Pflanzen in der Schulmedizin

14. April 2008, 10:50
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Die amerikanischen Pharmakologen David Newman und Gordon Cragg haben heraus gefunden, dass Substanzen aus der Natur immer noch die wichtigste Quelle für medizinische Wirkstoffe sind

Dazu haben sie jene chemischen Substanzen untersucht, die in den vergangenen 25 Jahren zugelassen worden sind. Nur ein Drittel davon war völlig synthetisch hergestellt. Die meisten neuen Wirkstoffe kommen jedoch in Pflanzen oder Tieren vor, sind mit Naturstoffen verwandt oder imitieren deren Wirkprinzip. So kommt etwa der Wirkstoff des Krebsmedikaments Taxol in der Pazifischen Eibe vor.

Ein älteres, dafür aber noch prominenteres Beispiel für die Vorbildwirkung der Natur ist Salicyl, das in der Rinde der Silberweide vorkommt. Der chemische Nachbau Acetylsalicylsäure ist die Wirksubstanz von Aspirin.

Um schneller an wirkungsvolle Pflanzen heranzukommen, haben Wissenschafter versucht, Schamanen und Medizinmännern über die Schultern zu schauen, um zu erfahren, welche Pflanzen diese Heilkundigen verwenden. Eine Entdeckung bei diesem interkulturellen Dialog war das Madagaskar-Immergrün. Madagassische Heiler nutzten es zur Behandlung von Diabetes. Untersuchungen in westlichen Labors fanden andere Anwendungsmöglichkeiten. Ein Wirkstoff gelangt in einem Medikament zur Behandlung von Leukämie bei Kindern zum Einsatz, ein anderer bei Morbus Hodgkin.

Erst seit den 60er-Jahren wird auch im Ozean nach medizinisch Verwertbarem gesucht. Meeresbiologen vermuten drei Millionen unentdeckte Algenarten, von denen jede einzelne wertvolle Substanzen enthalten könnte. Einer der Pioniere dieser Forschungen ist der Amerikaner William Fenical von der University of San Diego. Er sucht nach Wirkstoffen gegen Krebs und Entzündungen. Derzeit analysiert er Seescheiden. Er folgt Hinweisen, wonach diese Organismen gegen Dickdarmkrebs helfen könnten. Sein größter Erfolg: Eine entzündungshemmende Gesichtscreme, die auf Wirkstoffen der Seepeitsche basiert. Das Wiener Biotech-Unternehmen Marinomed konnte auf Algenbasis einen Nasenspray entwickeln, der die Schleimhaut feucht hält und so vorbeugend gegen Erkältungserkrankungen wirken soll. (derk)

  • Silberweide
    foto: medstandard

    Silberweide

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