Immodeal belastet ÖBB-Chef Huber

17. April 2008, 18:27
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Das Immobiliengeschäft seiner Frau, hinter dem Martin Huber selbst gestanden haben soll, könnte ihn den Spitzen- job bei der Bahn kosten

Wien – ÖBB-Chef Martin Huber soll von einem heftig diskutierten Immobiliengeschäft seiner Frau Barbara Huber-Lipp direkt profitiert haben. Dabei geht es um den zu Jahresbeginn vollzogenen Erwerb der Wiener Schillerplatz Projektentwicklungs GmbH durch die Seeste Bau AG, ein wichtiger Geschäftspartner der ÖBB.

Die Seeste Bau AG zahlte rund elf Millionen Euro für die Schillerplatz GmbH. Diese wiederum gehörte zu 25 Prozent Barbara Huber-Lipp. Der Rest wurde treuhändisch gehalten – und wie ein vom ÖBB-Chef selbst in Auftrag gegebenes Gutachten jetzt zeigt, war der Treugeber Huber selbst. Dies berichtet das Magazin Format in seiner Freitag-Ausgabe.

Treuhandkonstruktion

Nach der juristischen Expertise, die von Huber dem Aufsichtsrat vorgelegt wurde, sei dem ÖBB-Chef ein 25-Prozent-Paket an der Schillerplatz GmbH direkt zuordenbar. Die restlichen 50 Prozent soll Huber für einen unbekannten Dritten halten. Huber bestreitet die Treuhandkonstruktion nicht, verweigert aber weitere Aussagen: "Ich beantworte dem Aufsichtsrat alle Fragen, aber nicht den Medien", wird er zitiert.

Doch zuvor hat schon die Politik reagiert. Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) und Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) sollen sich – so ist aus Regierungskreisen zu hören – auf die Ablöse Hubers verständigt haben. Er soll einen Konsulentenvertrag erhalten, den er freilich noch nicht unterschrieben haben dürfte. Zudem soll Bahn-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker auch ÖBB-Vorstand Gustav Poschalko auf die Abschussliste gesetzt haben.

Pöchhacker soll Faymann sogar mit Rücktritt gedroht haben, sollte die Doppel-Ablöse nicht zustande kommen. Der SP-nahe Poschalko ist zuletzt wegen hoher Lobbying-Ausgaben im Zusammenhang mit dem Kauf der ungarischen MAV Cargo in die Schusslinie geraten.

Huber selbst dementierte seinen Abgang im ORF-TV. Er habe noch viele Aufgaben vor sich und an den Gerüchten über seinen Abgang sei nichts dran. Auch Pöchhacker dementierte die Ablöse-Gerüchte in einer Aussendung. "Es gibt keinerlei Entscheidungen oder Vereinbarungen über personelle Änderungen", versicherte Pöchhacker am Donnerstagabend. Er verwies darauf, dass die bei der letzten Aufsichtsratssitzung beschlossenen Gutachten beim nächsten Treffen am 22. April erörtert werden sollen.

Die ÖBB-Holding soll nach dem Ausscheiden von Huber und Poschalko von den beiden verbleibenden Vorständen Peter Klugar als Vorstandssprecher und Erich Söllinger als Finanzchef geführt werden, kolportiert der Kurier in seiner Freitag-Ausgabe.

Postbus-Chef ist schon weg

Finanzchef Erich Söllinger stand, wie berichtet, selbst im Kreuzfeuer der Kritik wegen hochspekulativen Geschäfte, die die Bahnbilanz belasten. Seine Rechtfertigung: Er soll erst informiert worden sein, als die 613 Mio. Euro bereits über die Deutsche Bank veranlagt worden waren.

Ein Mitglied der ÖBB-Spitze, Postbus-Chef Michael Gassauer, ging gestern, Donnerstag, jedenfalls seinem obersten ÖBB-Chef bereits voraus. Er legte sein Mandat zurück, nachdem Vorwürfe aufgekommen waren, dass er mit seiner Firmenkreditkarte in einem Striplokal bezahlt hätte. Offiziell hält die ÖBB_daran fest, dass „nach eingehender Prüfung kein Fehlverhalten“ festgestellt worden war. Der Standard berichtete schon im März, dass der noch unter Minister Hubert Gorbach (BZÖ) installierte Postbus-Geschäftsführer keine Chance auf Wiederbestellung habe.

Gassauers Ablöse fällt mit einer Reihe weiterer Abgänge von ÖBB-Managern aus der schwarz-blauen Ära zusammen. Fernverkehrs-Vorstand Stefan Wehinger ging Ende März, vor der Ablöse stehen soll auch der Infrastruktur-Bau-AG-Vorstand und Ex-FP-Nationalrat Gilbert Trattner. (red, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2008)

  • Der letzte große Bahnhof für ÖBB-Chef Martin Huber (rechts): Eröffnung des Nordbahnhofs mit Minister Werner Faymann (Mitte), der sich bereits von Huber abgewendet hat, und Bürgermeister Michael Häupl.
    foto: standard/urban

    Der letzte große Bahnhof für ÖBB-Chef Martin Huber (rechts): Eröffnung des Nordbahnhofs mit Minister Werner Faymann (Mitte), der sich bereits von Huber abgewendet hat, und Bürgermeister Michael Häupl.

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