Telekom-Vorstand bestätigt Überlegungen für Beamten-Auslagerung

15. April 2008, 13:48
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Ametsreiter verweist auf Kundenrückgänge im Festnetz - "Werden sehen, ob es zu einer Einigung kommt"

Der Telekom Austria hat in der Vorwoche bekannt gewordene Überlegungen zur Auslagerung von Beamten bestätigt. "Es gibt Diskussionen zu diesem Thema. Wir werden sehen, ob es zu einer Einigung kommt", sagte Mobilkom- und Telekom-Marketingvorstand Hannes Ametsreiter am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz auf APA-Anfrage.

Starke Kundenverluste

Ametsreiter verwies auf die starken Kundenverluste im Festnetz-Bereich im vergangenen Jahr. Dem versuche man mit neuen Kombi-Produkten, neuen Technologien und mehr Flexibilität gegenzusteuern. Der Mobilfunk-Bereich sei von den Überlegungen nicht betroffen. Zu Details der laufenden Diskussion wollte Ametsreiter nicht Stellung nehmen.

Laut Medienberichten sollen die insgesamt 6.900 Telekom-Mitarbeiter in eine "Beamtengesellschaft" ausgelagert werden, die beim Haupteigentümer, der Staatsholding ÖIAG angesiedelt sein soll. Die Telekom wolle dann nur jene zurückleasen, die sie für das operative Geschäft, also den Betrieb des Festnetz-Schrumpfgeschäfts, tatsächlich benötige. 2.000 bis 2.500 Beamte sollten in der Gesellschaft geparkt werden, hieß es. Alternativ soll auch die Ausgliederung einer Telekom-Infrastrukturgesellschaft samt einem Teil der Beamten aus dem börsennotierten Unternehmen unter das Dach der ÖIAG im Gespräch sein.

Wertsicherungsmaßnahme

Die ÖIAG hatte die Modelle zuletzt als mögliche Wertsicherungsmaßnahme für die Telekom Austria gelobt. Finanzminister Wilhelm Molterer wartet noch auf konkrete Vorschläge. SPÖ-Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter dagegen erteilte der Arbeitsagentur zuletzt eine Absage. Auch die Gewerkschaft hat entsprechende Pläne scharf abgelehnt. Sollten die Pläne umgesetzt werden, könne sich die ÖIAG auf den Besuch der Telekom-Mitarbeiter einstellen, erklärte Betriebsratschef Michael Kolek erst am Montag.

Druck

Laut Unternehmenskreisen soll der Druck für eine Beamten-Lösung vom Kapitalmarkt gekommen sein. Telekom Ausrtia-Konzernchef Boris Nemsic hatte vergangene Woche im "Format" erklärt: "Wir können nicht 75 Prozent der Aktionäre dafür zahlen lassen, dass sich der Großaktionär Staat Kosten spart." Jüngste Kurseinbrüche bei der Telekom-Aktie hätten auch damit zu tun gehabt, dass die Telekom seit Jahren ein Strukturproblem mitschleppe und die Investoren das Unternehmen jetzt abgestraft hätten, "weil sich nichts bewegt", erklärte Nemsic zuletzt. Dazu meinte Matznetter kürzlich: Dass die Telekom mit pragmatisierten Bediensteten arbeite, sei schon beim Börsengang allen Anlegern klar gewesen.

Aktie von 19 auf 13 Euro abgesackt

Alleine in den ersten drei Monaten dieses Jahres war die Telekom Austria-Aktie von 19 auf 13 Euro abgesackt. In den ersten April-Tagen hat sich der Kurs leicht erholt. (APA)

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