Abschreckung der mittelalterlichen Räuberbanden

18. April 2008, 08:39
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Die Sondereinsatzkräfte müssen nicht gleich schießen, allein ihre Präsenz schafft Sicherheit

Abéché - Sie sehen zum Fürchten aus. Und genau das ist ihr Auftrag: Wenn die Jagdkommando-Soldaten das Special-Operation-Forces-Quartier (SOF) am Stadtrand von Abéché verlassen, dann werden aus den freundlichen und umgänglichen jungen Männern martialisch auftretende Kämpfer, die ihre Augen hinter großen Sonnenbrillen verbergen und den Rest des Gesichts zumeist mit einem Schal verhüllt haben.

Ihre Fahrzeuge basieren auf dem bekannten Puch-G - haben aber damit nicht mehr viel zu tun. Zwei schwere Maschinengewehre stellen die Hauptbewaffnung dar, und die Aufschrift "Desert Fox" erinnert an das Afrikakorps der deutschen Wehrmacht unter dem legendären "Wüstenfuchs" (und Nazi-Gegner) Erwin Rommel. Von diesem werden ihre potenziellen Feinde noch nie gehört haben - denn da handelt es sich um "klassische mittelalterliche Räuberbanden", wie es der Kommandant der Spezialeinsatzkräfte, Oberst Heinz Assmann, formuliert.

Auch diese sind nicht schlecht bewaffnet, aber ihre militärische Ausbildung kann mit der der Sondereinsatzkräfte, die fünf der 18 an der Eufor-Truppe beteiligten Staaten entsendet haben, nicht mithalten. Das Kalkül des Eufor-Kommandos lautet: Diese Banditen würden es wohl auch nicht darauf ankommen lassen, sich mit den europäischen Elitesoldaten zu messen.

"Die Räuberbanden suchen nicht den Konflikt, die wollen unbehelligt rauben und stehlen, sie gehen auf die Schwächsten los", erklärt Assmann. Und das zu verhindern ist der Auftrag der Eufor. Wobei man sich das nicht so vorstellen darf, dass die europäische Truppe das Gebiet nach Räubern durchkämmt und sie in Wildwestmanier niederknallt.

Waffengebrauch ist nämlich nur für Notwehr oder Nothilfe vorgesehen - wenn die Soldaten Zeugen werden, wie eine Frau vergewaltigt oder ein Fahrzeug geraubt wird, könnte er notwendig werden. Aber solche Vorkommnisse sollten einfach durch die Präsenz der europäischen Soldaten seltener werden. Der UNO-Auftrag lautet, für ein "sicheres und beschütztes Umfeld" in jenem Gebiet im Osten des Tschad zu sorgen, wo nach den jüngsten UNHCR-Statistiken 296.579 Flüchtlinge aus dem Sudan und der Zentralafrikanischen Republik sowie 178.918 innerhalb des Tschad vertriebene Personen registriert sind. Aber diese Zahlen stammen vom Jänner, die Konflikte sind weitergegangen, und mehr als 10.000 Flüchtlinge sind noch dazugekommen.

Die Eufor-Truppe besteht allerdings nicht nur aus den Elitesoldaten der SOF - auch Österreich hat nicht einmal 50 von diesen auch zur Terrorabwehr ausgebildeten Soldaten entsandt: Die Masse der 3500 Mann Sollstärke (die womöglich nach der Regenzeit noch um weitere 1000 aufgestockt werden soll) sind Infanteristen sowie Logistikexperten, die den Einsatz unterstützen. Auch von den derzeit 158 Bundesheersoldaten sind 90 als nationales Unterstützungselement eingemeldet.

Unter den 68 Mann, die zum Kern der Eufor-Truppe gehören, sind neben den Jagdkommandokräften auch Offiziere in Stabsstellen sowie human- und veterinärmedizinische Experten. Major Michael Mally etwa ist für das "Hygiene-Team" zuständig - der Veterinär hat zu überwachen, dass in der (von Franzosen betriebenen) Truppenküche europäische Standards eingehalten werden. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2008)

  • Martialisches Auftreten ist bereits die halbe Miete, wenn es darum geht, Banditen abzuschrecken. Denn die suchen Opfer, nicht Gegner.
    foto: standard/seidl

    Martialisches Auftreten ist bereits die halbe Miete, wenn es darum geht, Banditen abzuschrecken. Denn die suchen Opfer, nicht Gegner.

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