Leuchtrentner, sparsam im Verbrauch

10. April 2008, 20:59
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Innovative Straßenbeleuchtung: einfach, preiswert, automobil - Produktions-Tagebuch, Folge 21

Daß sich inNeustadt nicht so sehr Industriebetriebe als vielmehr Säugetiere ansiedeln, das haben wir schon berichtet. Auffällig ist in letzter Zeit allerdings auch, daß sich vermehrt Leuchtrentner in der Gegend herumtreiben. Leuchtrentner, da haben manche erst einmal die Nase gerümpft wegen der Despektierlichkeit, aber bevor sich noch ein anderer Name durchsetzen konnte, hatte sich der Leuchtrentner auch schon etabliert. Wie beim Handy. Da ist auch niemand wirklich glücklich mit dem Namen.

Was hat es damit auf sich?
Nun, zum einen: verwechseln darf man den Leuchtrentner nicht mit einem älteren Tanzlehrer und Reklamedarsteller, der in einer sog. Familienunterhaltung, in Wirklichkeit Live – Übertragung aus dem Reich der Untoten, eine neongelbe Sonnenkappe aufsetzt, um sich vor johlenden Gleichgesinnten über eine Spielart der Jugendkultur lustig zu machen, die ihm läppisch erscheint. In Neustadt gibt es sowas erfreulicherweise nicht mehr, sondern nur bei uns, und Night of the Dancing Dead läßt die Schrecken erahnen, die ein alternder Kontinent für seine demente und gerade noch nicht demente Bevölkerung im Köcher hat.

Der Leuchtrentner in Neustadt ist arm. Das läßt sich mit Sicherheit sagen. Und er leuchtet vermutlich nicht deshalb, weil er sich das ausgesucht hat. Tagsüber sieht man daher auch weder einen Leuchtrentner oder das Leuchten. Weiß man nicht, ob es da einen Unterschied gibt. In der Nacht hingegen ist er öfter zu beobachten, teilweise in Gruppen, teilweise allein und von Tag zu Tag mehr. Sie sind, quasi komplett durchprivatisiert, als Selbstversorger unterwegs und streifen besonders nachts umher auf Nahrungssuche oder was auch immer. Gerüchten zufolge steckt die Stadtverwaltung dahinter, die einerseits in der Nacht aus Kostengründen zu wenig Straßenbeleuchtung brennen läßt, andererseits aber die hungrigen Alten gut sichtbar sein lassen möchte, wenn sie nach Nahrung suchen. Launigere Erklärungen haben den Nutzen der vazierenden Alten als mobile Straßenbeleuchtungen im Auge. Solche Witze macht man aber nur, wenn man entweder jung ist oder reich. Auch in Neustadt. Welche Erklärung zutrifft, weiß niemand. Und die, die es wissen, reden nicht darüber.

Für unseren Film "Solange der Vorrat reicht" werden wir, um sog. Leuchtrentner darzustellen, verschiedenste Leuchtmittel einsetzen müssen, in Kombination mit Beleuchtung und auch lichtakiven Substanzen auf der Haut, inklusive Bearbeitung in der Postproduktion, damit die Rentner je nach Schauplatz, Tageszeit, Lichtverhältnissen etc. am Ende auch auf der Leinwand schön leuchten. Und alles ohne Beschädigung der Darstellerinnen und Darsteller, die zwar nicht so gut geschützt sind wie die Biber, aber trotzdem keinen Schaden nehmen sollen.

Als verantwortungsvolle Filmemacher versuchen wir, den Einsatz von chemischen Mitteln aller Art und den Einsatz von Energie auf das unumgänglich Nötigste zu beschränken. Nachdem wir im Falle von Nagetier und Sportwagen gute Erfahrungen gemacht haben, fragen wir daher wieder die Bevölkerung:Wer einen älteren Verwandten hat oder selber einer ist, der natürlich außergewöhnlich leuchtet, kann sich gern bei uns melden.

Martin Puntigam/Leopold Lummerstorfer, 10.4.2008

Lesen Sie, nach Beendigung umfangreicher Leuchtexperimente, im Mai wieder: Da geht einem ein Licht auf!
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Arbeitsskizze eines sog. Leuchtrentners (mit praktischer Zugschalter-Schnur zum Aus- u. Einschalten).
    foto: blackbox films/karim shafik

    Arbeitsskizze eines sog. Leuchtrentners (mit praktischer Zugschalter-Schnur zum Aus- u. Einschalten).

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