Im Tal der Puppen: "The Last Shadow Puppets"

16. April 2008, 11:04
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Alex Turner von den Arctic Monkeys und Miles Kane von The Rascals beschwören das Erbe des großen Scott Walker

Dass Alex Turner zu den vielversprechendsten jungen britischen Songschreibern seiner Generation zählt, wird nicht nur über die beiden bis dato vorliegenden Alben seiner Stammband Arctic Monkeys erahnbar. Siehe: Whatever People Say I Am, That's What I'm Not (2006) und Favourite Worst Nightmare (2007) und deren jugendliche Befindlichkeiten oft auch in einen größeren gesellschaftlichen Rahmen stellende Songs wie Fluorescent Adolescent oder Fake Tales of San Francisco.

Mit den elf Tracks seines Freizeitprojekts The Last Shadow Puppets auf dem Album The Age Of The Understatement sieht man auch einen Songwriter heranreifen, der - abseits der vehementen Behauptung, ein ausgewiesener Protagonist des flotten, zügigen und vehementen Britpop der neueren Schule zu sein (I Bet You Look Good On The Dancefloor ...) -, seine Wurzeln tief im Herzen dieses immer auch historisch sich vergewissernden Genres ortet.

Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Miles Kane, sonst bei den seelenverwandten, noch ohne eigenes Album immer wieder auch im Vorprogramm der Arctic Monkeys agierenden Gitarrenschrammlern The Rascals beschäftigt, taucht Turner nun tief in die Muttermilch seiner Kunst, die epochalen 1960er-Jahre. Dabei entdeckt er mittels Anleihen an den damals nicht vordergründig erfolgreichen, aber doch bestens situierten Stil des egozentrisch ausladenden, orchestral behübschten wie melancholischen Schwelgens in nostalgisch getarnten, schwer verstörten und retrofuturistischen Balladen- und Schmerzensmann-Pop-Reflexionen eines David Bowie in dessen Ziggy-Stardust- und Aladdin-Sane-Phase oder großen Sixties-Melancholikern wie Burt Bacharach, Billy Fury oder Matt Monro gerade auch das Werk eines Künstlers wieder, der sträflicherweise bis heute immer im Schatten größerer Namen steht.

Scott Engel alias Scott Walker, der seit den 60er-Jahren in Großbritannien lebende große US-amerikanische Pop-Tragöde, der nach seiner Weltkarriere als Teil der Walker Brothers (The Sun Ain't Gonna Shine Anymore) damals mit seinen durchnummerierten ersten vier Soloalben symphonischen Existenzialismus für immer gültig definierte, wird von Turner und Kane nun auf dem Album The Age Of The Understatement und herausragenden Stücken wie My Mistakes Were Made For You oder dem Titelsong zu neuer Blüte gebracht. Arrangiert mit großem Streicherensemble von Owen Pallett alias Final Fantasy, der auch für die Arrangements der kanadischen Indie-Superstars Arcade Fire sorgt, sind Lieder entstanden, die dank der forcierten Abmischung zwar eindeutig im Hier und Heute verankert klingen. Generell wären die liebevoll an frühere Zeiten angelehnten Songs, etwa der Walzer Calm Like You oder der mit Surfgitarre behübschte Turbo-Tango Seperate And Ever Deadly auch als Soundtrack des neuen James-Bond-films vorstellbar. Auf die Auswirkungen dieser Sixties-Hommage auf die Arbeit der Arctic Monkeys darf man mehr als gespannt sein! (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4.2008)

  • The Last Shadow Puppets: "The Age Of Understatement" (Domino/Hoanzl) Ab 18. 4.
    foto: domino/hoanzl

    The Last Shadow Puppets: "The Age Of Understatement" (Domino/Hoanzl) Ab 18. 4.

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    foto: domino/hoanzl
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