Patentrezept fehlt

Redaktion, 9. April 2008, 15:00

Dem Einen fehlts, den Anderen quälts - die Zukunft der Massenmotorisierung

Die enorme Aufholjagd von China und Indien bei der Motorisierung macht im Grunde jede Verbrauchsabsenkung mehr als wett. Andererseits kann man es ja niemandem verbieten, auch Auto fahren zu wollen. Allerdings sieht es ganz so aus, als wollten die aufstrebenden Nationen auch gleich alle Fehler mit kopieren, die wir im Laufe der Massenmotorisierung gemacht haben.

Unsere Verkehrsstrukturen sind jetzt im Nachhinein schwer zu verändern. Die Möglichkeiten, den Transport wenigstens ein wenig in Richtung Schiene zu verlagern, gibt es, aber sie sind realistischerweise nicht so riesengroß.

Dicke Luft
Ohne hier Verantwortung einfach abschieben zu wollen: Dort, wo die Massenmotorisierung gerade erst beginnt, wäre es noch möglich, Abläufe und Strukturen für die Zukunft besser zu gestalten. Erste Anzeichen dafür gibt es ja bereits. Da in den wuchernden Ballungsräumen dieser Erde schon jetzt dicke Luft herrscht, bereiten sich die Autohersteller bereits auf sektorale Fahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotor vor. Renault zum Beispiel hat in Israel einen Großversuch mit reinen Elektroautos gestartet. Die dortigen Rahmenbedingungen sind relativ günstig für Elektroantrieb, da in der Regel ohnehin nur kurze Strecken gefahren werden.

Während in hochentwickelten Teilen der Welt komplizierte Technologien eingesetzt werden wie etwa der Vollhybridantrieb, denken die Autohersteller für die boomenden Staaten an etwas einfachere Systeme. Zum Beispiel an einen simplen Hybridantrieb, der aus einem Verbrennungsmotor und einem Elektromotor besteht, die unabhängig voneinander agieren. So könnte man in Ballungsräumen rein elektrisch fahren, auf der Überlandstraße wirft man dann den Verbrennungsmotor an, um auch entsprechende Reichweite zu erzielen.

Der Blick in die Zukunft
Künftig wird noch eine Vielzahl an Möglichkeiten auftauchen, um den menschlichen Mobilitätsdrang zu befriedigen. Die eine Technologie, die uns schlagartig von allen Sorgen befreit, wird es wohl nicht geben. Der Verbrennungsmotor wird in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren die wichtigste Antriebsquelle für den motorisierten Individualverkehr bleiben, mit etwas steigendem Anteil aus nachwachsenden Quellen. In ferner Zukunft, wahrscheinlich in fünfzig Jahren oder noch später, bleibt dann nur mehr Wasserstoff als Ausweg. (rs, AUTOMOBIL, 04.04.2008)

Leserfragen an:

Rudolf Skarics

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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