Teilet und nehmet davon

12. April 2008, 17:00
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Wie Symbiose zwischen Gärtnern funktioniert, erläutert Ute Woltron

Es ist wie überall - die einen haben viel, die anderen wenig. Zum Glück gibt es zumindest unter Ersteren, wenn sie Gärtner sind, Barmherzige, die Zweitere an ihrer Fülle großzügig teilhaben lassen. So zum Beispiel Hannah B.

Unter ihren emsigen Fingern spross über die Jahre ein Garten, der so ausschaut, als habe eine Klingelfee der Botanik ihr Zauberstäbchen in jedes Eck getupft, woraufhin eine Art Wunder in Form der Arten- und Sortenvielfalt des Amazonasbeckens entstand. Ein Garten ohne Rasen, eine einzige Abfolge sensationeller Staudenbeete, in denen immer irgendetwas blüht, kurzum, genau so ein Garten, wie man ihn selbst gerne hätte.

Buddeln und Graben

Im Frühling, so sprach Hannah in der ihr eigenen Bescheidenheit, müsse die Angelegenheit ohnehin ein wenig ausgedünnt werden, dann sollte der eine oder andere Ableger abfallen und könne von uns, den noch Minderbemittelten, gerne abtransportiert werden. Als es so weit war, packten wir Körbe und Kübel in den Kofferraum und wurden mit rauchenden Reifen vorstellig.

Die Staudenfee zuckte angesichts der vorbereiteten Transportgefäße merklich zusammen, was uns sofort mit Schamesröte übergoss, weil die Gier ja bekanntlich eine der übelsten Sünden ist. "Was wollt ihr denn damit?", sprach sie und geleitete uns zu jener Ecke, in der sie die abgestochenen Pflanzen aufgebahrt hatte. In Zeitungspapier sorgfältig eingeschlagen, lag dort Biomasse bereit, die locker die Basis für die Anlage eines mittleren Parks hergab.

Wir warfen unsere nunmehr läppischen Kübel und Körbe erleichtert in den Kofferraum zurück und kehrten mit dem Anhänger wieder. Zu Hause setzte ein Buddeln und Graben ein, das bis in die späten Nachtstunden andauerte und mehrere neu anzulegende Beete erforderlich machte. Unzählige Wurzelstöcke, Knollen und völlig undefinierbare Erdballen wurden versenkt, weil natürlich der Überblick darüber, was welche Pflanze ist, im Rausch des Eingrabens komplett verlorenging.

Ausbreitende Pracht

Da sage noch einmal einer, ein Garten entstünde nur über die Jahrzehnte! So gut wie alle Staudenpflanzen breiten sich schnell aus, wenn sie ihren Standort mögen. Phlox, Mädchenaugen, Sonnenhüte, Margeriten, Storchschnäbel, Gräser und vieles mehr lässt sich ganz leicht mit dem Spaten abstechen und anderwärts verfrachten. Von anderen Pflanzen wie zum Beispiel dem Lavendel müssen gar nur Äste abgebrochen und in die Erde gesteckt werden.

Spätestens im nächsten Frühling kann auch diese mittlerweile gut angewachsene, sich heftig ausbreitende Pracht wieder vermehrt, sprich abgestochen werden. Dann wird selbstverständlich weiterverteilt. Weil auch wir barmherzig sein wollen. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/11/04/2008)

  • Der eine oder andere Ableger fällt schon mal ab.
    foto: l'occitane en provence

    Der eine oder andere Ableger fällt schon mal ab.

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