Mitregierende Christdemokraten äußern Bedenken - "Wir respektieren die Realität"
Prag - Obwohl die tschechische Regierung am vergangenen Mittwoch die Entscheidung über die Anerkennung des Kosovo verschoben hat, wird diese Entscheidung nach Auffassung des tschechischen Außenministers Karl Schwarzenberg doch "in naher Zukunft" kommen. "Ich denke ja", sagte Schwarzenberg gegenüber der Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" (Samstag-Ausgabe) auf die Frage, ob das Prager Kabinett die Unabhängigkeit des Kosovo "in naher Zukunft" anerkennen werde.
"Respektieren Realität"
Die Tschechen haben laut Schwarzenberg traditionell gute Beziehungen mit den Serben, was man nicht vergessen könne. "Allerdings respektieren wir gleichzeitig die Realität - im Kosovo leben Albaner und Serben getrennt und die internationale Gemeinschaft, einschließlich der meisten EU-Länder, erkennt nach und nach die Unabhängigkeit dieser Region an", so Schwarzenberg, der seiner Regierung den Vorschlag zu Anerkennung des Kosovo am 2. April vorgelegt hatte. Es sei ein schwieriger und für jemanden schmerzhafter Weg, allerdings müsse man es irgendwie lösen, so der parteilose Minister, der von den Grünen in das Kabinett nominiert worden war.
Bedenken der Christdemokraten
Einer der Gründe der Verschiebung der Entscheidung waren die Bedenken der mitregierenden christdemokratischen Volkspartei (KDU-CSL), die erklärt hatte, dass ihre Minister die Souveränität des Kosovo zunächst nicht unterstützen wollten. KDU-CSL-Chef und Vizepremier Jiri Cunek sagte nun gegenüber der tschechischen Tageszeitung "Pravo" (Samstag-Ausgabe), die KDU-CSL nehme Rücksicht auf die Serben. Außerdem habe die Kosovo-Regierung bisher nicht bewiesen, dass "dieser Staat" ohne Hilfe von Außen lebensfähig sei.
Scharfe Kritik gegen die Souveränität des Kosovo übte der ehemalige sozialdemokratische (CSSD) Premier Milos Zeman. Er betrachte den Kosovo als eine "islamische terroristische Diktatur, die von Drogenmafiosi finanziert wird", sagte er in einem Gespräch mit der Tageszeitung "Lidove noviny" (Samstag-Ausgabe). Er warf den USA vor, dass sie auf einer Seite den Terrorismus im Irak oder Iran bekämpften und auf der anderen Seite die Terroristen im Kosovo unterstützten. (APA)