"Schadensmodell von Gran Turismo soll unvergleichbar sein"

16. April 2008, 14:27
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Worauf sich Fans von GT5 und seinem Prologue schon bald freuen dürfen, erzählte Erfinder Kazunori Yamauchi im Interview

Gran Turismo 5: Prologue ist in Japan und Europa bereits erschienen. Obwohl sich das Rennspiel ersten Analysen nach wie geschnitten Brot verkauft, sind nicht alle Spieler vollends begeistert von der Vorversion zur kommenden Vollversion GT5. Wie sich der Prologue in den nächsten Monaten noch entfalten wird und worauf sich Fans der Serie freuen dürfen, erzählte Polyphony Digital-Präsident und Gran Turismo-Erfinder Kazunori Yamauchi im Interview mit dem WebStandard und anderen deutschsprachigen Journalisten in Salzburg.

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Frage: Wie viel Arbeitszeit und Ressourcen stecken in Gran Turismo 5: Prologue?

Kazunori Yamauchi: 120 Mitarbeiter haben vier Jahre daran gearbeitet. Das Budget darf ich nicht verraten, aber es war 50 Mal höher als das von GT1.

Frage: Wie viel Arbeit werden Sie noch in GT5: Prologue investieren, bevor GT5 erscheint?

Kazunori Yamauchi: Es ist noch nicht fix, wann GT5 erscheint. Mit Sicherheit nicht vor Ende 2009. Bis dahin stecken wir noch viel Kraft in GT5: Prologue.

Frage: Welche Autos sollen noch in GT5: Prologue erscheinen?

Kazunori Yamauchi: Wir wollen noch aktuelle Modelle der Saison implementieren, aber auch ganz alte Autos. Beispielsweise von Ferrari.

Frage: Wie lange dauert es ein Fahrzeug zu digitalisieren?

Kazunori Yamauchi: Ein Modell benötigt 180 Tage. Zum Vergleich: Für ein Auto in GT2 brauchten wir nur einen Tag.

Frage: Welche Online-Funktionen werden noch hinzukommen?

Kazunori Yamauchi: Im Herbst kommt ein großes Update. Dann wird es eine Lobby geben und Spieler können Communities, Clubs bilden. GT5: Prologue wird sich immer weiter entwickeln.

Frage: Können Sie den Netzwerk-Gedanken von GT5: Prologue näher erläutern?

Kazunori Yamauchi: GT5: Prologue soll eine Plattform für Spieler und Autohersteller sein und sie näher aneinander bringen. Hersteller können ihre Fahrzeuge präsentieren und Annoncen aussenden, sobald neue Modell erscheinen.

Frage: Wann wird das Schadensmodell nachgereicht?

Kazunori Yamauchi: Voraussichtlich im Herbst.

Frage: Welche Schwierigkeiten bereitet die Entwicklung des Schadensmodells?

Kazunori Yamauchi: Das Problem ist, dass das Schadensmodell Gran Turismo-Niveau erreichen soll. Es soll unvergleichbar zu anderen Spielen sein. Die Schäden werden nicht nur optisch sichtbar sein, sondern sich auch genau auf die Fahreigenschaften auswirken.

Frage: Nehmen Sie Daten von Crash-Tests?

Kazunori Yamauchi: Ja, das auch. Aber mehr darf ich nicht verraten.

Frage: Was erhoffen Sie sich vom Schadensmodell?

Kazunori Yamauchi: Dass die Europäer mit mehr Ehre fahren. (lacht)

Frage: Kommen Wettereffekte?

Kazunori Yamauchi: Eins nach dem anderen. Zuerst kommt das Schadensmodell.

Frage: Wird man in GT5: Prologue künftig wie in Vorgängerversionen gebrauchte Autos kaufen können?

Kazunori Yamauchi: Es ist noch nicht geplant, aber ich denke, dass es in Zukunft möglich sein wird.

Frage: Wird es für Käufer des Prologues als eine Art Treuebonus einen Rabatt auf GT5 geben?

Kazunori Yamauchi: Dazu können wir noch nichts sagen, aber natürlich werden Sie das verdiente Geld und die Autos mitnehmen können.

Frage: Wird es in GT5 eine Formel 1-Serie geben?

Kazunori Yamauchi: Wir würden sehr gerne eine machen. Genaues gibt es dazu noch nicht.

Frage: Werden wir Motorräder in der Vollversion sehen?

Kazunori Yamauchi: Durch Tourist Trophy haben wir das Knowhow dazu. Nur wann und wo ist noch nicht klar.

Frage: Österreich wird bald wieder eine eigene große Rennstrecke haben. Gibt es eine Chance, dass sie in GT5 vorkommt?

Kazunori Yamauchi: Leider wusste ich bis heute nichts davon. Aber ich würde sie mir gerne ansehen, ob sie geeignet ist.

Frage: Gibt es eine Chance, dass Gran Turismo auf einer anderen Plattform erscheint?

Kazunori Yamauchi: Es ist sehr sehr unwahrscheinlich, dass GT auf einer anderen Konsole herauskommt. Aber vielleicht kommt es auf den PC. Vor allem am chinesischen Markt könnten wir so die Verbreitung fördern.

Frage: In welche Richtung, glauben Sie, werden sich Rennspiele entwickeln – mehr in Richtung Arcade oder Realismus?

Kazunori Yamauchi: Das echte Autofahren macht ja Spaß. Deshalb kann meiner Meinung nach mehr Realismus nicht schaden.

Frage: Können Sie sich vorstellen, dass Polyphony auch Spiele abseits des Rennspiel-Genres entwickelt?

Kazunori Yamauchi: Die Wahrscheinlichkeit besteht. Momentan sind aber alle 120 Mitarbeiter mit GT ausgelastet. Aber es ist ein Traum von mir ein Rollenspiel mit ähnlich hoher Qualität wie GT zu entwickeln.

Vielen Dank für Ihre Zeit.(Zsolt Wilhelm, derStandard.at vom 8.4.2008)

  • Kazunori Yamauchi, Präsident von Polyphony Digital. Sein erstes Auto hat ihm seine Freundin geschenkt. Heute fährt er einen Honda S2000, einen Nissan 350Z, einen Nissan GTR – den hat er sogar mitentwickelt, einen Ford GT, einen Porsche GT3 und einen Mercedes SL55 und diese am liebsten schnell. In nächster Zeit möchte er das 24 Stunden Rennen am Nürburgring und danach vielleicht die 24 Stunden von LeMans bestreiten. Aber das sind auch nur die Ziele, die in seinen Augen realistisch sind.
    derstandard.at/zsolt wilhelm

    Kazunori Yamauchi, Präsident von Polyphony Digital. Sein erstes Auto hat ihm seine Freundin geschenkt. Heute fährt er einen Honda S2000, einen Nissan 350Z, einen Nissan GTR – den hat er sogar mitentwickelt, einen Ford GT, einen Porsche GT3 und einen Mercedes SL55 und diese am liebsten schnell. In nächster Zeit möchte er das 24 Stunden Rennen am Nürburgring und danach vielleicht die 24 Stunden von LeMans bestreiten. Aber das sind auch nur die Ziele, die in seinen Augen realistisch sind.

  • "Ein Modell benötigt 180 Tage."
    derstandard.at/zsolt wilhelm

    "Ein Modell benötigt 180 Tage."

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