Würstl und Schlagobers zum Abgewöhnen: Jedes zweite Sahnehäubchen verdorben

24. April 2008, 09:03
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Kontrollbilanz in Konditoreien, Eissalons und Fleischereien: 54 Prozent für den menschlichen Verzehr ungeeignet

Linz - "Auf Schwarzwälder Kirsch und auf Sahnebaisers, auf Früchteeis, Ananas, Kirsch und Banane, aber bitte mit Sahne!" Dieser Gourmet-Empfehlung von Udo Jürgens sollten Liebhaber von Mehlspeisen oder Eis in Oberösterreich nur bedingt folgen. Denn die Lebensmittelkontrolleure wissen ein anderes Lied über den Schlagobers zu singen: "Für den menschlichen Verzehr ungeeignet", heißt es im Tätigkeitsbericht der Lebensmittelaufsicht für 2007.

Schlampige Reinigung

In Konditoreien und Eissalons wurden 13 Proben von Schlagobers aus Automaten analysiert. 54 Prozent davon wurden wegen "erhöhter mikrobiologischer Belastung" beanstandet. "Die Sahnehauben auf Torten oder Eisbechern wiesen eine erhöhte Keimzahl auf", präzisiert Gerhard Fischer, Leiter der Lebensmittelaufsicht. Solche Verunreinigungen können zu Durchfallerkrankungen führen. Eine zu geringe Kühltemperatur und nicht sorgfältige Reinigung der Geräte nennt Fischer als Ursache, warum Schlagobers aus den Automaten so schnell verderbe. Und weil es so viele Beanstandungen gab, werden heuer die Schwerpunktkontrollen in Eissalons und Konditoreien fortgesetzt, kündigt Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober von der Grünen an.

Schweinsbratwürste: Stark verunreinigt

Damit müssen auch Fleischhauer und Lebensmittelhändler rechnen. Konkret waren es hier die Schweinsbratwürste, die den Kontrolleuren nicht schmeckten. Zehn von 24 Proben wurden beanstandet: von "stark erhöhter Verunreinigung" bis "vom Erzeuger verfälscht".

Folgekontrollen sind vom Hersteller zu bezahlen

Das vorgeschriebene Verhältnis zwischen Fleisch und Wasseranteil wurde nicht eingehalten, sprich: In den Würsteln war zu wenig Schwein und zu viel Wasser , was zu minderer Qualität führt. Die in den nächsten Monaten anstehenden Folgekontrollen müssen die Hersteller ab sofort selbst zahlen. Diese EU-weite Vorgabe hat Oberösterreich mit diesem Jahr in einer neuen "Kontrollgebührenverordnung" umgesetzt. Pro Würstelprobe schätzt Fischer die Kosten auf 70 bis 100 Euro. (Kerstin Scheller/ DER STANDARD Printausgabe 14.4.2008)

  • "Mit Schlag" kann die Gesundheit gefährden: Jede zweite Portion ist verdorben
    foto: standard/ matthias cremer

    "Mit Schlag" kann die Gesundheit gefährden: Jede zweite Portion ist verdorben

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