der schönste Tag der Woche: Mercedesfahrer, Frösche und Sexorgien

4. April 2008, 15:29
3 Postings

Die Firma Siemens ist gerade dabei, das Überwachungssystem "Intelligence Platform" zu entwickeln ...

Die Firma Siemens ist gerade dabei, das Überwachungssystem "Intelligence Platform" zu entwickeln, das "von der Kfz-Datenbank über die Informationen aus Mautsystemen, Verkehrsdaten von Telefonie und Internet bis hin zu Informationen zu Flugbewegungen und Details aus Abrechnungen der Krankenversicherung" einfach alles erfasst, was es über einen Menschen zu erfassen gibt. Was bei dieser Art der Überwachung am Ende des Tages allerdings herauskommen soll, ist mir ein Rätsel. Was hat zum Beispiel die Tatsache, dass ich einen 37 Jahre alten Mercedes 230 fahre (falls er nicht gerade in der Werkstatt steht, was ohnehin meistens der Fall ist), damit zu tun, dass ich im Internet in der letzten halben Stunde folgende Artikel gelesen habe: "Vor 70 Mio. Jahren: Teufelsfrosch verspeiste Saurier". "Norwegen: Zoo sucht verzweifelt gestohlenes Krokodil". "Video: FIA-Chef Mosley bei Nazi-Sexorgie". "Nach einer Woche: Kater aus Rohr gerettet." "Scharfe Show: Slowake jongliert mit Kettensägen". Heißt das jetzt, dass sich die Fahrer von uralten Mercedes-Kisten eher für Frösche und Sexorgien oder doch eher für Krokodile und Kettensägen interessieren? Alles sehr mysteriös.

Angesichts dieses computerisierten Überwachungswahns sehnt man sich ja geradezu nach jenen Zeiten, wo die Beamten der Staatspolizei noch hinaus ins Freie mussten, um nach stundenlanger Beobachtung mit klammen Fingern auf eine Karteikarte zu kritzeln: "7. 3. 1977: Subjekt nimmt um 19 Uhr 30 an der Mitgliedervers. des KSV in der Elisabethstr. 11 statt." (Mit dem KSV ist übrigens nicht der Kreditschutzverband gemeint, sondern der Kommunistische Studentenverband). Das ist einer von 13 Einträgen in meinem Stapo-Akt aus dem Jahr 1977, wobei ich dazu sagen muss, dass damals in Salzburg die Observation so verlief, dass das "Subjekt" den für ihn zuständigen Beamten üblicherweise kannte. Was dann schon einmal dazu führen konnte, dass man bei einer Demo einander freundlich zuwinkte. Mit James Bond hatte das alles also eher weniger zu tun, was eingefleischte 007-Fans aber nicht davon abhalten wird, ihr Glas Wodka-Martini ("geschüttelt, nicht gerührt") auf jenen Mann zu erheben, der immerhin sechzehn James-Bond-Filme produzierte: Albert R. Broccoli, dessen Geburtstag sich am 5. April zum 99. Mal jährt. Schade eigentlich, dass Broccoli nie einen Roman der Schriftstellerin Margret Rettich über Hannelore Kohl in der Regie von Kurt Kren (nicht zu verwechseln mit Kurt Krenn, dem auch als "Westbahn-Kurti" bekannten Ex-Bischof von St. Pölten) mit Erni Mangold in der Hauptrolle produziert hat. Die internationale Gemüsehändlervereinigung hätte sich darüber sicher sehr gefreut. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD, 05/06.04.2008)

  • Artikelbild
    foto: michaela mandl
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.