300 Serben sollen aus dem Kosovo verschleppt worden sein - UNO-Tribunal geht Vorwürfen der ehemaligen Chefanklägerin Carla del Ponte nach
Tirana/Belgrad - Die albanische Staatsanwaltschaft hat sich
am Donnerstag bereiterklärt, mit dem UNO-Tribunal für
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) bei einer
Untersuchung zu Organhandelsvorwürfen zu kooperieren. Die Belgrader
Nachrichtenagentur Beta zitierte eine Aussendung der albanischen
Staatsanwaltschaft in Tirana, wonach diese bereit sei, mit den
Ermittlern des Haager Gerichtes zusammenzuarbeiten.
Die albanische Staatsanwaltschaft stellte in ihrer Aussendung
gleichzeitig aber fest, dass es im Buch der früheren Haager
Chefanklägerin Carla Del Ponte keine zusätzlichen Erkenntnisse zu den
Vorwürfen des Organhandels gegenüber Kosovo-albanischen Rebellen
gäbe, die neue Ermittlungen verdienen würden.
In ihrem jüngst auf Italienisch erschienenen Buch "La Caccia"
("Die Jagd. Ich und die Kriegsverbrecher") hatte Del Ponte erwähnt,
dass sich die Tribunalsanklage auch mit dem angeblichen Handel von
Organen serbischer Zivilisten in Albanien befasst habe.
300 Serben sollen verschleppt worden sein
In dem
Kapitel über den Kosovo-Krieg schrieb Del Ponte über die
Verschleppung von 300 Serben durch Mitglieder der
Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) nach Nord-Albanien im Jahr 1999. Dort
hätten UCK-Mitglieder den Gefangenen Organe entnommen und sie dann
ermordet. Wegen fehlender Beweise war von Anklägern des UNO-Tribunals
allerdings nie eine Ermittlung eingeleitet worden.
Untersuchungen wegen des vermeintlichen Organhandels wurden Ende
April auch in Serbien eingeleitet. Dort wurden nach Angaben der
Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen rund zehn Zeugen zu den
Berichten über die Gefangenenlager für Kosovo-Serben in Albanien im
Jahre 1999 angehört. Im Kosovo gelten neun Jahre nach dem Kriegsende
weiterhin rund 2.000 Menschen, darunter rund 500 Serben, als
vermisst. (APA)