Isabella Luftikus und die Schnur Schnurribus

4. April 2008, 16:43
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Es braucht keine großen Dinge, um als Spielzeug zu taugen, solange nur die Fantasie groß genug ist

Es braucht keine großen Dinge, um als Spielzeug zu taugen. Im Buch von Lucia Scuderi ist es beispielsweise eine Schnur. Solange die Fantasie noch groß genug ist, reicht das. Gute Nacht Isabella! beschreibt die Geschichte ebendieses Mädchens, das im Bett liegt und nicht einschlafen kann. Ihr Blick ist starr auf das über ihr baumelnde Etwas gerichtet. Isabella beschließt, die Schnur herunterzuziehen. Dabei wird sie immer länger, wird zu einer Art "Schnurmännchen" – das die kleine Isabella um einiges überragt. Mit dem "Schnurmännchen" lässt sich vortrefflich spielen. "Hier kommt die neueste Nummer der jungen Isabella Luftikus: Seilakrobatik mit der großen Schnur Schurribus!", heißt es. Es wird so lange geschaukelt und gerutscht, bis das Mädchen so müde ist, dass es das Schnurwesen ins Bett bringen muss.

Wer sein eigenes Kind einmal mit einer simplen Schnur spielen gesehen hat, wird sich im Buch vielleicht ein wenig selbst erkennen – beziehungsweise sein Kind. Beim eigenen war es ein blaues Band. Es lag auf der Straße herum und wurde flugs zum Hund mit Leine "umfunktioniert". Da halfen auch Erklärungen à la "Das ist schmutzig, lass es doch liegen" nichts. Das blaue "Tier" war da und musste mit, wenigstens immer nur zu Hause. Da bekam der Schnurhund ein Körbchen und wurde gefüttert. Peinliche öffentliche Auftritte – Erwachsener mit Kind und Schnur, die bellt – blieben einem so erspart. Scuderi hat also erkannt, wie wenig es braucht, um toll spielen zu können. Ein sprechender Schnurball ist natürlich auch nicht schlecht. Wenn der so ein nett gezeichneter wollknäuelähnlicher ist, überhaupt. Da macht es auch nichts, wenn die Frage, warum bei Isabella eine Schnur von der Decke hängt, unbeantwortet bleibt – man muss ja nicht immer alles wissen. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 5.4.2008)

Lucia Scuderi
"Gute Nacht, Isabella!"
13,30 Euro, 32 S.
bohem press, 2008
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