"Kupferne Tragikomödie" in Serbien

10. April 2008, 16:07
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Für Serbiens Regierung dürfte kurz vor Neuwahlen ein Verkauf der Kupfermine RTB Bor an A-Tec trotz Zahlungsverzögerung attraktiver sein als erneute Verkaufsverhandlungen

Belgrad/Wien –Als "kupferne Tragikomödie" hat die einflussreiche serbische Tageszeitung Politika das Tauziehen um den Verkauf der Kupfermine RTB Bor bezeichnet. Zweimal schon hat der österreichische Mischkonzern A-Tec, der für 466 Mio. Dollar (rund 310 Mio. Euro) den Zuschlag erhalten hat, um Zahlungsaufschub gebeten. Die Meinungen darüber, ob RTB Bor trotzdem an A-Tec gehen soll, sind gespalten.

Schlechte Erfahrungen

Kritiker meinen, dass Serbien als völlig unseriös erscheinen würde, wenn es zulässt, dass österreichische Firmen bei strategisch wichtigen Projekten nach Belieben die Vertrags- und Tenderbedingungen ändern und sich nicht an die vereinbarten Zahlungspläne halten. Denn auch mit dem österreichischen Straßenbau-Konsortium Porr/Alpine hat Belgrad schlechte Erfahrungen gemacht und den Bau der Autobahn von der ungarischen Grenze nach Zentralserbien verschieben müssen.

Es gibt aber auch Befürchtung, dass Serbien wegen des derzeit schlechten Investitionsklimas kein besseres Angebot für RTB Bor bekommen werde. Für den 11. Mai sind Neuwahlen ausgeschrieben, bei Auslandsinvestoren besteht die Befürchtung, dass rechtskonservative, antiwestliche Kräfte an die Macht kommen und die europäischen Integrationsprozesse für längere Zeit aufhalten könnten.

Wenig Alternativen

Sollte das Geschäft mit A-Tec scheitern, könnte der bei dem Tenderverfahren zweitplatzierte russische Oligarch Oleg Deripaska RTB Bor um einen Spottpreis kaufen. A-Tec-Vorstandschef Mirko Kovats hat allerdings bereits angekündigt, dass er in diesem Fall klagen würde. In Summe dürften die Stimmen für einen Verkauf an A-Tec überwiegen: Man sollte den Österreichern die Frist verlängern, meinte etwa der Regierungsberater für Auslandsinvestitionen, Milan Kovacevic. Die Schwierigkeiten seien wegen der politischen Lage und den bevorstehenden Parlamentswahlen entstanden, es sei daher gescheiter, A-Tec entgegenzukommen als die Verhandlungen neu zu beginnen.

Auch Wirtschaftsminister Mladjen Dinkic, der noch am Freitag verärgert erklärt hatte, dass das Geschäft mit A-Tec geplatzt sei, meinte am Dienstag versöhnlich, dass "bei einem Projekt vor so großer nationaler Bedeutung die Entscheidung vorsichtig getroffen werden soll". Dinkic könnte den entscheidenden Einfluss auf die Minister der gespaltenen serbischen Regierung haben, die morgen, Donnerstag, über den Verkauf entscheiden wird.

Viel auf dem Spiel

Für A-Tec steht viel auf dem Spiel: Laut einer Analyse von Goldman Sachs und internen A-Tec-Annahmen würde die Mine bereits 2009 mehr als 50 Prozent zum operativen Ergebnis der Gruppe beisteuern. Goldman Sachs geht dabei von einem Kupferpreis von 9500 Dollar/Tonne und einer Produktionsmenge von 34.000 Tonnen aus. A-Tech will RTB Bor mit Investitionen von 180 Mio. Dollar in drei bis vier Jahren von derzeit 20.000 auf 60.000 Tonnen jährliche Kapazität ausbauen. Auch bei sinkenden Kupferpreisen – Goldman Sachs rechnet bis 2015 mit einem Rückgang auf 4250 Dollar je Tonne – würden die steigenden Mengen gute Ergebnisbeiträge liefern. (Andrej Ivanji, Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.4.2008)

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