Personalie bringt Clinton in Bedrängnis

24. April 2008, 15:05
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Hinter dem Rücktritt Mark Penns steht auch eine Abrechnung über ihre schlechte Wahlkampagne

In ihren Memoiren pries sie ihn noch als brillanten Meinungsforscher, der mit sicherem Gespür erkenne, was den Wähler bewege. Jetzt schickt Hillary Clinton ihren Chefstrategen in die Wüste, mit einer Erklärung, die sich an Einsilbigkeit kaum überbieten ließ. Nach den Ereignissen der letzten Tage habe Mark Penn um seine Entlassung gebeten, hieß es.

Eigentlich war es nur ein Ereignis. Vor Wochenfrist traf sich der 54-Jährige mit dem Botschafter Kolumbiens. Bogotá zahlt der Beraterfirma Burson Marsteller, deren Filiale am Potomac Penn leitet, dreihunderttausend Dollar pro Jahr. Dafür sollen die Lobbyisten helfen, einen Freihandelsvertrag mit den USA durch den Kongress zu bringen. Das Pikante daran ist, dass der Wahlstratege Penn das genaue Gegenteil dessen predigt, was der PR-Profi Penn seinen kolumbianischen Kunden empfiehlt. In Pennsylvania, wo Hillary Clintons Duell mit Barack Obama am 22. April in die nächste Vorwahlrunde geht, wirbt die Kandidatin nämlich dafür, beim Freihandel eine Pause einzulegen. Reichlich populistisch bedient sie die Stimmung gebeutelter Hackler, die ihre Arbeit verloren und den Billiglohnländern Lateinamerikas die Schuld daran geben. Die diffuse Angst vor der Globalisierung, im März hat sie Clinton in Ohio, im „Rostgürtel“ der alten Industrie, zum klaren Sieg über Obama verholfen.

Die wahren Gründe für Penns Abschied liegen aber wohl tiefer. Im eigenen Team war er als jähzorniger Besserwisser verschrien. „Er hat den Intelligenzquotienten von Bill Gates, aber die Sozialkompetenz einer Aubergine“, lästerte Jonathan Alter von Newsweek. Im Kern aber bezahlt der Stratege den Preis dafür, dass es im „Hillaryland“ nicht so läuft, wie es sich die Kandidatin anfangs vorgestellt hatte.

Grünschnabel Obama ausstechen

Mit ihrer Erfahrung wollte sie den Grünschnabel Obama ausstechen. Sollte der ruhig von Wandel reden, riet Penn, mit ihrer Sachkompetenz würde sie ihn allemal in den Schatten stellen. Am Super Tuesday sollte das Rennen gelaufen sein. Als es anders kam, verlegte er sich darauf, den Kontrahenten scharf zu attackieren. Es war Penn, der den umstrittensten Werbespot der Kampagne entwarf. Nachts um drei, im Weißen Haus klingelt das Telefon, eine Weltkrise droht – wie gut, dass die nervenstarke Hillary den Hörer abnimmt und nicht der verträumte Barack. Es war ein Eigentor, weil sich weltweit Zeitzeugen zu Wort meldeten, die sich nicht daran erinnern konnten, dass die First Lady je eine internationale Krise gemanagt hatte.

Seitdem steht die Frage im Raum, ob Penn wirklich noch so feine Antennen fürs Wahlvolk hat wie einst, als er bei Bill Clinton anheuerte. 1996 war das, der damalige Präsident wollte wiedergewählt werden, der hochkarätige Meinungsforscher empfahl, die kleinen Themen in den Vordergrund zu rücken. Etwa die Schuluniform. Bald war Penn nicht mehr wegzudenken aus dem „Team Clinton“.

Später riet er ihr davon ab, sich dafür zu entschuldigen, dass sie im Parlament für eine Irak-Resolution stimmte, die George W. Bush zum Losschlagen ermächtigte. Seit 2005 leitet Penn das Washingtoner Büro von Burson Marsteller. Vier Jahre zuvor hatte er dem Mutterhaus der weltweit agierenden PR-Firma seine eigene Werbeagentur verkauft – eine Transaktion, die ihn zum Multimillionär machte. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 8.4.2008)

  • Der Verlust ihres Chef-Strategen Mark Penn hat den Präsidentschafts-Ambitionen von Hillary Clinton einen weiteren Rückschlag versetzt.
    foto: der standard

    Der Verlust ihres Chef-Strategen Mark Penn hat den Präsidentschafts-Ambitionen von Hillary Clinton einen weiteren Rückschlag versetzt.

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