"Das ist nicht mehr auszuhalten"

13. April 2008, 18:32
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Salzburger Flughafen-Anrainer klagen über mehr Lärm – das Management dementiert

"Wir haben jede Menge Leute in Freilassing, die am Samstag die Stadt verlassen, weil sie sagen, das ist nicht mehr auszuhalten." – Horst Clausen aus der bayerischen Grenzstadt ist wütend auf das Management des Salzburger Flughafens. 90 Prozent der An- und Abflüge werden über das Freilassinger Gemeindegebiet geführt. An Winterwochenenden gibt es oft mehr als 200 Flugbewegungen pro Tag.

Der Protest gegen den Fluglärm in Salzburg und Umgebung ist nicht neu – auch auf österreichischer Seite. Schließlich ist die Start- und Landebahn des Flughafens gerade einmal zweieinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Astrid Rössler, Sprecherin des „Anrainerschutzverbands Salzburg Airport“, ist mit der Dialogbereitschaft der Flughafengesellschaft unzufrieden: „Das ist ein Aussitzen und Abwarten, ob sich der Protest nicht eh wieder von selber legt“, sagte sie am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Die Lärmmessungen der Stadt Salzburg scheinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Im Jahresvergleich (1990–2007) kann man massive Rückgänge des Dauerschallpegels bei allen Messstationen rund um den Flughafen feststellen“, heißt es im aktuellen Lärmbericht. „Das sind Berechnungsmethoden, denen wir nicht mehr vertrauen“, kommentiert Rössler.

Eine Deckelung der Start- und Landebewegungen allein sei keine Lösung, sagt sie. Man müsse „das Gesamtkonzept des Flughafens hinterfragen“. Schon jetzt sei Salzburg der zweitgrößte Wintercharter-Flughafen Europas – und „eigene Prognosen“ des Flughafens sprächen von 50 Prozent mehr Flügen bis 2015. Flughafen-Sprecher Alexander Klaus verweist hingegen auf die „moderate“ Steigerung um 1,9 Prozent auf 21.918 Flugbewegungen von 2006 auf 2007. Rössler will ihren Protest fortführen – eventuell auch mit Aktionen während der EURO im Juni. Auch politisch könnte sie bald den Fluglärm zum Thema machen: Rössler wird als Listenzweite der Grünen für die Landtagswahl 2009 gehandelt. (Markus Peherstorfer, DER STANDARD; Printausgabe, 9.4.2008)

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    Flugbewegungen über der Musikstadt Salzburg: Anrainer sprechen von einem Forte fortissimo – laut Lärmmessungen gab es aber ein Diminuendo.

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