Museum in Schloss in Kittsee: "Das Zusperren überlässt man uns"

15. April 2008, 23:39
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Politik signalisiert: Kein Interesse - Nun warten 4000 Objekte auf die Übersiedlung ins Volkskundemuseum nach Wien - wo das gleiche Problem besteht

Dem Schloss in Kittsee treibt die österreichische Politik gerade den Geist der Nachbarschaftsforschung aus. Das Ethnographische Museum schließt im Oktober - Wolfgang Weisgram

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Kittsee - Falls jemand ein Symbol sucht dafür, wie Österreich gedenkt, mit sich und seiner geopolitischen Verantwortung umzugehen, sollte das kleine burgenländische Kittsee nicht ganz außer Acht lassen. Dort hat sich nämlich die Politik dazu entschlossen, den nach Südosteuropa ausstrahlenden Geist einfach zuzusperren. Im März hat der Trägerverein des Ethnographischen Museums Kittsee die eigene Auflösung beschlossen. Anfang Oktober wird endgültig Schluss sein mit den volkskundlichen Ausstellungen, die sich seit den frühen Siebzigerjahren intensiv mit der Volkskultur der Nachbarn beschäftigt.

Vertrag für die "Europaregion Mitte"

Es mag durchaus sein, dass die wissenschaftliche Disziplin der Volkskunde immer noch ein wenig unterm Begriff "Volk" leidet. Aber so, wie man es in Kittsee interpretiert hat - als Ethnologie Zentraleuropas -, reicht die Disziplin weit über seine Orchideenhaftigkeit hinaus: in eine spannende, hochpolitische, europäische Dimension. Nicht umsonst wurde 2003 hier, im alten Batthyany-Schloss, der Vertrag für die "Europaregion Mitte" unterzeichnet - in Sichtweite von Bratislava und in Rufweite von Wien.

200.000 Euro im Jahr

Es geht um rund 200.000 Euro im Jahr. Bund (48 Prozent), Land (28) und Gemeinde (8) müssten dem Trägerverein damit unter die Arme greifen. Denn ganz erstaunlicherweise ist der für die Erhaltung des ganzen Schlosses verantwortlich - womit die eigentliche Aufgabe, die volkskundliche Erforschung der Nachbarn, an die Grenzen des finanziellen Desasters stößt. Museumschefin Margot Schindler: "Mit Entscheidungsträgern haben wir darüber nie reden können. Weder Ministerin Claudia Schmied noch Kulturlandesrat Helmut Bieler hatten Zeit."

Beamtetes Achselzucken

Nun warten rund 4000 Objekte, 5000 einschlägige Bücher und unzählige Kontakte zu benachbarten Institutionen auf die Übersiedlung ins Volkskundemuseum nach Wien, wo freilich - der Standard berichtete - ein spiegelgleiches Problem besteht: Auch dort lässt man die Volkskundler anrennen. Margot Schindler: "Wir haben immer nur Gummiwände vorgefunden. Ministerin Schmied hat uns ausrichten lassen: ,Ich kann nicht mit jedem reden, der kommt.'" Ähnliches hörte sie im Büro des burgenländischen Landesrates. Und so traf sie, auf der Suche nach Unterstützung, stets nur Beamte, die vor allem eins konnten: Achselzucken.

Was Margot Schindler am allermeisten ärgert, ist die - nun ja - Verlogenheit. Die Politiker, meint sie, hätten gleich sagen können: "Das interessiert uns nicht, da geben wir kein Geld her." Stattdessen würden die Dinge - die Schlosserhaltung vor allem - so lange hin und her gewälzt, bis kein Landesrat und keine Ministerin das Ende ausrufen müssen. "So wäre es seriös gewesen. Aber das Zusperren überlässt man uns." (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD Printausgabe 14.4.2008)

  • Das Schloss in Kittsee an der burgenländisch-slowakischen Grenze beherbergt das auf Südosteuropa fokussierte Ethnographische Museum, das nun zusperrt. Die Politik signalisiert: kein Interesse.
    foto: standard

    Das Schloss in Kittsee an der burgenländisch-slowakischen Grenze beherbergt das auf Südosteuropa fokussierte Ethnographische Museum, das nun zusperrt. Die Politik signalisiert: kein Interesse.

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