Pöchhacker will Entscheidung am 22. April

22. April 2008, 13:42
4 Postings

Nach anhaltenden Diskussionen will der ÖBB-Präsident im nächsten Holding-Aufsichtsrat eine Entscheidung über den künftigen Vorstand herbeiführen

Wien - Nach anhaltenden Diskussionen will ÖBB-Präsident Horst Pöchhacker im nächsten Holding-Aufsichtsrat in eineinhalb Wochen eine endgültige Entscheidung über den künftigen ÖBB-Vorstand herbeiführen. "Bis dahin werden die Untersuchungen, Ergänzungen im Rechtsbereich und Stellungnahmen des Managements vorliegen. Damit ist der Aufsichtsrat dann entscheidungs- und handlungsfähig", sagte Pöchhacker am Freitag im Gespräch mit der APA.

Das amtierende Bahn-Management ist zuletzt vor allem wegen Rückstellungen für Spekulationsverluste mit hochriskanten Wertpapieren in Höhe von mittlerweile 230 Mio. Euro zunehmend unter Druck geraten. Außerdem wurde ÖBB-Generaldirektor Martin Huber zuletzt ein privater Immobiliendeal mit einem Geschäftspartner der ÖBB zur Last gelegt. Der Aufsichtsrat hat zu beiden Kritikpunkten rechtliche Gutachten in Auftrag gegeben.

Rechtliche Aspekte würden die Entscheidung aber nicht alleine beeinflussen. Die juristische Betrachtung sei "ein Baustein, aber nicht der alleinige", betonte Pöchhacker. Die ÖBB seien ein "im Markt befindlicher Konzern". Daher müsse man auch "Dinge wie die Stellung am Markt oder das Betriebsklima" mitberücksichtigen, betonte der Aufsichtsratspräsident.

Gelegenheit zur Stellungnahme

Dass der letzte Sonderaufsichtsrat Ende März noch keine Entscheidung getroffen hatte, verteidigte Pöchhacker aktuell unter anderem damit, dass man dem Vorstand die Gelegenheit geben habe müssen, Stellung zu nehmen. Auf den Bahnbetrieb habe das keinerlei Auswirkung. "Die ÖBB rennt gut. Wir haben sehr gute Besetzungen in den operativen Tochtergesellschaften. Die arbeiten ganz normal", sagte Pöchhacker. Sorgen habe er nur um die Mitarbeiter, die durch die Negativschlagzeilen verunsichert würden. "Die Manschaft wird froh sein, wenn wir wieder über den Markt und die Zukunft reden", erklärte der Aufsichtsratschef.

Medienberichte gingen in den vergangenen Tagen einhellig davon aus, dass zumindest ÖBB-Chef Martin Huber, derzeit auf Urlaub, seine Funktion vorzeitig zurücklegen werde. Involvierte Kreise im Verkehrsministerium und den ÖBB versicherten am Freitag einhellig, dass im Hintergrund nach wie vor hektisch verhandelt werde und die Entscheidungen noch nicht gefallen seien.

Szenario aus Politkreisen

Aktuelles Szenario aus Politkreisen: Neben Huber könnte auch Vize-ÖBB-Chef Gustav Poschalko den Holding-Vorstand verlassen. Ihm waren zuletzt üppige Beratungshonorare an eine ungarische Lobbyingagentur für den Kauf der ungarischen Bahn-Güterverkehrsgesellschaft MAV-Cargo vorgehalten worden. Dagegen könnte Finanzchef Erich Söllinger bis zum Auslaufen seines Vertrags Mitte 2009 bleiben - dafür soll Personenverkehrs-Vorstand Josef Halbmayr nicht in den Holding-Vorstand nachrücken und ÖBB-Infrastruktur-Bau-AG-Vorstand Gilbert Trattner wegen der Finanzspekulationen gehen.

Vor dem Hintergrund sind im ÖBB-Umfeld bereits heftige Spekulationen entbrannt, wer Huber an der Spitze der ÖBB beerben könnte. Ein Name, der gehandelt wird: der frühere Chef der Schweizer Bahn (SBB), Benedikt Weibel. Weibel stand von 1993 bis 2006 an der Spitze der SBB, die heute als Vorzeigebahn gilt. Seit 2003 ist er Verwaltungsrat der Französischen Staatsbahn SNCF und aktuell Delegierter der Schweizer Regierung für die Fußball-Europameisterschaft EURO 2008. Pöchhacker betonte allerdings, es sei "keine vordergründige Zielrichtung, internationale Experten an Bord zu holen". Nach vielen Jahren Auslandserfahrung sei er "überzeugt, dass wir genug Know-how im eigenen Land haben".

Wer in Frage kommt

In Politkreisen heißt es, dass für eine Huber-Nachfolge nur eine Persönlichkeit aus der Wirtschaft mit SPÖ-Wurzeln in Frage kommen werde. Namen werden derzeit keinen genannt. Die zuletzt als Favoritin gehandelte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer ist mittlerweile im Münchner Elektronikkonzern zur neuen Osteuropa-Chefin aufgestiegen. Ihr Wechsel gilt deshalb mittlerweile als praktisch ausgeschlossen.

Bahn-Kreisen zufolge könnte der ÖBB-Holding-Vorstand deshalb jetzt vorläufig von vier auf zwei Mitglieder - Söllinger und den bisher mit den Infrastruktur-Agenden betrauten Vorstand Peter Klugar - verkleinert werden und Klugar, mit zweijährigem Intermezzo im Verkehrsministerium seit 1978 bei der Bahn, die Unternehmensführung übernehmen. (APA)

  • Dass der letzte Sonderaufsichtsrat Ende März noch keine Entscheidung getroffen hatte, verteidigte Pöchhacker damit, dass man dem Vorstand die Gelegenheit geben habe müssen, Stellung zu nehmen.
    foto: standard/hendrich

    Dass der letzte Sonderaufsichtsrat Ende März noch keine Entscheidung getroffen hatte, verteidigte Pöchhacker damit, dass man dem Vorstand die Gelegenheit geben habe müssen, Stellung zu nehmen.

Share if you care.