Schau eines Reisenden

16. April 2008, 11:35
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Bei Martin Janda thematisiert Joe Scanlan den Zusammenhang zwischen Kunst und Ökonomie

Im Zentrum steht ein Text des österreichischstämmigen Ökonomen Joseph A. Schumpeter. Will man den Text von Schumpeter lesen, muss man sich in der Ausstellung mehrmals um die eigene Achse drehen. Dadurch wird zwar eine schöne Affinität zwischen Bewegung und Inhalt hergestellt, dennoch greift man letztlich doch gern auf den Folder zurück, in dem Schumpeters Thesen zur "Schöpferischen Zerstörung" ebenfalls abgedruckt sind. Sie besagen, dass im Kapitalismus Altes zerstört werden muss, damit Neues entsteht.

Joe Scanlan hat den Text an die Wände der Galerie affichiert und mit verschiedenen Blautönen eigene Verbesserungen, Aktualisierungen und Veränderungen markiert. In künstlerisch überarbeiteter Form gibt der Text nun Auskunft über die ökonomischen Abläufe im Kunstbetrieb, für den neue Produkte oder Konkurrenzverhältnisse bekanntlich auch nicht ganz unwesentlich sind. Scanlan aktualisiert Schumpeters Thesen auch insofern, als dass er sich mit seiner Arbeit "Traveling Salesman" als seine eigene kleine Ich-AG präsentiert. Er greift damit auf die Idee des Verkaufsdisplays zurück und hat einen aufklappbaren Koffer mit Editionen und Publikationen zum Verkauf bestückt.

Dass Scanlan den Kapitalismus weniger zu kritisieren als dessen Mechanismen zu beschreiben versucht, zeigt in der Schau der Animationsfilm "Circular Economy", in dem er gemeinsam mit anderen Künstlern den Kreislauf der Produktverwertung illustriert. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.4.2008)

Galerie Martin Janda. 1010 Wien, Eschenbachgasse 11. Bis 12. 4.

Link: www.martinjanda.at

  • Joe Scanlan, "Creative Destruction", 2008, Installation (Vinylfolie auf Wand).
    foto: galerie martin janda

    Joe Scanlan, "Creative Destruction", 2008, Installation (Vinylfolie auf Wand).

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