
Die steirische ÖVP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder will das Dienstrecht für Lehrer reformieren: "So ein Dienstrecht gibt es in keinem anderen Beruf."
Über den Modellversuch "Neue Mittelschule", der derzeit in der Steiermark anläuft, sagt Edlinger-Ploder: "In Wahrheit ist das nur eine Verbesserung der Hauptschule". Ab Herbst soll deshalb in der Pädagogischen Hochschule Graz ein Schulversuch nach den Vorstellungen der Landesrätin unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse erarbeitet werden. Die Forderung der Unterrichtsministerin Claudia Schmied, dass sich Schuldirektoren ihr Personal selbst aussuchen können, hält sie für "absolut sinnvoll". Auch die Umwandlung der Landeslehrer in Bundeslehrer sei nicht "vorweg abzulehnen". Die Fragen stellte Katrin Burgstaller.
derStandard.at: Wie sind Sie mit der Umsetzung der Neuen Mittelschule in der Steiermark bisher zufrieden?
Edlinger-Ploder: Die Anmeldung ist sehr erfolgreich verlaufen, es gibt also durchaus Zuspruch. Es ist aber nicht die gemeinsame Schule, die ich mir vorstelle. In Wahrheit handelt es sich nur um eine Verbesserung der Hauptschule - es beteiligt sich auch nur eine AHS. Auch die Rahmenbedingungen wurden nicht verändert. Wir müssen aber auf eine ganztägige Schulform hinarbeiten.
derStandard.at: Was wollen Sie also tun?
Edlinger-Ploder: Wenn es Pädagogische Hochschulen gibt, sollen sie ihren Namen nicht nur tragen, sondern auch verdienen, also auch Forschung betreiben. Ich habe deshalb ein Projekt initiiert, in dem die Pädagogische Hochschulen und die Universität kooperieren und gemeinsam Forschungsarbeit leisten. Dabei sollen die Erkenntnisse aus der Wissenschaft direkt in die Praxis umgesetzt werden. Mit diesem Projekt wollen wir die beste Schule für unsere Kinder finden.
derStandard.at: Welche Fragen sind Ihnen dabei besonders wichtig?
Edlinger-Ploder: Leistungsdruck in den Schulen, Erkenntnisse aus der Hirnforschung und Professionalisierung von KindergartenpädagogInnen – ihre Ausbildung sollte ebenfalls im akademischen Sektor stattfinden - sind wichtige Themen für uns.
Lernen ist grundsätzlich kein Stressfaktor, sondern kann den Kindern auch Freude bringen. Die Frage, ob es besser oder schlechter ist, wenn Kinder mit unterschiedlichen Potenzialen in einer Klasse sitzen, soll ebenfalls wissenschaftlich wie praktisch hinterfragt werden. Wir wollen zeigen, dass den Kindern ein ganztägiger Unterricht gut tun. Das alles wird in den Übungsschulen der Pädagogischen Hochschule stattfinden.
derStandard.at: Das heißt, sie machen jetzt ihre eigene "Neue Mittelschule"? Wann soll es los gehen?
Edlinger-Ploder: Der Unterricht in den Übungsschulen, bei dem das alles berücksichtigt wird, sollte im September beginnen. Das gemeinsame Bildungsforschungsprojekt der Pädagogischen Hochschule und Universität dauert vorerst drei Jahre. Ich möchte zeigen, wie eine Traumschule aussehen kann. Der wissenschaftliche Hintergrund ist wichtig, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
derStandard.at: Sie treten für die Ganztagsbetreuung ein – was bedeutet das dann für die Arbeitsbedingungen der LehrerInnen?
Edlinger-Ploder: Das Dienstrecht unserer Lehrer und Lehrerinnen ist damit nicht kompatibel und auch nicht zum Wohle unserer Lehrer. Da werden unterschiedliche Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt. So ein Dienstrecht gibt es in keinem anderen Beruf. Wir haben ein allgemeines Arbeitsrecht, das von einer 40-Stunden-Woche ausgeht. Natürlich wird man bei den Lehrern und Lehrerinnen auch weiterhin eine gewisse Unterscheidung machen müssen, aber die Frage, ob man etwa für Nachmittagsbetreuung, das Verbessern oder für einen Elternsprechtag anders bezahlt wird, stellt sich für mich nicht mehr.
derStandard.at: Das heißt, Lehrer sollen künftig 40 Stunden pro Woche in der Schule verbringen?
Edlinger-Ploder: Ich sehe den Arbeitsplatz für Lehrer mit unterschiedlichen Aufgaben. Diese Aufgaben hat er im Rahmen einer 40-Stunden-Woche zu erfüllen. Das würde natürlich bedeuten, dass Lehrer in der Schule einen adäquaten Arbeitsplatz vorfinden und es wäre klug, wenn sie 40 Stunden an der Schule verbringen. Auch jetzt arbeiten Lehrer 40 Stunden pro Woche, aber sie sind immer wieder – manchmal gerechtfertigten – manchmal ungerechtfertigten - Vorwürfen ausgesetzt, die geforderte Arbeit nicht zu erledigen. In einem Leistungsprofil sollte klar angeführt werden, was der Lehrer tun soll und was nicht. Ich denke, dass wir damit auch den Lehrern und ihrem Image etwas gutes tun.
derStandard.at: Was sagen Sie zu den Forderungen der Unterrichtsministerin, die Landeslehrer dem Bund zu unterstellen und den Direktoren die Personalhoheit zu übertragen?
Edlinger-Ploder: Das ist prinzipiell nicht vorweg abzulehnen. Es handelt sich um ein gewachsenes System, dass sehr komplex und nicht einfach zu reformieren ist. Auch die Forderung, dass sich die Direktoren ihr Personal selbst aussuchen sollen ist absolut sinnvoll. Man muss sich aber dann auch die Frage stellen, ob die Beibehaltung der Schulsprengel sinnvoll ist. Eine Auflösung wäre aber nur durch eine Entlastung der Gemeinden für die Infrastruktur möglich. Ändert man eine Regelung bedingt das aber entsprechend weitere organisatorische Maßnahmen zu treffen. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 4. April 2008)
Die Juristin Kristina Edlinger-Ploder, geboren 1971 in Linz, ist in der Steirischen Landesregierung für die Ressorts Wissenschaft und Forschung, Verkehr und Technik verantwortlich. Von 2003 bis 2005 war sie Bildungs- und Finanzlandesrätin.
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und kann dem vorstoß von frau edlinger-ploder sehr viel abgewinnen - ich denke, das hilft allen seiten, sowohl den lehrerInnen, den schülerInnen als auch den eltern.
finde ich sehr erfreulich!
vgl. http://manfredbruckner.blogspot.com/
vielleicht wären sie dann nicht aus dem lehrberuf davon gelaufen, wenn die plodinger sie für 40 stunden wie einen schüler mit anwesenheitspflicht verpflichtet hätte????
*ggg*
bei so unqualifizierten aussagen kann die schulszene ja nur erleichtert sein;-)
bloggen sie ruhig weiter so.
wenn Sie zusätzlich zur häuslichen Arbeit auch noch das Vergnügen gehabt hätten, dieselbe in umfangreichen Erhebungsbögen zu dokumentieren.
Darauf läuft's nämlich hinaus.
Denn einen Arbeitsplatz in der Schule wird's wohl auch in 20 Jahren nicht geben.
diesem argument kann ich nicht ganz folgen: sie müssen ihre häusliche arbeit dokumentieren? meinen sie damit die arbeit, die sie für die schule zu hause machen, ja? wie schon ausgeführt: ich denke, dass der vorschlag von frau edlinger-ploder grundsätzlich ein guter ist - vorbehaltlich dessen, dass lehrerInnen einen arbeitsplatz an ihrer schule haben - wenn dem nicht so ist, ist er nicht umsetzbar.
nach wie vor nicht nachvollziehen kann ich, dass hier scheinbar nicht konstruktiv argumentiert werden kann. mir geht's beileibe nicht darum, auf dem berufsstand der lehrerInnen rumzuhacken. ich bin allerdings davon überzeugt, dass diese maßnahme für alle betroffenen eine verbesserung darstellen kann. wenn die rahmenbedingungen passen.
sehen so etwas vor.
Die Pflichtschullehrer müssen das bereits tun.
Was an meiner Argumentation "nicht konstruktiv" ist, wäre noch zu klären. Könnte es sein, dass Sie sich ein wenig zu sehr auf die vermeintliche Unfehlbarkeit des Betrachters von außen verlassen?
evaluation der arbeit zu hause, die sie für die schule erbringen?
das "nicht konstruktiv" richtete sich auf das nicht kommentieren des vorschlags von frau edlinger-ploder. konstrukitves feedback ist meines wissens nach lösungsorientiert: nachdem ich als jemand der draußen ist, wohl nur einen teil der wahrheit kenne, wäre es umso notwendiger die argumente von drinnen zu kennen.
Die Dame meint es sicher gut. Dass sie als eine mehr herüberkommt, die den Lehrern am Zeug flicken will, sollte man ihr eher als Ungeschicklichkeit auslegen.
Ihre Unbedarftheit halte ich allerdings auch für erwiesen: Nicht einmal die allermodernsten Schulen bieten so etwas wie einen funktionierenden Lehrer-Arbeitsplatz. Der Verweis auf die leer stehenden Klassenzimmer, der an dieser Stelle immer kommt, kann ja nur ein Witz sein. Ich habe in meinem Arbeitszimmer ein selbst gekauftes und eingerichtetes Netzwerk, etwas mehr als 5000 selbst gekaufte Bücher (mehr als die meisten Schulbibliotheken) und einen funktionierenden Internetanschluss (mehr als meine Schule).
Der Bund sollte uns eigentlich danken, statt uns öffentlich zu blamieren.
das heißt ja dann doch, dass der vorschlag an sich kein blöder ist, oder? die frage, die sich da dann stellt, meines erachtens, ist doch die, warum von einer lehrerInnengewerkschaft - die zweifellos eine sehr mächtige ist - nicht mehr druck in die richtung gemacht wird, dass es entsprechende arbeitsräume in den schulen für lehrerInnen gibt. denk ich, unbedarft wie ich wahrscheinlich ebenfalls bin...
Der bestbezahlteste Halbtagsjob mit 4 Monaten Urlaub gehört dann auch endlich der Vergangenheit an. Seit ich denken kann, haben LehrerInnen die Hefte in der Schule während der Schulstunde korrigiert. Und von ganzen 12 Monaten haben sie 4 Monate Ferien/frei. Selbst die schulautonomen Tage sind zu einer zusätzlichen Urlaubswoche verkommen. Von den sogenannten Energie(verschwendungs)ferien ganz zu schweigen. Und daß sich ein(e) Volksschullehrer auf jedes Schuljahr eigens vorbereiten muß, ist ein gut gepflegtes Ammenmärchen.
Ich kann mit Ihrem Vorschlag nicht wirklich viel anfangen.
Stellen Sie sich einen Tag an eine Werkbank, absolvieren Sie einen Tag in der Privatwirtschaft, schaufeln Sie einen Tag bei Hitze oder Kälte auf einer Baustelle oder arbeiten Sie einen ganzen Tag im Handel (bei den derzeitigen Öffnungszeiten), oder oder oder...
Jeder Beruf hat seine guten Seiten und seine Schattenseiten. Fakt ist allerdings, dass LehrerInnen mehr Freizeit und Ferien haben als alle anderen ArbeitnehmerInnen. Oder wollen Sie beinah 4 Monate Ferien (inkl. Feiertage etc.) bestreiten? ;-)
Jeder muß seinen Beitrag leisten. Erst waren die Eisenbahner und die Postler dran, dann die Polizisten und eben jetzt die Lehrer. Und das hat mit "neidzerfressen" nichts zu tun, sondern ist voll in Ordnung. Wahrscheinlich habe ich, was das anbelangt, schon ein bisschen mehr Erfahrung als du. So wie du schreibt einer, der gerade mal fünf Jahre im Berufsleben steht und noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist.
(und mache jetzt was anderes) und darf daher mit einiger Berechtigung sagen, lieber "fipo", dass du sinnfrei sprichst.
"Erst waren die Eisenbahner dran..." Wer den Braten noch nicht gerochen hatte, als die Eisenbahner dran waren, dann die Beamten, dann die Lehrer usw., gehörte entweder zu denen, die dran verdienen, dass auf Kosten der Gehaltsbezieher "gespart" wird oder er war schlicht zu schlicht, um herauszufinden, was da gespielt wird.
Wir Arbeitnehmer werden gespielt, und zwar gegeneinander und zwar aus. Das hämische Grinsen wird auch denen vergehen, die meinen, wenn's den anderen trifft, wäre es recht.
Solidarität ist weitgehend eine Intelligenzfrage.
Eigenartig ist bei Ihnen - mittlerweile stark ersichtlich aus vielen Ihrer Postings - dass Sie die "Kompetenzen" der Poster in Frage stellen, die nicht Ihre Meinungen und Ansichten teilen.
Was ist gegen 40 Stunden prinzipiell!!! einzuwenden und auf nichts anderes bezieht sich die Dame. Wie und ob umsetzbar, sei dahingestellt. Aber gut wäre es - für alle Beteiligten (inkl. Lehrerimage). Es können doch (positive) Ziele gesetzt werden und (gute) Ideen formuliert werden.
Ich persönlich würde bevorzugen, wenn nicht gerade die Bildung totgespart würde.
Billig sind unsere Arbeitskräfte nicht, die Steuern sind auch nicht grad neidrig, Rohstoffe gibt's auch nicht wirklich.
Das Einzige was Österreich zu bieten hat, sind gut qualifizierte Arbeitskräfte. Fundierte Standortpolitik, mit vollem Einsatz daran zu arbeiten, das zu ändern.
Wenn der Job wirklich so toll ist, dann kann man ja selber die Karriere einschlagen.
Langsam gehen mir diese Neidhammeln mit ihren Vorurteilen auf den Geist.
Die Ärzte, die 100h arbeiten, haben nachher auch umso länger frei. Ein Freund von mir (ein Arzt) beklagt sich dann immer: "Ja, was nutzt mir das: Da hat ja niemand anderer frei ..."!!!!
Ich habe schon viele Jobs gehabt: Im Büro, im Verkauf, im Service, selbstständig in der EDV-Branche. Lehrerin ist - wenn frau es ernst nimmt - bisher der härteste. Aber auch der sinnvollste, wo man am meisten "zurückbekommt". Ich mach den Job gern.
Die Neider sollen sich mal eine Woche vor einen Haufen Pubertierender stellen - und dann weiterreden...
Sie scheinen eine Lehrerin zu sein oder behaupten dieses, die Ihren Job wirklich ernst nimmt.
Werden Sie dahingehend leistungsgerecht bezahlt oder verdient ein Dienstälterer, der nur noch "Dienst nach Vorschrift" macht, mehr als Sie? Werden Sie für initiative Projekte, die Ihnen Zeit und Mühen kosten, entsprechend belohnt (außer vom Feedback der SchülerInnen)? etc.
LehrerIn zu sein und die Sache gut zu machen... davor hab ich großen Respekt. Nur kommt das leider zu selten vor.
schauen sie sich die Wartelisten an.
Allerdings keine Männer mehr bei Volklsschulen - mangels Möglichkeiten - da wird ja bei 95% Frauen immer noch die Frau bei gleicher Qualifikation dem Mann vorgezogen für etwaige Führungspositionen.
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