Da packen wir mit an

5. April 2008, 14:00
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Für den Traum vom Eigenheim legen viele Häuslbauer selbst Hand an. Die gestiegenen Anforderungen an Energieeffizienz und Ökologie verlagern den Eigenbau in den Bereich des Ausbaus

"Fertig?", Kurt Leber lacht. "Nein, fertig ist man nie. Es gibt immer Dinge, die man noch verbessern will." Der gelernte Elektrotechniker hat sich gemeinsam mit seiner Frau in der Nähe von Graz ein Eigenheim gekauft. Aus dem ehemaligen Wochenendhaus ohne Heizung ist in der Zwischenzeit ein sehr wohnliches Haus mit einem Anbau geworden.

Anderthalb Jahre lang hat Leber dafür ausschließlich auf der eigenen Baustelle gearbeitet. Bis auf die Installationen von Heizung und Wasser hat er alles selbst gemacht. Das Know-how habe er sich auf seinen früheren Baustellen angeeignet, erzählt er, zudem sei sein Vater Tischler und sein Bruder Spengler. Für die Lebers ist mit dem Hausbau ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen: Sie sind glücklich, und in Summe zahlen sie heute weniger Betriebskosten und Schulden zurück, als sie früher Miete zahlten.

Mauern, zimmern, streichen

Ein eigenes Haus zu haben, das ganz auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, ist der Traum vieler Österreicher. Für die meisten ist dies die größte finanzielle Investition ihres Lebens. Um das Vorhaben zumindest etwas erschwinglich zu machen, legen viele selbst Hand an: Sie mauern, zimmern, streichen, montieren Wärmedämmplatten und verlegen Elektrokabel.

Dass man bei der Selbstbauweise tatsächlich Geld einsparen kann, bescheinigt die Plattform www.immo bilien.net: "Wer ein Reihenhaus baut, kann bei reinen Baukosten von rund 250.000 Euro maximal 18.000 Euro einsparen." Doch der Preis dafür sei hoch, heißt es hier weiter: "Um so viel Geld zu sparen, muss der Bauherr fast 850 Stunden auf der eigenen Baustelle schuften."

Einige Häuslbauer sparen nicht nur an den Kosten für die Handwerker, sondern auch an jenen für den Planer. Prompt besorgen sie sich eine günstige Planungssoftware und schieben Wände, Türen und Fenster auf dem Bildschirm hin und her. Peter Obleser ist Geschäftsführer der Akademie NÖ gestalten, einer Serviceeinrichtung des Landes Niederösterreich, die Bauberatungen sowie kostenlose Seminare rund um das Thema Bauen anbietet. Er rät von solchen Selbstversuchen ab: "Die Chance, dass dabei etwas Vernünftiges rauskommt, ist relativ gering."

Eigenbau hat Grenzen

In der Tat: Wer seinen Grundriss selbst zeichnet, baut mit hoher Wahrscheinlichkeit zu teuer. Die gestiegenen Anforderungen an Energieeffizienz und Ökologie erfordern zudem ein immer größeres Fachwissen. Aus diesem Grund verlagert sich der Eigenbau zunehmend auf den Innenausbau. "Man kann so ein Haus nicht mehr zur Gänze in Nachbarschaftsregie errichten", so Obleser.

Das Ehepaar Knittelfelder hat vom Keller bis zum Dach bei der Errichtung des eigenen Hauses mitgeholfen. Das Mauern des Kellers war die anstrengendste Tätigkeit, erinnert sich der Hausherr. Die Baumeisterfirma hat einen Maurer gestellt, die restlichen Arbeitskräfte kamen aus der eigenen Familie - Vater, Schwiegervater der Schwester, Bruder und Freund. "Bei dieser Baumeisterfirma war das nicht unüblich. Die haben einen Maurer, der auf Mithilfe spezialisiert ist. Der schaut sich kurz an, wie wer arbeitet und teilt dann alle entsprechend ein", erinnert sich Hannes Knittelfelder. Mit der Zimmerei gab es einen ähnlichen Deal.

Vorsichtiger war man in der Planung: Grundriss- und Detailplanung für ihr Wunschhaus haben sie sich von einem Grazer Planungsbüro erstellen lassen. Auf diese Weise wurde das benötigte Fachwissen in Bezug auf die gewünschte Ausführung und den Energiestandard mitsamt Erdpumpe und Wandheizung mitgebracht. Allein 20.000 Euro an Baukosten, rechnet Knittelfelder vor, habe er sich durch die fachmännische Planung erspart. Nur so kann man vergleichbare Anbote auf Basis exakter Angaben einholen, auch das Verhandeln mit den Firmen ist einfacher als mit Laien.

Komplexität

Dass gerade beim Hausbau viele Konsumenten übers Ohr gehauen werden, darin ist sich Kurt Leber sicher. Vielen ist die Komplexität dieses Vorhabens nicht bewusst, sie unterschätzen die zigtausend Entscheidungen, die dabei zu treffen sind.

Ganz so selbstständig, wie es sich anhört, ist auch er nicht an seinen Hausbau herangegangen. Ohne professionelle Planung geht es nicht. Kleinere Planungsfehler kann man auch während des Baus bzw. im Nachhinein ausbessern, die großen Entscheidungen sind aber fix. Um ernsthaft günstig zu bauen, sollte man daher am richtigen Ende sparen - und nicht an jedem. (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.4.2008)

  • Mit Hammer und Zange: Um tatsächlich preisgünstig zu bauen, sollte man nicht gänzlich auf die Hilfe von Profis verzichten - zeigt die Erfahrung.
    collage: standard

    Mit Hammer und Zange: Um tatsächlich preisgünstig zu bauen, sollte man nicht gänzlich auf die Hilfe von Profis verzichten - zeigt die Erfahrung.

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