"Kann das alles Zufall sein": Die Feinabstimmung unseres Kosmos

13. April 2008, 13:00
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Heinz Oberhummer, Astrophysiker und Wissenschaftskabarettist, ist ohne großen Zahlenhokuspokus den Geheimnissen des Universums auf der Spur

Wäre die Kernkraft der Atome nur ein bisschen anders, Heinz Oberhummer hätte sich nie für die unendlichen Weiten des Universums begeistern können, denn kohlenstoffbasiertes Leben wäre in so einem Weltall erst gar nicht möglich gewesen. Die Feinabstimmung unseres Kosmos ist eines der Themen, die der Wiener Astrophysiker in seinem neuen Buch "Kann das alles Zufall sein" dem durchschnittlichen Sternengucker näher bringen möchte.

Die Reise zu den Lichtern am Himmel beginnt in unserer nächsten Nähe, unserem Sonnensystem. Die ersten Stationen sind die Planeten, die in der Mitte des Buches auf schönen Hochglanzbildern aus der Nähe betrachtet werden können. Mit beeindruckenden Aufnahmen von Galaxien und Galaxienhaufen geht es weiter Richtung Myriaden von Sternen. Auch die Geschichte der Vorkämpfer zum Bild des modernen Kosmos, Bruno und Galilei, findet ihren Platz. Die "Gefahr aus dem All" und die geheimnisvolle dunkle Materie runden den ersten Teil des fünfteiligen Trips zum Durchblick ab. Am Ende eines jeden Kapitels wartet auf den Reisenden eine grafisch humorvolle Zusammenfassung des Durchlebten.

Urknall im Fernsehen

Warum der Urknall jetzt noch immer im Fernseher zu bewundern ist, vorausgesetzt man ist kein Kabelkunde, verrät Oberhummer im zweiten Abschnitt der interessant erzählten Astro-Rallye. Durch anschauliche Sinnbilder wie dem aufgehenden Rosinen-Guglhupf, wird einem schnell klar, wie die Ausdehnung unseres Universum von statten geht und warum diese ein Beleg für die Theorie des Urknalls ist. Den Berechnungen von Erzbischof James Ussher im Jahre 1624, der die Schöpfung des Universums auf den 22. Oktober 4004 vor Christus datiert, wird ebenso wenig Glauben geschenkt wie der alternativen "Steady-State-Theory", die einen unveränderten Zustand des Universum durch alle Zeiten besagt. Der Inflation hingegen, welche in diesem Zusammenhang besagt, dass sich das Universum Sekundenbruchteile nach dem "Big Bang" mit Überlichtgeschwindigkeit ausdehnte, wird größere Aufmerksamkeit geschenkt. Sie gilt als die leistungsfähigste Theorie des Universums, weil sie so viele Eigenschaften gleichzeitig erklären kann und den Weg zum Multiversum weist. Weiterer Brennpunkt beim Thema Urknall ist die Zusammenführung der Allgemeinen Relativitätstheorie und Quantentheorie, ohne die eine "Theorie für Alles" nicht möglich scheint. Ein großes Fragezeichen hinterlässt die "Dunkle Energie".

Beim Leben der Sterne und dem Produzieren von Sternenstaub ist Oberhummer dann erst in seinem eigentlichen Element: der "Nuklearen Astrophysik." Geburt und Tod der himmlischen Nuklearreaktoren, von der Gas- und Staubwolke bis hin zum roten Riesen, weißen Zwerg, Pulsar oder gar Schwarzem Loch, ist ein Gebiet - der Zyklus der Elemententstehung das andere. Immer kommt dabei der Autor ohne Zahlenspielerei und mathematischen Hokuspokus auf den Punkt. "Ist da jemand", Teil vier der kosmischen Reise, klingt zwar wie Österreichs größte Spendenaktion, beschäftigt sich aber mit Astrobiologie, der Wissenschaft für außerirdisches Leben. Es folgt eine Beschreibung der Probleme unseres eigenen Planeten und eine distanzierte Abrechung mit der Besatzung des Raumschiffs Erde. Ungeziefer-Theorie und das "Fermi-Paradoxon" sind mögliche Erklärungen, warum die grünen Männchen noch immer nicht im Vorgarten gelandet sind.

Zum Abschluss versucht Heinz Oberhummer seine zentrale Frage "Kann das alles Zufall sein" zu beantworten. Naturwissenschaftliche Theorien und Thesen treten in Wettstreit mit den Sichtweisen der Religionen - eine Diskussion, die an die finsteren Zeiten des Mittelalters erinnert, bei der Forscher noch auf dem Scheiterhaufen landeten. Der Autor lässt keine Zweifel offen, dass er mit kreationistischen Thesen und der offiziellen Sichtweise der katholischen Kirche gröbste Probleme hat. Das Unglaubliche daran ist, dass der Wettstreit zwischen Glaube und Wissenschaft auch im 21. Jahrhundert noch immer geführt werden muss. (lesa)

Zur Person:
Heinz Oberhummer studierte Physik und Mathematik in Graz und München und habilitierte an der TU Wien, wo er sich dann als Professor für Theoretische Physik mit den Forschungsgebieten Kernphysik, Astrophysik, Kosmologie und Didaktik der Naturwissenschaften auseinandersetzte. Forschungsaufenthalte führten ihn an die Universitäten Zürich, Tübingen, Leuven, Bergen, Notre Dame, Washington, Gent und ans Centre de Recherches Nucléaires Straßburg.

Neben seiner Arbeit als Forscher (über 160 wissenschaftliche Veröffentlichungen) engagiert sich Heinz Oberhummer für die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte und koordiniert von der Europäischen Kommission geförderte Bildungsprojekte, wie zum Beispiel "Cinema and Science". Außerdem ist er einer der Gründer und Mitwirkender des erfolgreichen Wissenschaftskabaretts "Science Busters".

  • Unbegreifliches verständlich erklärt: "Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum" von Heinz Oberhummer, 208 Seiten, € 22,00, Ecowin Verlag 2008.
    foto:ecowin

    Unbegreifliches verständlich erklärt: "Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum" von Heinz Oberhummer, 208 Seiten, € 22,00, Ecowin Verlag 2008.

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