Pokern um den Preis für Yahoo

25. April 2008, 14:13
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Alles eine Frage des Kaufpreises: Darauf scheint es hinauszulaufen, nachdem Microsoft dem Management des Onlinekonzerns Yahoo am Wochenende ein Ultimatum gestellt hat

Das Angebot, das Microsoft für die Übernahme des Onlinekonzerns Yahoo gelegt hat, "ist eine substanzielle Unterbewertung" des Konzerns. Mit diesen Worten wies Yahoo-Gründer und CEO Jerry Yang in einem Brief an Microsoft-CEO Steve Ballmer das Ultimatum des Softwarekonzerns zurück.

Geduld begrenzt

Am Wochenende hatte Microsoft dem Management des Onlinekonzerns mitgeteilt, dass seine Geduld begrenzt sei: Innerhalb von drei Wochen solle Yahoo das Angebot annehmen, sonst würde Microsoft in die Übernahmeschlacht via Aktionärsversammlung ziehen.

Das schrieb Ballmer an Yahoo, und seine Ungeduld begründete er damit, dass das Angebot jetzt höher sei als damals, weil Yahoo an Wert verloren habe. Microsoft bot eine Mischung aus Cash und eigenen Aktien, was damals auf 31 Dollar pro Yahoo-Aktie, in Summe rund 44 Mrd. Dollar (28 Mrd. Euro) hinauslief und 62 Prozent über dem damaligen Wert lag.

Wahrheiten

Nicht wahr, konterte jetzt Yang: "Aufgrund eures gesunkenen eigenen Aktienwerts ist der Wert eures Angebots jetzt signifikant geringer als zum Zeitpunkt des ursprünglichen Angebots." Tatsächlich ist das Angebot von ursprünglich 31 Dollar pro Yahoo-Aktie auf 29,36 Dollar pro Aktie per Börsenschluss vergangenen Freitag gesunken, errechnete das Wall Street Journal.

„Steve, du hast persönlich an zwei Treffen (zwischen Microsoft und Yahoo, Anm.) teilgenommen und hättest es in der Hand gehabt, die Diskussionen in eine dir genehme Richtung zu lenken“, schob Yang zugleich den Schwarzen Peter für einen Stillstand der Verhandlungen – offiziell gab es bisher nur inoffizielle Sondierungsgespräche – zurück.

Troubles

Zusammen mit dem Chairman des Yahoo Boards, Roy Bostock, wies Yang auch Microsofts Behauptung zurück, dass der Onlinekonzern Schwierigkeiten haben werde, die wirtschaftliche Situation gut zu überstehen. Im Gegenteil: Seit Montag bewirbt Yahoo eine Neuerung seines Systems zum Verkauf von Bannerwerbung namens „Amp“, das die Anzeigenplatzierung genauer als bisher auf das Surfverhalten von Usern abstimmen können soll.

Offene Tür

Dennoch hat Yang in seinem Brief die Tür zu Verhandlungen offen gelassen. Eine feindliche Übernahme würde Microsoft viel Zeit und Geld kosten und obendrein guten Willen bei Yahoo-Mitarbeitern zerstören. Und auch in Microsofts Reihen gebe es Bedenkenträger, die durch die Verzögerungstaktik von Yahoo Gelegenheit erhielten, sich zu artikulieren, schreibt das Wall Street Journal. Gleichzeitig würden die Gespräche zwischen Yahoo und Time-Warner über eine Verflechtung mit Time-Warners Internettochter AOL als Alternative zu einer Übernahme durch Microsoft „hitziger“. (spu, DER STANDARD Printausgabem 8. April 2008)

  • Microsoft-CEO Steve Ballmer wirft seinen Schatten auf den Onlinekonzern Yahoo: Er fordert die bedingungslose Kapitulation, sonst würde der Softwareriese in die Übernahmeschlacht ziehen

    Microsoft-CEO Steve Ballmer wirft seinen Schatten auf den Onlinekonzern Yahoo: Er fordert die bedingungslose Kapitulation, sonst würde der Softwareriese in die Übernahmeschlacht ziehen

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