Dem Einen fehlts, den Anderen quälts - die Zukunft der Massenmotorisierung
Die enorme Aufholjagd von China und Indien bei der Motorisierung macht im Grunde jede Verbrauchsabsenkung mehr als wett. Andererseits kann man es ja niemandem verbieten, auch Auto fahren zu wollen. Allerdings sieht es ganz so aus, als wollten die aufstrebenden Nationen auch gleich alle Fehler mit kopieren, die wir im Laufe der Massenmotorisierung gemacht haben.
Unsere Verkehrsstrukturen sind jetzt im Nachhinein schwer zu verändern. Die Möglichkeiten, den Transport wenigstens ein wenig in Richtung Schiene zu verlagern, gibt es, aber sie sind realistischerweise nicht so riesengroß.
Dicke Luft
Ohne hier Verantwortung einfach abschieben zu wollen: Dort, wo die Massenmotorisierung gerade erst beginnt, wäre es noch möglich, Abläufe und Strukturen für die Zukunft besser zu gestalten. Erste Anzeichen dafür gibt es ja bereits. Da in den wuchernden Ballungsräumen dieser Erde schon jetzt dicke Luft herrscht, bereiten sich die Autohersteller bereits auf sektorale Fahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotor vor. Renault zum Beispiel hat in Israel einen Großversuch mit reinen Elektroautos gestartet. Die dortigen Rahmenbedingungen sind relativ günstig für Elektroantrieb, da in der Regel ohnehin nur kurze Strecken gefahren werden.
Während in hochentwickelten Teilen der Welt komplizierte Technologien eingesetzt werden wie etwa der Vollhybridantrieb, denken die Autohersteller für die boomenden Staaten an etwas einfachere Systeme. Zum Beispiel an einen simplen Hybridantrieb, der aus einem Verbrennungsmotor und einem Elektromotor besteht, die unabhängig voneinander agieren. So könnte man in Ballungsräumen rein elektrisch fahren, auf der Überlandstraße wirft man dann den Verbrennungsmotor an, um auch entsprechende Reichweite zu erzielen.
Der Blick in die Zukunft
Künftig wird noch eine Vielzahl an Möglichkeiten auftauchen, um den menschlichen Mobilitätsdrang zu befriedigen. Die eine Technologie, die uns schlagartig von allen Sorgen befreit, wird es wohl nicht geben. Der Verbrennungsmotor wird in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren die wichtigste Antriebsquelle für den motorisierten Individualverkehr bleiben, mit etwas steigendem Anteil aus nachwachsenden Quellen. In ferner Zukunft, wahrscheinlich in fünfzig Jahren oder noch später, bleibt dann nur mehr Wasserstoff als Ausweg. (rs, AUTOMOBIL, 04.04.2008)