Rektoren: Gute und schlechte Ansätze

9. April 2008, 10:06
posten

Der wichtigste Punkt für die Rektoren bei der Reform des Universitätsgesetzes ist die Klärung des Hochschulzugangs - Mit Infografik

Wien - Prinzipiell wird die Novelle des Universitätsgesetzes (UG) von den Rektoren begrüßt, "wenn nicht durch die Hintertür die Autonomie eingeschränkt wird", sagte der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Christoph Badelt, im Gespräch mit der APA. Wichtige Frage ist für die Rektoren, ob die Autonomie durch das UG gestärkt oder geschwächt wird.

Skeptisch hinsichtlich einer möglichen Einschränkung der im Zuge des UG 2002 massiv ausgeweiteten Autonomie, machen Badelt etwa die seitens des Wissenschaftsministeriums immer wieder genannten jährlichen Zielvorgaben des Ressorts. Diese kämen zusätzlich zu den mehrjährigen Leistungsvereinbarungen und den Zielvereinbarungen mit dem Universitätsrat hinzu.

Auswahl der Master- und PhD-Studierenden

Badelt nennt das Thema Hochschul-Zugang "bewusst" als ersten Punkt seiner Forderungen, "weil es offensichtlich von den Politikern wieder unter den Tisch gekehrt wird". Die Uni-Chefs fordern eine Auswahl zumindest der Master- und PhD-Studierenden nach Qualifikation.

Dabei sei dies eine "massive Problematik" für die Universitäten, denen es nicht um quantitative, sondern um qualitative Gesichtspunkte gehe. Es mache ihn "sorgenvoll, dass sich beide Koalitionspartner da nicht d'rüber trauen".

"Falsche Richtung"

Vor allem weil es neben der UG-Reform andere Bestrebungen gebe, die in die "falsche Richtung" gehen, so Badelt, der als Beispiel eine neue Verordnung über Fachhochschul-Studien nennt, mit der automatisch das Recht zu bestimmten Doktoratstudien verliehen werden soll.

Es scheine so zu sein, meint Badelt, "dass man nach zweifelhaft interpretierten formalen Kriterien von darunterliegenden Bildungsebenen die Leute zu uns schicken will, ohne dass die Finanzierung dafür sichergestellt ist".

Gute Ansätze

Die Vereinfachung bei den Berufungs- und Habilitationsverfahren scheine hingegen in die richtige Richtung zu gehen, so Badelt. Badelt verfolge auch "mit Interesse" die Bestrebungen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Aufnahmeverfahren für Lehramtsstudien zu forcieren.

Finanzierung klären

Wünschenswert wäre eine Klarstellung im Gesetz, dass ein Senat nicht einen Studienplan beschließen könne, wenn es keine finanzielle Bedeckung dafür gebe. Badelt macht zudem auf die Finanzierung der Unis aufmerksam: Es sei ihm durchaus bewusst, dass im UG nicht festgelegt werde, wieviel Geld die Unis bekommen. Es gebe aber wesentliche Wechselbeziehungen zwischen dem UG und der Finanzierungsbasis und Badelt nannte als Beispiele den Uni-Zugang und die Haftung der Rektoren bei baulichen Mängeln.

Badelt weist in dem Zusammenhang auf die insgesamt längere Studienzeit in der neuen Studienarchitektur im Vergleich zu bisher hin. Die Lehrkapazitäten müsse um bis zu 25 Prozent ausgeweitet werden.

In die vieldiskutierten Frage der Rektorenwahl und der Kompetenzen von Uni-Rat und Senat dabei wolle sich die aus Rektoren zusammengesetzte uniko als "Betroffene" nicht einmischen.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Christoph Badelt, der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko) zieht eine vorläufige Bilanz über die Vorschläge zur Novelle des Universitätsgesetzes.

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.