Deutschsprachige Autorenverbände wollen vor Publikationen in "Selbstzahlerverlagen" warnen - "Frankfurter Verlagsgruppe" will dagegen vorgehen
Wien - Eigentlich wollten österreichische, deutsche und
Schweizer Autorenverbände ihre gemeinsame Erklärung, in der sie junge
Autoren vor Publikationen in sogenannten Selbstzahlerverlagen warnen,
erst am Tag des Buches am 23. April veröffentlichen. Doch schon jetzt traf bei der IG Autoren eine
Klagedrohung der "Frankfurter Verlagsgruppe" ein, in der die
Proponenten einer derartigen Erklärung zur Unterzeichnung einer
Unterlassungserklärung aufgefordert werden, wie die IG Autoren
in einer Aussendung bekanntgab.
Der Hintergrund
"Selbstzahlerverlage", "Dienstleistungsverlage" oder auch
"Druckkostenzuschussverlage" finanzieren ihre Tätigkeit über die
Autoren, die selbst zumindest teilweise für die Publikation ihrer
Werke aufkommen. Die Autorenverbände sprechen in ihrer Erklärung vor
allem eine Warnung an junge und unerfahrene Autoren aus, da diese
Verlage "für Zahlung der geforderten Summen ihren Autoren oftmals nur
ungenügende Gegenleistungen" anböten. "Manuskripte werden gar nicht
oder nur mangelhaft lektoriert, Gestaltung und Aufmachung der
publizierten Werke sind unzulänglich, der Einsatz für ihren Vertrieb
ist häufig praktisch gleich null."
Außerdem leide durch die fehlenden qualitativen Standards das
"literarische Renommee", noch bevor die betreffenden Autoren die
Möglichkeit hatten "literarisch zu reüssieren." Die Bereitschaft,
einen Zuschuss zur eigenen Publikation zu zahlen, mache jedoch noch
keinen schlechten Autor, halten die Unterzeichner der Erklärung fest.
Schiller herbeizitiert
Die "Frankfurter Verlagsgruppe" wird in dem Schreiben der
Autorenverbände nicht namentlich erwähnt oder kritisiert, sieht sich
aber betroffen. Dort sprach man gegenüber der APA allerdings von
einer "bösartigen Kampagne", bei der übersehen werde, "dass wir in
einer freiheitlichen Gesellschaft leben, in der man genauso gut auf
Urlaub nach Brasilien fahren oder um das gleiche Geld sein Buch
verlegen lassen kann", so Uwe Frank, der Geschäftsführer der
"Frankfurter Verlagsgruppe". In "Dienstleisterverlagen" entstünden
überdies oft "bessere Werke als sie von Dieter Bohlen und anderen"
auf den Markt kommen. So habe etwa, wie in der der APA vorliegenden
Unterlassungsaufforderung ausgeführt wird, "Friedrich Schiller für
sein Erstlingswerk 'Die Räuber' ebenso bezahlt, wie Goethe für den
'Goetz' das finanzielle Risiko übernahm."
"Wer etwas schreibt, hat es verdient, Geld dafür zu bekommen, und
nicht, dafür zahlen zu müssen", lautet der Schluss, zu dem hingegen
die Autorenverbände in ihrer Erklärung kommen. Die
Unterlassungsverpflichtungserklärung, die ihnen nun von der
Anwaltskanzlei der "Frankfurter Verlagsgruppe" zugestellt wurde,
bezeichnete Gerhard Ruiss als "Zensurversuch reinsten Wassers" und
als "Ungeheuerlichkeit, die der IG in den mehr als 35 Jahren ihres
Bestehens noch nicht untergekommen" ist. "Es gibt ein Verbot,
Unternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit zu beschädigen, und eine
moralische Pflicht, die vielen tausend Autoren, die sich den Traum
einer Buchveröffentlichung erfüllt haben, nicht zu verletzen",
argumentierte Frank. Sollten die Autorenverbände die
Unterlassungserklärung nicht bis zum 12. April unterschreiben, werde
man "alle juristischen Möglichkeiten prüfen."(APA)