"Ich war nur eine Randfigur"

15. April 2008, 08:40
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Ex-Bank-Vorstand Partik sah in den Karibik-1-Geschäften kein Risiko, das die Bank in Bedrängnis hätte bringen können

Am Montag war Ex-Bawag-Vorstand Gerhard Partik Zeuge. Er hatte viel mit Karibik Eins zu tun, wollte damals aber mit seiner Risikoeinschätzung "den Aufsichtsrat nicht verunsichern". Fast wäre er Bawag-Chef geworden.

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Wien - Der 90. Tag des Bawag-Prozesses war - irgendwie - der Tag von Erich Müller. Müller ist Verteidiger von Christian Büttner - und war früher Staatsanwalt am Landesgericht für Strafsachen Wien. 1994, als die ersten Geschäfte der Bawag mit Wolfgang Flöttl ("Vater-Sohn-Geschäfte") bekannt geworden waren und in aller Eile rückgeführt wurden, landete die Causa bei der Staatsanwaltschaft - bei Erich Müller. Er hat damals ermittelt und untersucht - letztlich starb die Causa. Die Notenbank hatte zwar massive Mängel bei der Abwicklung der Geschäfte festgestellt, aber auch, dass die Flöttl-Gelder zurückgeflossen waren - womit für das Justizministerium klar war, dass der Bawag "kein Schaden" entstanden war. Die Causa wurde eingestellt.

Kein Wunder, dass Karibik-Eins-Kenner Müller dem für Montag geladenen und unter Wahrheitspflicht stehenden Zeugen Gerhard Partik mit gewissem Interesse entgegenblickte. Partik war von 1978 bis 1995 im Bawag-Vorstand und bestens vertraut mit den Karibik-Geschäften. Doch Müller sollte enttäuscht werden. Der 74-jährige Partik, der mit seiner Frau (sie gründete die Vorgängergesellschaft von Amis) in Zypern lebt, konnte sich kaum erinnern.

Partik (er war früher im Konsum-Vorstand; seine Frau Zentralbetriebsrätin der Konsum-Bank) erzählte auf Befragung von Richterin Claudia Bandion-Ortner von den Karibik-Eins-Geschäften, die "Chefsache" gewesen seien. Im Vorstand habe man gewusst, dass die Bawag Geschäfte mit Flöttls Sohn machte; warum man den Aufsichtsrat über die Identität des "US-Partners" im Dunkeln ließ, wisse er nicht. Eine Weisung von Flöttl senior habe es dafür nicht gegeben - "aber über die Geschäfte der Bank spricht man auch nicht mit Außen", gab Partik Einblick ins Bawag-Verständnis von aktienrechtlichen Zuständigkeiten.

Zu viel gewusst

Geleitet von der Richterin, beschrieb er den Ablauf und seine Einschätzung der Geschäfte: Es sei um Veranlagungen gegangen, "viele Flöttl-Gesellschaften gab es nicht" (tatsächlich gab es sehr viele; Anm.). Er selbst habe die "schwierigen englischen Verträge teilweise" gelesen. "Wer hat den anderen Teil gelesen?" wollte Staatsanwalt Georg Krakow wissen. "Das weiß ich nicht. Flöttl junior schlug die Geschäfte vor, der Vorstand hat sie beschlossen; Flöttl senior hat uns so genau informiert, dass uns das oft schon zu viel war", erzählte Partik.

Dafür habe es "kein Risiko gegeben, das die Bank in Bedrängnis hätte bringen können". Nach punktgenauen Nachfragen des Staatsanwalts begründete Partik seine Risikobewertung so: "Wir hatten sehr großes Vertrauen zu Flöttl junior, es hat immer alles funktioniert. Wäre es ein Hochrisikogeschäft gewesen, hätte Flöttl junior es seinem Vater, der sehr vorsichtig war, gar nicht vorgeschlagen." Das Faktum, dass Staatskommissär Anton Stanzel damals immer wieder auf das Risiko der Deals hingewiesen hatte, kommentierte Zeuge Partik so: "Ich glaube nicht, dass Stanzel durch diese Geschäfte durchgesehen hat."

Gegen Ende seiner Einvernahme korrigierte Partik (er war 1994 Wunschnachfolger Flöttl seniors, der ÖGB zog aber Helmut Elsner vor) seine Darstellung so: "Rein theoretisch wäre ein Totalausfall damals möglich gewesen." Eine Erkenntnis, die er dem Aufsichtsrat nicht mitgeteilt habe, weil: "Warum hätte ich den Aufsichtsrat verunsichern sollen? Es war ein geringes Risiko. " Und ein gut gestreutes: "Es waren so viele Veranlagungen, dass das Gesetz der großen Zahl galt: Alle Geschäfte gehen nie schief." Wie er sich dann den Verlust 1998 (fast 640 Mio. Dollar) erkläre? Partik, der übrigens ausschließt, dass die Bank SPÖ, Konsum oder ÖGB begünstigt hat: "Ich weiß es nicht und will es gar nicht wissen."

"Alles in allem" (und da lächelte Ex-Staatsanwalt Müller ein wenig) hatte Partik Mitte der Neunziger aber "andere Probleme: Ich musste mich um die Liquidität des Konsum kümmern. Ich war nur eine Randfigur."

Nach Partik war der Gutachter Fritz Kleiner am Wort. Für die Fortsetzung seiner Antwortrunden ist gesorgt - bis Ende Mai auf jeden Fall. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.4.2008)

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