Die Schattenwirtschaft im Internet

25. April 2008, 14:53
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Jeder zweite PC in Österreich ist zeitweise von Computerviren infiziert. Die Zahl der Schädlinge wächst explosionsartig. Im Vorjahr kamen 700.000 neue Exemplare hinzu.

Das Virus ist definitionsmäßig ebenso wenig ein Lebewesen wie der Virus - einem das Leben schwer machen können sie beide. Ein kleiner Nieser vom Nebenmann, schon hat sich der Mensch angesteckt, ein unachtsamer Klick auf einer Webseite, schon hat sich ein Computer damit infiziert. Im Gegensatz zu den biologischen Viren, die seit jeher existieren, sind Computerviren, Trojaner, Würmer und andere Schadprogramme mittlerweile das Werk krimineller Geschäftemacher.

Dokumentiert

Seit etwa 25 Jahren wird über Computerschädlinge Buch geführt. Mehr als 1,1 Millionen verschiedene Schadcode-Exemplare wurden seither verzeichnet. Zwei Drittel davon verließen im Vorjahr erstmals ihre Brutstätte. "Die Masse an neuen Bedrohungen ist auf die zunehmende Vernetzung und Arbeitsteilung der Cyberkriminellen untereinander zurückzuführen", sagt Candid Wüest, Virenforscher bei Symantec und Mitautor des 13.Sicherheitsreports des Unternehmens.

Für eine Handvoll Dollar

Schon für eine Handvoll Dollar gibt es auf Insiderseiten im Internet Toolkits zu kaufen, mit denen beispielsweise E-Mail-Passwörter gehackt werden können. Wer an Daten von Online-Bankkonten herankommen möchte, muss für entsprechende Werkzeuge zwischen zehn und 1000 Dollar investieren. "Diese Schattenwirtschaft im Internet ist professionell organisiert. Der Kunde erhält bei manchen Programmen einen Gratis-Testaccount oder gegen Aufpreis ein Servicepaket zum Upgraden", erzählt Wüest. Ein vollberuflicher "Phisher" (der Versuch, über gefälschte Webadressen an Daten eines Internetnutzers zu gelangen wird als Phishing bezeichnet) soll es FBI-Berichten zufolge auf bis zu 4000 Dollar pro Woche bringen. In Österreich soll im Jahr 2006 bei verschiedenen Phishing-Attacken ein Schaden von einer Million Euro entstanden sein.

Angriffsziele

Noch ist der Computer das beliebteste Angriffsziel der Cybergangster, um an finanziell verwertbare Daten zu kommen. Rund die Hälfte aller in Österreich installierten privaten PCs mit Internetzugang seien zeitweise infiziert, schätzt Virenjäger Wüest. Doch immer häufiger rückten etablierte, gut besuchte Internetportale sowie Social-Networking-Seiten ins Visier der Angreifer. "Es sind nicht mehr nur dubiose Schmuddelseiten, wo man sich etwas einfangen kann", warnt Wüest.

USA

Mit einem Anteil von 31 Prozent beheimatet die USA die meisten Server, von denen Cyberattacken geritten werden, China und Deutschland teilen sich mit sieben Prozent den zweiten Platz. Österreich landet mit knapp einem Prozent auf Rang 39 der von Symantec erfassten Länder. Und auch was den Ursprung von elektronischem Werbemüll anbelangt, ist Österreich mit einem Anteil von einem Prozent offenbar kein beliebter Wohnort von Spamschreibern. (Karin Tzschentke, DER STANDARD/Printausgabe vom 12.4.2008)

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