Fatales Leistungsdenken

Redaktion, 4. April 2008, 21:14

Über das Paradoxon der neuen Technologien

Der Hybridantrieb ist ein geeignetes Mittel, um den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß von Autos zu senken. Das steht außer Zweifel. Aber es gibt zwei Kernprobleme: Der enorme Aufwand ist preislich eher bei teuren Autos unterzubringen. Vor allem der horrende Verbrauch von Autobahngeländewagen kann damit gedrückt werden. Tatsache ist aber, dass diese Autos letztlich ohnehin niemand wirklich braucht.

Umdenken gefragt
Zweiter Schwachpunkt: Etwa zehn Prozent der Energie, die ein Auto im Laufe seines Lebens verbrennt, werden schon bei der Herstellung verbraucht. Experten schätzen, dass dieser Anteil bei Hybridautos bei 15 bis 20 Prozent liegt. Das heißt, die Tankrechnung sieht unter dem Strich etwas besser aus. Der Vorteil für die Erde bleibt aber marginal, solange wir das Auto nicht neu begreifen lernen. Dass es heute selbstverständlich ist, dass jeder Kompaktwagen 200 km/h läuft, muss aus unseren Köpfen raus. Denn die Auslegung auf Geschwindigkeiten, die ohnehin niemand fährt oder fahren dürfte, bindet enorme Ressourcen.

Der springende Punkt für den Verbrauch ist das Gewicht. Das muss runter. Und das geht ohne Verlust an Sicherheit nur, wenn Rahmenbedingungen neu gesetzt werden. Denn auch die Flucht in exotische Leichtbaumaterialien ist kein zielführender Weg. Zu hoher Energieaufwand bei der Herstellung. Auch wenn das aus dem konservativen Autofahrerblickwinkel unangenehm klingt: Kein Auto müsste für mehr als 150 km/h ausgelegt werden. Das würde einiges an Gewichtersparnis bringen, ohne jeden Mehraufwand, ja sogar billiger könnten die Autos dadurch werden.

Aber so lange sich das Auto im Wesentlichen durch seine Leistungsfähigkeit definiert, wird kein wirklich großer Sprung in Richtung Ökologisierung möglich sein. (rs, AUTOMOBIL, 28.03.2008)

Leserfragen an:

Rudolf Skarics

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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