Wo Sizilien auf Slow Food trifft

7. April 2008, 19:36
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Neue Angebote für das leibliche Wohl auf dem Karmelitermarkt

Der "Georgier" ist auch unter der Woche gesteckt voll – während Studenten am Laptop surfen, grübelt am Nebentisch der Schriftsteller Wolf Haas über einem Blatt Papier. "Wir haben nur Tee mit frischer Minze", sagt die Kellnerin fast bedauernd – und dokumentiert damit ungewollt die Qualität des Angebots. Das georgische Lokal "Madiani" hat sich längst zu einem beliebten Treff gemausert – und bleibt nicht der einzige auf dem Karmeliter Markt.

Gleich gegenüber hat vergangenes Wochenende das "Danmayr" der ehemaligen Grünen-Pressesprecherin Andrea Danmayr eröffnet. Sie ergänzt das Angebot am Karmeliter Markt nun mit mediterranen, vornehmlich süditalienischen und sizilianischen Spezialitäten – wie etwa einer formidablen Wildschwein-Mortadella, einer feurigen Salsiccia di peperoncino mehreren Sorten Pecorino sowie hausgemachten Antipasti oder abschließenden süßen Punkten wie einer Torta di limone. Mittelfristig sollen noch ein Mittagstisch sowie eine kleine, öfter wechselnde Karte mit warmer Küche ins Programm aufgenommen werden.

Gastronomie und Nischen

Die aufstrebende Lokalszene ist die eine Seite im neuen Erfolgskapitel des seit 1910 an diesem Ort angesiedelten Karmelitermarktes. "Nischenprodukte, Spezialitäten und Gastronomie werden immer wichtiger für Märkte", erläutert Marktamts-Sprecher Franz Kopecky im Standard-Gespräch. "In Wien haben wir schließlich bereits einen Versorgungsgrad von 94 Prozent über Supermärkte und Hypermärkte. Nur noch sechs Prozent laufen über Greißler und Märkte." Daher wurde auch der Karmelitermarkt bereits Mitte der 90er-Jahre gesund geschrumpft und modernisiert. Nach der Absiedlung von zwölf Ständen blieben 41 – unter denen derzeit 21 den Lebensmittelhandel und neun das gastronomische Angebot bestreiten.

Doch vor allem auch der Bauernmarkt am Freitag und Samstag spezialisiert sich zusehends. Vier Stände bilden bereits das vom Marktamt geprüfte und zertifizierte "Bio-Eck". "Die Nachfrage ist riesengroß. Bio boomt überall und im Grunde gibt es zu wenige Anbieter", weiß Kopecky. Daher wird es ab Mai genau gegenüber der Bio-Ecke ein zusätzliches Angebot am Wochenmarkt geben: Eine Slow-Food-Corner mit vorerst fünf Ständen. Unter der Slow-Food-Schirmherrin Barbara van Melle werden an diesen Ständen dann hochwertige und ursprüngliche heimische Produkte angeboten. Seien es alte Getreidesorten, das Brot eines Linzer Holzofen-Bäckers, Alpenlachs, traditionelle Käsesorten oder Obst und Gemüse aus der Steiermark. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 08.04.2007)

  • Das Madiani ist längst ein beliebter Treff – jetzt bietet gegenüber das Danmayr süditialienische und sizilianische Spezialitäten an.
    foto: christian fischer

    Das Madiani ist längst ein beliebter Treff – jetzt bietet gegenüber das Danmayr süditialienische und sizilianische Spezialitäten an.

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