"Lochte war fuchsteufelswild"

29. April 2008, 14:45
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Gegen Markus Rogan half dem US-Favoriten auch kein Welt­rekord, der Titel kräftigt den Glauben des Öster­reich­ers an Olympia-Gold

Manchester - Für Markus Rogan beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf die Olympischen Spiele mit einem einwöchigen Urlaub. Der neue Weltrekordler erholt sich nun eine Woche lang von den Anstrengungen der EM in Eindhoven und WM in Manchester. "Nach den 100 Rücken hat mir Claudio (Anm.: Trainer Rossetto) aber eine Woche Urlaub gestrichen. Das giftet mich", so Rogan. "Er hat nach den 100 Rücken gemeint, dass ich nicht die richtige Einstellung habe."

Für Rogan steht ab Ende April für drei Wochen ein Höhentrainingslager in die Sierra Nevada auf dem Programm. Danach wird wieder in Rom gearbeitet, ehe es in der letzten Juni- und den ersten beiden Juli-Wochen nach Sardinien geht: "Wir sind dort in einem Trainingszentrum kaserniert Claudio meint, dass wir dort von den Medien abgeschottet sind."

Blick auf die US-Trials

Während dieses Trips finden in Omaha in Nebraska vom 29. Juni bis 6. Juli die US-Olympia-Trials statt. Rogan wird sie mit speziellem Interesse verfolgen, entscheiden sich doch seine Hauptgegner bei den Spielen. Den Kandidaten-Kreis für die beiden US-Plätze über 200 m Rücken bilden Ryan Lochte, Michael Phelps und Aaron Peirsol. Bei Lochte und Phelps bleibt abzuwarten, ob sie die lange Rückenstrecke in ihr Trials-Programm nehmen.

Lochte erhielt durch seine Niederlage gegen Rogan jedenfalls vorerst einmal einen Dämpfer in seinen Ambitionen, Superstar Phelps in Peking womöglich den Rang abzulaufen. "Er war nach dem Finale fuchsteufelswild", erzählte Rogan über die Stimmungslage seines Konkurrenten. "Aber er hat mir gratuliert und gesagt: 'Du hast es verdient.'"

"Ryan ist bei der WM müde geworden"

Lochte entwickelt sich über 200 und 400 m Lagen zu einem ernsten Konkurrenten von Phelps, kann darüberhinaus auch die 100 und 200 m Rücken gewinnen. Wenn ihm das gelänge, wären die Ambitionen von Phelps, sieben oder mehr Goldmedaillen in der chinesischen Haupstadt zu holen, nicht mehr zu realisieren. "Aber Ryan ist bei der WM müder geworden, als er gedacht hat", sagte Rogan. "Das wird ihm zu denken geben."

Sollten sich Lochte und Phelps für die olympischen 200 m Rücken qualifizieren, könnte Rogans seit Sonntag durchaus realistische Gold-Chance größer sein, da die beiden bei ihrem geplanten Mammut-Programm irgendwann zumindest leicht ermüden werden. Und die 200 m Rücken stehen nicht am Anfang der olympischen Schwimm-Woche. Peirsol hingegen ist ein Rücken-Spezialist und noch dazu Titelverteidiger.

"Eine Kopfsache"

Die 1:47,84, die Rogan Weltrekord und WM-Gold brachten, konnte Rogan auch Stunden nach dem Endlauf nicht erklären. Im Duell mit Lochte setzte er nicht erahnte Kräfte frei. "Das ist eine Kopfsache", erläuterte der neue Weltrekordler. "Wobei ich aber nicht sagen kann, ob mir das auf die 100 m ausgerichtete Schnelligkeitstraining auf den 200 m jetzt doch auch etwas gebracht hat."

Das wird auch nicht mehr analysiert, denn die Kurzbahn-Saison ist Geschichte. Der Fokus gilt nur noch auf der Langbahn und auf Olympia. Die 50-m-Bahn liegt Rogan noch mehr als die Kurzbahn. "Komisch aber, dass ich jetzt zum zweiten Mal auf der Kurzbahn Weltrekord aufgestellt habe, da die größeren Erfolge habe", wunderte sich der OSV-Star, fühlte sich freilich in seinen Bestrebungen in Richtung Olympiasieg aber nun noch mehr bestärkt: "Ich glaube jetzt noch mehr daran als vorher". (APA)

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