Der lange Atem der Reichen

9. April 2008, 15:16
20 Postings

Zehn Jahre nach Projektstart ist der Wohnpark Fontana nun endlich voll verwertet - Vertriebschefin Petri im STANDARD-Interview

Für manche ist Fontana ein Ghetto der Reichen. Zehn Jahre nach Projektstart ist der Wohnpark nun endlich voll verwertet. Mit Margit Petri, Fontana-Vertriebschefin und Maklerin bei CB Richard Ellis, sprach Gerhard Rodler.

***

STANDARD: Was zeichnet den Fontana-Wohnpark in Ebreichsdorf aus?

Margit Petri: Im Grunde geht es hier um eine für Europa innovative Wohnform aus den USA mit einheitlichem, gepflegtem Erscheinungsbild, umfassendem Sicherheitskonzept und diversen Mehrwertangeboten wie etwa Golfplatz und Badesee.

STANDARD: Der Verkauf ist trotz enormen Werbeaufwands zäh angelaufen. Kommt das Konzept bei uns nicht an?

Petri: Fontana wurde praktisch niemals inseriert, wir haben dieses Konzept ausschließlich über redaktionelle Berichte und Mundpropaganda bekanntgemacht. Andererseits hatten wir trotz der Neuheit dieses Wohnkonzeptes für unsere Breiten innerhalb der ersten drei Jahre etwa 40 Prozent der Wohneinheiten verkauft. Danach ist es etwas ruhiger geworden. In den letzten vier Jahren haben wir die restlichen fünfzig Prozent der Wohnobjekte verkauft. Nun errichten wir noch weitere 24 Wohnungen, die ursprünglich gar nicht geplant waren. Danach sind die Flächenreserven erschöpft.

STANDARD: Es gibt immer noch unbebaute Parzellen.

Petri: Wir verkaufen die Bauparzellen mit der Verpflichtung, diese innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu bebauen. Bei einigen Käufern läuft diese Frist noch.

STANDARD: Welche Aspekte des Fontana-Konzepts werden gut angenommen? Welche nicht so gut?

Petri: Die Freizeitangebote wie Golfplatz oder Badesee kommen bei allen sehr gut an. Ebenso die Bewachung der Anlage, auch wenn dies zu Beginn als Reichen-Ghetto bezeichnet wurde. Manchmal wird die Gleichförmigkeit der Anlage kritisiert. Im Gegensatz zu den USA ist das bei uns aber nicht der Fall - es werden lediglich gewisse Gestaltungsrichtlinien gegeben. Darüber hinaus ist jedes Haus individuell geplant und gebaut. Eine weitere Änderung: Seit einigen Jahren wird die ausführende Baufirma nicht mehr vorgegeben.

STANDARD: Zu Beginn hatte Frank Stronach angekündigt, mehrere Wohnparks nach dem Fontana-Vorbild zu realisieren. Wie ist der Stand?

Petri: Derzeit sind mir keine derartigen Pläne bekannt.

STANDARD: Nirgendwo in Österreich gibt es ein ähnliches Folgeprojekt eines anderen Bauträgers. Wie erklären Sie diesen Umstand?

Petri: Ganz einfach - mit den enorm hohen Vorlaufkosten. Um einen Wohnpark im Fontana-Stil zu realisieren, muss eine enorme Infrastruktur vorab finanziert werden. Ich vermute, dass sich die Bauträger sagen: Wozu dermaßen ins Risiko gehen, wenn man auch anders Geschäfte machen kann? Man braucht einen langen Atem.

STANDARD: Hat sich aus Ihrer Sicht die potenzielle Zielgruppe für ein solches Projekt im zurückliegenden Jahrzehnt vergrößert?

Petri: Definitiv. Derartige Wohnkonzepte gab es bei uns ja vorher nicht. Unsere Erstkäufer kannten das eher von ihren USA-Reisen. Durch einen gewissen Wandel im Lebensstil stoßen solche Mehrwert-Konzepte heute auf einen breiteren Zuspruch als noch vor zehn Jahren. Was sich aber seit 1995 überhaupt nicht geändert hat, ist der Drang zur Individualität. Die Amerikaner kaufen so ein Haus fix und fertig, vielfach sogar mit Möblierung. Es gibt lediglich eine Handvoll Varianten zur Wahl. Nach ein paar Jahren zieht man wieder weiter. Das wäre bei uns undenkbar.

STANDARD: Wie viele Fontana-Erstkäufer haben bereits wieder verkauft?

Petri: Die Zahl liegt unter zehn Prozent. Auch da funktioniert Österreich anders als die USA. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.4.2008)

  • Petri: "Um so einen Wohnpark zu realisieren, muss eine enorme Infrastruktur vorab finanziert werden. Ich vermute, dass viele sagen: Wozu dieses Risiko, wenn man auch anders Geschäfte machen kann?"
    foto: cb richard ellis

    Petri: "Um so einen Wohnpark zu realisieren, muss eine enorme Infrastruktur vorab finanziert werden. Ich vermute, dass viele sagen: Wozu dieses Risiko, wenn man auch anders Geschäfte machen kann?"

Share if you care.