TV-Serie "K-Ville": Mörderjagd nach Hurrican - Jonathan Lisco gelang ein finsteres Milieubild
New Orleans, 2007. Jahr zwei nach "Katrina". Der Hurrican hat die Stadt in zwei Teile geteilt. Der eine: weiß, sauber, optimistisch. Der andere: heruntergekommen, schmutzig, kriminell – und vor allem leer.
Müll säumt die Straßen, die Häuser sind nicht wiederaufgebaut, zwischendurch versuchen Plünderer ihr Glück. Cop Marlin Boulet (Anthony Anderson) ist geblieben. Er will seine Heimat nicht aufgeben.
Doch seine Heimat heißt heute nicht mehr New Orleans. Die Zerstörung war so nachhaltig, dass die Bewohner der Metropole nur mehr von "K-Ville" sprechen, wenn sie ihre Stadt meinen. Der einstige "Spirit" ist weg.
"Katrina" zerstörte hauptsächlich jene Viertel, in denen mehrheitlich Schwarze lebten. Zurück kamen nur die Reichen, machten sich breit und nährten die Illusion vom blitzblanken Neubeginn.
Im tristen Milieu der Überlebenden ermittelt Boulet gemeinsam mit seinem weißen Kollegen Trevor (Cole Hauser). Die Beziehung der beiden spiegelt den Zustand der Stadt wider: zerrissen.
Jonathan Lisco gelang mit der TV-Serie "K-Ville" ein finsteres Milieubild, das seinesgleichen im Fernsehen sucht: Anders als in den aalglatten "C.S.I."-Krimis mit ihrem abgeklärten Interesse am toten Körper leben in "K-Ville" die Menschen. Nur die Welt, in der sie sich bewegen, wirkt tot.
"K-Ville" läuft ab Freitag auf Premiere. Der ORF will keinen Programmplatz dafür freimachen. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2008)