Filmfestival Visions du Réel: Rückkehr des politischen Kinos

20. April 2008, 16:31
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Fünf österreichische Streifen - darunter Ulrich Seidls "Import Export" - sind beim 14. Festival "Visions du Réel" von Nyon in der Schweiz mit von der Partie

Nyon - 160 Dokumentarfilme aus 36 Ländern stehen auf dem Programm des 14. Festivals "Visions du reel" von Nyon (Schweiz). Gegenüber früheren Ausgaben ist der Anteil an politischen Filmen deutlich gestiegen. "Es gibt eine Rückkehr des politischen Kinos im weitesten Sinn", sagt Festivaldirektor Jean Perret. "Manche Filme engagieren sich für nachhaltige Entwicklung oder Menschenrechte, andere sind anti-imperialistisch ohne die Revolution zu propagieren".

Die ausgewählten Filmemacher vertreten zwar im allgemeinen die Werte der Linken. "Ihre Werke ergreifen Partei und wollen provozieren. Aber ihr Militantismus ist nicht dogmatisch, sondern will andere Sichtweisen anbieten als die, wie sie etwa das Fernsehen vermittelt".

Beteiligungen aus Österreich

Aus Österreich sind fünf Filme vertreten: Im Wettbewerb um den "Grand Prix der Schweizerischen Post" geht mit Constantin Wulffs "In die Welt" ein österreichischer Kandidat ins Rennen. In der Kategorie "Tendances" sind sowohl Georg Mischs "Der Weg nach Mekka" als auch Joerg Burgers "Gibellina" eingeladen. Die Kategorie "Fiction du Reel" bringt Filme, in denen die Fiktion die Realität repräsentiert, Ulrich Seidl ist hier mit seinem "Import Export" vertreten. Zu den Talenten von morgen, die die Kategorie "Regards Neufs" präsentieren möchte, zählt Maria Geyrhalter-Arlamovsky mit "Eines Tages, nachts...", in dem sie sexuelle Gewalt in Kriegen am Beispiel der Krisen im Kongo thematisiert.

Die Filme des Festivals behandeln etwa den politischen Prozess in Russland, Folter im Irak, Morde in Argentinien oder den Migrationsfluss. Sie erzählen Familiengeschichten, streifen aber auch existenzielle Fragen, beispielsweise rund um den zeitgenössischen Tanz.

Putins Russland liefert für mehrere Filme den Hintergrund. So für "Letter to Anna" des Schweizers Eric Bergkraut über den Mord an Anna Politkovskaïa, der auf die Tschetschenien- Frage spezialisierten Journalistin. Das Festival präsentiert zudem eine Auswahl von etwa zehn feministischen Videos der Wahl-Walliserin Carole Roussopoulos. Sie hat während fast vierzig Jahren in Frankreich aus dem Innern der sozialen Kämpfe gefilmt - vom Kampf der Lyoner Prostituierten für normale Frauenrechte bis zu modernen Genderfragen. Als eine weitere starke Frau steht die Rock-Ikone Patti Smith im Zentrum von Steven Sebrings impressionistischem Porträt "Patti Smith: Dream of Life". (APA/sda)

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