiges "Gruppeninterview" mit sechs Herren vom Jako und jede Menge Sarkasmus.

Saufen und P*ffs waren bei denen tatsächlich die Hauptthemen, zusammen mit etwas seltsamen Theorien über Körperpflege (in etwa: Waschen ist unnötig, weil der Köper reinigt sich eh von selbst). Dazu jede Menge ramboeske Anflüge.

Nämlich gerade das Jagdkommando, die wirklich nur zum Kämpfen ausgebildet werden, als EZA zu definieren ist wirklich ein Hammer.
Sanis, ok. Pioniere (Aufbau von Infrastruktur), ok. Minenräumer, ok. ABC Abwehr, lass ich mir auch noch einreden. Aber sicher nicht das Jako.
Es ist ein Unterschied zwischen Friedenssicherung und EZA, zumindest IMO.

Freiheit ist nichts Selbstverständliches
15.04.2008 14:12
absolut gerechtfertigt

Das Schlagwort "Soldat" ruft natürlich bei gewissen Menschen wieder die üblichen Reflexe hervor, doch mMn hat dieser Einsatz um Welten mehr mit "Entwicklung" zu tun als Nahrungsmittellieferungen (!).

Man könnte sogar noch weiter gehen: das teilweise Geltendmachen (als Entwicklungshilfe) von Investitionen in die Versorgung, Aus- und Weiterbildung von Immigranten (kostet ein Vermögen), diese schicken in weiterer Folge ja auch große Geldmengen in ihre alte Heimat (anstatt es hier zu konsumieren/investieren), zudem wurde damit Humankapital geschaffen, welches manchmal auch wieder zurückkehrt (umgekehrter brain drain).

isidor vom billa
15.04.2008 15:18
Die übliche Heuchelei!

Nein, nicht das Schlagwort "Soldat" ruft Reflexe hervor, sondern die übliche österreichische Heuchelei!!!
Davor schützt auch ein sympathischer Verteidigungsminister in Zivi-Uniform nicht - und schon gar nicht eine angeblich sozialdemokratische Ideologie! Österreichische Soldaten sind - auch wenn sie es selbst nicht wissen - nur deswegen im Tschad, weil Ö im Rahmen der EU in der Region wirtschaftliche bzw. Rohstoff-Claims absteckt! Das ist genau jenes Vorgehen, dass unsere Politiker traditionell unter Entwicklungshilfe verstehen: Sie muss sich auch rechnen! Deshalb wundert es mich nicht wirklich, dass manche Poster nichts gegen Entwicklungshilfe der Marke "Sandviper" haben.

ceiberweiber.at
15.04.2008 15:59
unsinn

und auch die reaktion des roten kreuzes ist völlig überzogen:
http://www.ots.at/presseaus... ch=politik

die tun geradewegs so, als würden helferInnen durch den humanitären einsatz gefährdet.

klein adlerauge
 
15.04.2008 17:14

das rk will ja nicht um eine seiner haupteinnahmequellen (entwicklungshilfe) umfallen.
solche meldungen werden meistens von funktionären geschoben die seit 20 jahren ihren schreibtischarbeitsplatz nicht mehr verlassen haben.

was dieser einsatz (bewachung von flüchtlingslagern) außer entwicklungshilfe SONST sein soll, hat hier auch noch keiner der gegner schlüssig erklärt.
aber wahrscheinlich ist es in wirklichkeit ein eroberungsfeldzug zur sicherung der sandreserven für undere bauwirtschaft.
mfg

ceiberweiber.at
15.04.2008 18:20
PS

das mit der bauwirtschaft ist gut, wahrscheinlich übernimmt dann die strabag im tschad die rolle von halliburton im irak...

und da haselsteiner nun berater der SPÖ kärnten ist, sind auch die hintergründe des einsatzes erklärbar :-)

(fürchte, manche hier werden dies glauben, daher sollte man viele smileys posten....)

:-))))

ceiberweiber.at
15.04.2008 18:18
mag sein

ich will nicht über die motive des roten kreuzes spekulieren, aber es ist mehr als gewagt, irgendeine gefährdung für helferInnen durch soldaten zu konstruieren. es ist ja keineswegs so, dass es überhaupt viele berührungspunkte zwischen den patrouillen und den flüchtlingshelferInnen gibt, eben weil die soldaten die lager gar nicht betreten dürfen. das rote kreuz tut ja so, als ob die helferInnen und die soldaten in der wüste herumirren und sich dabei ins gehege kommen - das ist nun echt nicht nachvollziehbar.

t bone steak
15.04.2008 13:53
also die

"sandviper" hats JaKo echt gut hinbekommen.
bin schon gespannt ob sich die ausrüstung bewährt.

QUMI
15.04.2008 13:40

Bin ich froh, dass ich an keine Hilfsorganisation gespendet habe.
Hatte immer ein ungutes Gefühl, wo wohl die Gelder hinkommen (Administration, etc.).
Jetzt ist zumindest ein solcher Teil bekannt, der mit diese Überlegung auf ewig abnimmt
KEINE Spenden werden getätigt, denn die die sich brauchen bekommen sie nicht!

bouncing
15.04.2008 15:52

klar, die NGOs leiten die gelder ja fix weiter an den österr. staat.

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