Fürs Sitzfleisch richtig aufgesattelt

21. April 2008, 11:00
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Als tragende Verbindung zwischen Fahrer und Rad macht der Sattel viele Probleme im Gesäß- und Genitalbereich - Sein Entwicklungspotential ist dem entsprechend groß

"Die zunehmende Zahl an Freizeitsportlern stellt heute andere Anforderungen an Sportgeräte", erzählt Kim Tofaute, Sportwissenschafter und Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei RTI Sports. Das betrifft auch den Fahrradsattel, über den sich noch vor zwanzig Jahren nicht viele Menschen Gedanken gemacht haben. Eine optimale Lösung existiert noch nicht. Radfahrer mit Beschwerden im Gesäß- und Genitalbereich werden deshalb auch künftig nicht der der Vergangenheit angehören.

Traditionelles Leder

Nach wie vor unerreicht ist der Ledersattel. Entwicklungsgeschichtlich einer der ersten, besitzt er die Fähigkeit sich jedem Nutzer individuell anzupassen. Nachfolgende Kunststoffe leisten das bis dato nicht. Beim Ledersattel geblieben ist man dennoch nicht. "Leder ist am Anfang sehr hart. Dann passt er sich der Körperform an und irgendwann latscht er sich aus wie ein Schuh", erzählt Tofaute, der sich mit der Entwicklung von ergonomischem Radsportzubehör beschäftigt. Begrenzte Haltbarkeit und hohes Gewicht erwähnt er als unübersehbare Nachteile des traditionellen Naturproduktes. Über seine Bequemlichkeit lässt sich streiten.

Breit und weich ist nicht gemütlich

Dabei wird Komfort immer wichtiger. Besonders gemütlich klingt breit und weich. Irrtum meint Tofaute: "Typisch für den weichen Sattel ist das Phänomen Durchsitzen." Was hier fehlt, ist die notwendige Abstützung für den Körper. Je länger der Radfahrer auf so einem weichen "Polster" sitzt, desto wahrscheinlicher wird er irgendwann auf der Sattelschale landen. Und die fühlt sich umso härter an.

Aussparungen für den Genitalbereich

Was dann, fragt sich der Radler beim Sattelkauf und denkt vielleicht an Aussparungen, die unangenehme Missempfindungen im sensiblen Genitalbereich reduzieren sollen. Nur Vorteile bringt die ergonomische Gestaltung aber nicht, denn Löcher reduzieren auch Sattelfläche und die braucht der Fahrer zur besseren Gewichtsverteilung. Der Druck auf das Gesäß erhöht sich mit der Kleinheit des Sattels. Am Rand der Löcher ganz besonders.

Trend zur Indiviualisierung

Die Erfindung des optimalen Sattels ist also ein steiniger Weg. Die Anforderungen die Radfahrer an ihn stellen, wird ein einzelner Sattel wohl nie ganz abdecken. "Im Trend liegt die Individualisierung", betont Tofaute, der selbst seit zwanzig Jahren passionierter Radsportler ist. Sattelmäßig wird heute nicht nur zwischen den Kategorien Rennrad, Mountain- oder Trekkingbike unterschieden.

Körpergröße, Geschlecht und Gewicht

Härte und Form der Sättel orientieren sich auch am Geschlecht und an der Körpergröße. Die Anatomie des Einzelnen findet immer mehr Beachtung. Welcher Sattel zu einem passt, findet der Fahrer am besten bei einer Probefahrt heraus. Fehlt dazu die Zeit, ist die Beratung von einem Fachhändler das Mindeste.

Größte Herausforderung: Das Mountainbike

Bei den Fahrradtypen bleibt für Hersteller das Mountainbike die große Herausforderung. "Ein schwieriger Sattel, denn die Zielgruppe ist so breit wie die möglichen Sitzpositionen auf diesem Rad", weiß der gebürtige Südkoreaner. Mit ein und demselben Sattelmodell werden Profifahrer und gemütlicher Tourenmountainbiker daher gemeinsam nicht glücklich. Was gleichermaßen zählt ist der Komfort. Verglichen mit dem Rennrad, wo langes statisches Sitzen gefragt ist, bleibt er aber zweitrangig.

Trendwende zum Komfort

Der Trend der letzten Jahre - vom superleichten Sattel, wie die ungepolsterte nackte Carbonschale, geht wieder zurück. "Das festgelegte Gewichtslimit für Fahrräder erlaubt heute selbst Profifahrern wieder schwerere komfortablere Sättel", erzählt Tofaute und ergänzt dass Funktion immer vor Optik geht. (phr)

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