Prohaska: "Die Geiseln haben keine Villa bezogen"

12. April 2008, 13:57
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Österreichs Sondergesandter in der Geiselkrise, Anton Prohaska, will über eine baldige Freilassung der Österreicher nicht spekulieren, sagt er im STANDARD-Interview

Österreichs Sondergesandter in der Geiselkrise, Anton Prohaska, will über eine baldige Freilassung von Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber nicht spekulieren, bleibt aber weiter zuversichtlich, wie er Julia Raabe in Bamako sagte.

STANDARD: Das Ultimatum der Entführer ist abgelaufen. Gibt es Neues?

Prohaska: Die malischen Behörden, der malische Präsident und wir sind zuversichtlich, dass uns genug Zeit gegeben wird, um mit Umsicht, aber zielorientiert weiterarbeiten zu können, um schließlich unsere Landsleute wieder mit ihren Angehörigen zusammenbringen zu können.

STANDARD: Heißt das, dass die Freilassung bald bevorsteht?

Prohaska: Bis zu einer Lösung kann ich nichts sagen.

STANDARD: Aber was macht Sie denn so zuversichtlich?

Prohaska: Die Kontakte in Bamako.

STANDARD: Hatten Sie jemals direkten Kontakt zu den Entführern?

Prohaska: Dazu möchte ich mich nicht äußern.

STANDARD: Wo sind die Geiseln jetzt?

Prohaska: Das kann man aus verschiedenen Gründen nicht beantworten. Wie schon gesagt, befinden sie sich im Norden Malis oder im Süden Algeriens. Sie haben aber dort nicht eine Villa bezogen oder ein ständiges Quartier aufgeschlagen, sondern bewegen sich im Felde.

STANDARD: Laut Angehörigen wurden auf den Bildern Geiselnehmer erkannt, die schon bei den Entführungen von Touristen in der Sahara im Jahr 2003 dabei gewesen sind. Inwieweit dient 2003 also als Modell?

Prohaska: Bei keiner Krise kann oder soll man ein Amalgam herstellen. Im Übrigen bin ich nicht seit 2003, sondern seit Februar, März 2008 mit dieser Frage befasst.

STANDARD: 2003 hat es ein glückliches Ende gegeben – offenbar auch wegen einer Lösegeldzahlung.

Prohaska: Das ist meines Wissens nach immer bestritten worden.

STANDARD: Die Entführer müssten nach dem dritten Ultimatum langsam wissen, dass ihre politischen Forderungen nicht erfüllt werden. Ist Österreich also bereit, Lösegeld zu zahlen?

Prohaska: Wir wollen ein humanitäres Ziel verwirklichen und streben dies mit aller Entschlossenheit an.

STANDARD: Es gibt wieder Berichte über eine Beteiligung Libyens bei den Bemühungen um eine Freilassung.

Prohaska: In einem derartig dramatischen Fall wird jeder Österreicher alles daran setzen, seine Bekannten, Freunde und Beziehungen zur Unterstützung der bedrängten Landsleute einzusetzen. Ich schließe daher nicht aus, dass die verschiedensten Staatsmänner und Institutionen, auch der angrenzenden Länder zu Mali, befasst worden sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2008)

  • Anton Prohaska, Österreichs Sondergesandter in der Geiselkrise, will über eine baldige Freilassung der österreichischen Geiseln nicht spekulieren.
    foto: standard/ raabe

    Anton Prohaska, Österreichs Sondergesandter in der Geiselkrise, will über eine baldige Freilassung der österreichischen Geiseln nicht spekulieren.

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