"Stark wird, wer sich nach vorne wagt"

21. April 2008, 11:00
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Haltungs- und Rückenprobleme entstehen nicht auf dem Fahrrad, im Gegenteil: Rückenfreundliches Biken verhilft zu weniger Schmerzen

"Mit der Vorneigung des Oberkörpers wird die stabilisierende Rumpfmuskulatur trainiert", weiß Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule in Köln. Der Sportwissenschafter beschäftigt sich seit einigen Jahren mit den positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens und hat diese bereits 2004 in einer umfangreichen Studie dokumentiert.

Rückenschmerz durch Bewegungsmangel

2008 zählen Haltungsschäden und Rückenprobleme bereits zu den Klassikern unter den Zivilisationskrankheiten. Die Ursachen sind längst kein Geheimnis mehr: Chronischer Bewegungsmangel, der die stützende Muskulatur zum Schwinden bringt, wird im Wesentlichen dafür verantwortlich gemacht.

Ungebremst auf den Knochen

Der Wirbelsäule kommt dieses Defizit teuer zu stehen, denn ohne Muskelmasse landen Belastungen ungebremst auf den Knochen. Wer dagegen regelmäßig in die Pedale tritt, der verhindert den Muskelabbau und entlastet damit langfristig die Wirbelsäule.

Schmerzen nach der Ausfahrt

Schade, aber bedingungslos rückenfreundlich ist das Fahrrad trotz allem nicht. Vielmehr klagen besonders bewegungsarme Menschen schon nach kurzen Fahrstrecken über Schmerzen entlang der Wirbelsäule. Ein Widerspruch? "Keineswegs", meint Froböse und glaubt, dass Anforderung und Fähigkeiten beim Radfahren oft weit auseinanderdriften. Die Lösung ist rückenangepasstes Radfahren.

Zehn Minuten reichen aus

"Ideal für Anfänger sind City- und Trekkingräder, die eine Rumpfvorbeugung von 15-20 Grad ermöglichen", betont der deutsche Experte und weiß wie schwer es fällt die eigenen Fähigkeiten auch realistisch einzuschätzen. Der Erfolg spricht jedoch für sich. Motiviert bleibt nur, wer sich von Anfang an nicht überfordert. Mit der richtigen Körperhaltung tut nichts weh und bereits zehn Minuten Rad fahren täglich reichen aus, um die tiefe Rückenmuskulatur effizient zu trainieren.

Stark wird, wer sich nach vorne wagt

Wer die aufrechte Sitzposition - jeder kennt sie vom Hollandrad - bevorzugt, der wird einem schwachen Rückgrat zwar wenig zusätzliche Probleme schaffen, profitieren wird er davon aber ebenso wenig. Denn stark wird nur, wer sich auch etwas weiter nach vorne wagt. Und ganz nebenbei fangen kräftigere Muskeln auch Stöße und Schläge, die beim Fahren über Bodenunebenheiten entstehen, besser ab.

Kein Rennrad für Anfänger

Dem Rennrad ist der Anfänger rückenmäßig nicht gewachsen. "Rennräder setzen bereits ein muskuläres Korsett voraus", weiß Froböse und macht deutlich, wie entscheidend vorweg die Wahl des richtigen Fahrrades ist. Wer zwei oder drei Stunden auf dem Rennrad verbringt, ohne dass Halswirbelsäule oder Schultern schmerzen, der hat schon viel erreicht. Bandscheibenschäden und Wirbelkörperabnützungen treten unter diesen ambitionierten Hobbysportlern wesentlich seltener auf.

Fahren mit dem Mountainbike

Ganz andere Anforderungen setzt das Fahren mit dem Mountainbike voraus. Technik und Kraftausdauer sind bei Berg- und Talfahrten im freien Gelände gefragt. Sonst sind auch diese Belastungen dem Anfänger zu viel.

"Nur mit Disziplin und dem Wissen über organische Reaktionen halten sich gesundheitliche Effekte und Überlastungen beim Radfahren die Waage", ergänzt Froböse schließlich seine Ausführungen und empfiehlt Rennradfahren und Mountainbiken ausschließlich Personen mit Trainingserfahrung.

Ohne große Belastung starten

Schonend beginnen lautet die Devise. Im besten Fall durch viel Bewegung und ohne große Belastungen. Und so bleibt Radfahren in korrekter Körperhaltung auf dem geeigneten Rad als Ausdauersport dem Laufen nach wie vor überlegen. Denn während der Läufer Knie und andere Gelenke fortwährend mit seinem gesamten Körpergewicht belastet, befinden sich beim Radfahrer 60-70 Prozent seines Eigengewichtes auf dem Sattel. Womit Radfahren die gelenkssschonendere Alternative bleibt. (phr)

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    foto: arge mountainbike niederösterreich
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