Schwarz, schmerzlos, tödlich

14. April 2008, 17:15
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Sonnenstrahlen sind langfristig gefährlich, weil sich die menschliche Haut jede Überdosis für immer merkt - Im schlimmsten Fall entsteht die bösartigste aller Hautkrebserkrankungen

Die Rede ist vom malignen Melanom. Allein 2006 wurden 3270 Neuerkrankungen verzeichnet. "Es ist absurd, aber allein 2006 sind in Österreich 3270 Menschen an einem malignen Melanom erkrankt", berichtet Klemens Rappersberger, Leiter der Abteilung für Dermatologie der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien.

Fünzehnmal häufiger

Laut einer Studie erkranken fünfzehnmal mehr Menschen pro Jahr am Melanom als noch vor 30 Jahren. Absurd an dieser Entwicklung ist die Zunahme der Neuerkrankungen vor allem vor dem Hintergrund der massiven Aufklärungsarbeit, die seit vielen Jahren mit Frühlingsbeginn einsetzt.

Eingecremt

Dass Sonnencreme schützt, wissen heute zwar die meisten, aber auch dieses Wissen sei unter Umständen kontraproduktiv. "In einer australischen Studie wird diskutiert, ob Menschen, die Sonnencremes verwenden, nicht sogar gefährdeter sind als jene, die auf Sonnenschutz verzichten", sagt Rappersberger. Warum? Nicht etwa, weil Cremes mit Sonnenschutzfaktor nichts bringen, sondern weil Menschen, die mit Sonnencreme eingeschmiert sind, ganz einfach viel länger in der Sonne bleiben, vermuten die australischen Forscher.

Trügerische Sicherheit

"Hier wiegt man sich in einer trügerischen Sicherheit", folgert Rappersberger. Denn auch wenn sich durch Sonnencreme die Gefahr, einen von UVB-Strahlen verursachten Sonnenbrand zu bekommen, verringert, nützt konsequentes Einschmieren gegen die UVA-Strahlung nur bedingt. DNA-Schäden in den Hautzellen entstehen trotzdem und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einem Hauttumor zu erkranken.

Langzeitgedächtnis der Haut

Doch es gibt außer dem trügerischen Sonnenschutz auch noch andere Hypothesen für den Anstieg der malignen Melanome. Eine davon ist das phänomenale Langzeitgedächtnis der menschlichen Haut. Der direkt proportionale Zusammenhang zwischen der Zahl und Intensität von Sonnenbränden in der Kindheit und der Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter ein Melanom zu entwickeln, ist mittlerweile wissenschaftlich eindeutig erwiesen.

Maßvoll und regelmäßige Kontrollen

Umso wichtiger ist Prophylaxe, zum einen mit maßvollem Sonnenbaden, zum anderen mit regelmäßigen Kontrollen beim Hautarzt. "Es gibt keinen Tumor, der einfacher diagnostiziert werden kann als der Hauttumor", betont Rappersberger und empfiehlt einmal jährlich einen Besuch beim Hautarzt. Die eingehende Betrachtung der Haut inklusive Kopfhaut und Mundschleimhaut dauert nicht länger als zehn Minuten, und die Chance, dass der bösartige Tumor dadurch frühzeitig erkannt wird, ist relativ groß.

Über 90 Prozent heilbar

Warum Früherkennung so wichtig ist? Weil Melanome die Tendenz besitzen, sich schnell auszubreiten. Wird schwarzer Hautkrebs unter einem Durchmesser von einem Millimeter Tiefenwachstum erkannt, gilt er in über 90 Prozent aller Fälle durch eine operative Entfernung als nachhaltig geheilt.

Metastasen frühzeitig entdecken

Dringt der Tumor aber mehr als einen Millimeter in die Tiefe vor, dann wird auch der nächstliegende Lymphknoten (Schildwächter-Lymphknoten) histologisch untersucht. So versuchen Mediziner eventuelle Metastasen frühzeitig zu entdecken, um einer drohenden Ausbreitung der Krebszellen vielleicht noch rechtzeitig Einhalt gebieten zu können.

Bittere Wahrheit

Das ist von großer Bedeutung für die Betroffenen, denn die bittere Wahrheit bleibt: Mit zunehmender Größe, Eindringtiefe und Metastasierung sinkt auch die Lebenserwartung. Konkret sind 99,9 Prozent aller metastasierenden Melanome mit den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten nicht mehr behandelbar. Versuche, das Leben der Betroffenen durch Interferon A oder Chemotherapie zu verlängern, brachten eher frustrierende Ergebnisse und gingen zumeist auf Kosten der Lebensqualität von Patienten.

Handlungsbedarf

Für die Forscher besteht also Handlungsbedarf. Um mehr Daten für klinische Studien zu gewinnen, haben sich kürzlich die vier dermatologischen Abteilungen des Wiener Krankenanstaltenverbunds (AKH, Donau- und Wilhelminenspital, KH Hietzing) zusammengetan und Behandlungsschemata entwickelt.

Melanom-Prophylaxe ist aber jedem selbst überlassen: Sonne, so viel ist sicher, ist gefährlicher, als es scheint. (Regina Philipp, MEDSTANDARD, Printausgabe, 14.04.2008)

  • Schwarzer Hautkrebs: Melanozyten entarten und verbreiten sich übers Lymphsystem.
    foto: med uni graz

    Schwarzer Hautkrebs: Melanozyten entarten und verbreiten sich übers Lymphsystem.

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