Robotormeisterschaft: Captain Ahab auf sechs Beinen

11. April 2008, 17:59
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37 Schülerteams treten am 10. April in Hagenberg bei der 3. Österreichischen Hexapod-Meisterschaft gegeneinander an. Ihre sechsbeinigen Roboter müssen dabei Limba tanzen

Anna Gabriel schickt ihren "Captain Ahab" im schwarz-silbernen Outfit ins Rennen. Er soll über eine Strecke von mehr als vier Metern, in U-Form angelegt, ein Glas Wasser transportieren. Keine Distanz für einen flinken Servicemann, doch könnte es passieren, dass er über seine eigenen Beine stolpert. Es hapert nämlich noch an der Laufruhe von Captain Ahab, der doch eigentlich ein sechsbeiniger Roboter ist. Die 18-jährige Schülerin von der HTL Pinkafeld und ihre Schulkollegen Patrick Gremsl und Georg Richter programmieren derzeit noch intensiv an der Software ihres Roboters und hoffen, dass er bei der 3. Österreichischen Hexapod-Meisterschaft zum Sieg laufen wird.

Meisterschaft

Die Meisterschaft wird morgen, Donnerstag, von der Fachhochschule Hagenberg ausgerichtet. "Hinter Hexapods steht die Idee von Insekten als Roboter", erklärt Professor Markus Pfaff, Fachbereichsleiter Elektrotechnik an der FH Hagenberg. Spinnenartige Insekten werden demnach jeweils durch ein Hexapod-Grundmodell namens "Captain Ahab" inklusive 18 Servomotoren, Playstation-Fernbedienung und jeder Menge Kleinteile simuliert. Aufgabe der Schüler ist es, die Software zu programmieren, um das Ding zum Laufen zu bringen.

Sebastian Sams (16) vom Christian-Doppler-Gymnasium in Salzburg fasziniert die zu verarbeitende Hardware: "So viele Motoren hat man ja nicht jeden Tag." Sams war mit seinem Team unter Physiklehrer Ludwig Bermoser schon im Vorjahr bei der Meisterschaft dabei. Seine "begnadeten Schüler haben sich damals im Mittelfeld wacker geschlagen", berichtet Bermoser. Weil ihr Hexapod mit einem besonders "eleganten Schrittmuster ein Glas Wasser transportiert hat", habe die Jury sogar nachträglich einen Extrapreis ausgelobt, um die gelungene Software zu prämieren. Lehrer Bermoser hofft heuer auf einen Spitzenplatz in Hagenberg, weil "wir nicht ganz unvorbereitet bei dem Bewerb mitmachen". Seine Schule wurde schon von der Weltraumagentur ESA eingeladen, Roboter für eine Unterrichts-DVD zu konstruieren. Strenge Jury

Rutschiges Parkett

Heuer schicken bereits 37 Schülerteams von AHS und HTL aus ganz Österreich ihre Roboter auf das Parkett: In der Disziplin "Marathon" muss der Hexapod möglichst schnell und ohne Verschütten ein Glas Wasser über einen Parcours transportieren. Beim "Dance" sollen die Hexapods rocken und Limbo tanzen, was die programmierte Software hergibt. Eine Jury misst verbleibendes Wasser im Glas und urteilt über Choreografie und Aufmachung der Roboter. Ein Insektenexperte des Biologiezentrums Linz hat darüber zu befinden, wie sehr die Sechsbeiner in ihren Bewegungen den natürlichen Vorbildern gleichen.

Schon bevor die Meisterschaft in Hagenberg über die Bühne gegangen ist, gibt es einen Sieger: Moritz Federspiel von der HTL Kainberg meldete kürzlich per E-Mail an die Organisatoren in Hagenberg: "Wir haben in drei Tagen und Nächten mit sehr wenig Schlaf dem Hexapod das Tanzen beigebracht und am 'RoboCup Junior'-Wettbewerb teilgenommen - und gewonnen!" Er und sein Hexapod-Team aus der Steiermark fahren daher heuer im Sommer zur Europameisterschaft nach Deutschland.

Freier Eintritt

Die 3. Österreichische Hexapod-Meisterschaft im Audimax der FH Hagenberg/OÖ kann am 10. April bei freiem Eintritt besucht werden. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD/Printausgabe vom 9.4.2008)

  • Was Insekten von Natur aus können, müssen Hexapods mithilfe von Software und Menschen erst lernen: laufen auf sechs Beinen.
    fotos: reinhard winkler/fh-hagenberg

    Was Insekten von Natur aus können, müssen Hexapods mithilfe von Software und Menschen erst lernen: laufen auf sechs Beinen.

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