37 Fahrradtote im Vorjahr

13. April 2008, 18:32
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Fast 6000 Verletzte - Im Westen Österreichs wird deutlich öfter in die Pedale gestiegen - mit Grafik

Im Vorjahr kamen in Österreich 37 Radfahrer bei Unfällen ums Leben, um elf weniger als 2006. Gegenüber 2002 ist die Zahl der tödlich Verunglückten nach Angaben des Verkehrsclubs um 54 Prozent gesunken. Verletzt wurden im Vorjahr 5.775 Personen. Von 2002 bis 2007 stieg die Zahl an im Alltag mit dem Rad zurückgelegten Kilometern von 1,2 auf 1,6 Milliarden Kilometern. Im Vorjahr passierten laut VCÖ pro Milliarde Kilometer 23 tödliche Radunfälle, 2002 waren es noch 67.

An der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz verzeichnet man rund 560 Unfälle mit Zwei- und Dreirädern pro Jahr in der Altersgruppe der bis zu 14-Jährigen, so Peter Spitzer vom Verein "Große schützen Kleine". Im Schnitt sei jede vierte Verletzung als schwer einzustufen.

Weniger Helmträger

Die Radhelm-Tragehäufigkeit habe sich in den vergangenen Jahren an der Grazer Klinik auf rund 25 Prozent beinahe halbiert, sagte der Experte. "2001, 2002 war der Knick. Seither verzeichnen wir auch einen sanften Anstieg an Kopfverletzungen", so Spitzer. "32 Prozent sind Kopfverletzungen, wobei beim Scooter jede zweite und beim Fahrrad jede dritte Verletzung diese sensible Körperregion betrifft." Zu etwa 36 Prozent sei die obere Extremität, zu 21 Prozent die untere Extremität und zu elf Prozent der Rumpf betroffen.

Betrache man das durchschnittliche Alter der verletzten Kinder, so würden die Kleinen im dritten Lebensjahr am häufigsten mit Drei- und Laufrädern verunfallen; Vorfälle mit Scooter und Fahrrädern ereignen sich laut Hoffer um das neunte Lebensjahr. "Trotz Fortschritte der Sicherheitstechnik beim Fahrradsitz wird noch immer ein Drittel der Verletzungen durch Radspeichen verursacht", so Spitzer. "Die Ursache dafür ist wohl eher in unkonventionellen Beförderungsmethoden für kurze Strecken, am Gepäckträger, zu finden."

Wenige Kollisionen

Zu 65 Prozent geschehen Radunfälle im Freien, am Gelände und auf Wegen; zu 35 Prozent auf der öffentlichen Verkehrsfläche. Jedoch passieren laut dem Experten nur sechs Prozent der Verkehrsunfälle durch eine Kollision mit einem anderen Verkehrsteilnehmer. "Hier sind die über Zehnjährigen in mehr als der Hälfte der Unfälle zu finden", meinte Spitzer.

"Knapp 91 Prozent der Unfälle sind Einzelstürze, die mit Problemen der Fahrradbeherrschung wie z. B. Kurven fahren oder Bremsen zusammenhängen", berichtete der Forscher. Ein Test des Vereins attestierte Kindern in der vierten Klasse Volksschule gute Werte im Straßenverkehr, aber schlechte bei der Fahrtechnik. "Ein Jahr später hatten sie bessere Radfahrwerte, aber beim Verkehrsverhalten gingen die Werte hinunter", so Spitzer. Dem Verein nach sollte in der vierten Klasse mehr Training und im Schuljahr darauf eine Auffrischung der Verkehrsregeln erfolgen.

Eine Umfrage unter 2.800 Radfahrern 2007 habe ergeben, dass 51 Prozent der Radler Autofahrer als wenig oder gar nicht rücksichtsvoll erleben, so der VCÖ. 14 Prozent beurteilten Pkw-Lenker als rücksichtsvoll.

Vorarlberger am fleißigsten

Die Westösterreicher scheinen begeistertere Fahrradfahrer zu sein als die Einwohner im Osten: So sind die Vorarlberger die fleißigsten Radler Österreichs, wie eine Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) gezeigt hat. Genau 431 Kilometer haben Vorarlberger im Vorjahr im Alltag mit dem Rad zurückgelegt. Damit sind sie mit 82 Prozent auch die meisten Haushalte des Landes, die mindestens einen Drahtesel besitzen. Im Vorjahr kamen in Österreich 37 Radfahrer bei Unfällen ums Leben; 16 davon waren alter als 64 Jahre.

An zweiter Stelle findet sich Tirol: Hier wurden im Vorjahr 225 Kilometer im Alltag geradelt. In Niederösterreich und Salzburg wurden jeweils 221 Kilometer mit dem Drahtesel gefahren, in Oberösterreich 190 Kilometer und in der Steiermark 163 Kilometer. Im Burgenland trat man für insgesamt 158 Kilometer in die Pedale, in Kärnten für sechs Kilometer weniger. Die Bundeshauptstadt lag mit 126 Kilometern an letzter Stelle. Im Österreich-Durchschnitt wurden laut VCÖ 195 Kilometer im Alltag mit dem Rad gefahren.

76 Prozent der Haushalte in Oberösterreich besaßen im Vorjahr mindestens ein Fahrrad, in Tirol, Niederösterreich und Salzburg waren es je ein Prozent weniger. Zumindest einen Drahtesel gab es nach Zahlen der Statistik Austria und des VCÖ auch in 70 Prozent der steirischen, 69 Prozent der burgenländischen sowie 59 Prozent der Kärntner Haushalte. In Wien waren es 51 Prozent der Haushalte; der Österreich-Durchschnitt betrug 68 Prozent.

Fahrradfaule Wiener

In Vorarlberg war auch der Anteil des Radfahrens an der Mobilität 2007 mit 15 Prozent am höchsten. In Salzburg waren es elf Prozent, in Tirol acht und in Niederösterreich sowie Oberösterreich jeweils sieben Prozent, so Daten des VCÖ. Sechs Prozent waren es in der Steiermark, in Kärnten und dem Burgenland. Mit vier Prozent am geringsten war der Anteil in Wien. (APA)

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