Schickeria mit Hinterfotzigkeit

3. April 2008, 19:12
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Karin Yoko Jochum, Joseph Lorenz und Christoph Zadra in Molières "Der Menschenfeind" im Stadttheater Baden

"Der Mensch ist ein vernünftig Wesen/wer das behauptet, ist nie Mensch gewesen." So heißt es in der 1979 entstandenen, gereimten Nachdichtung Hans Magnus Enzensbergers von Molières Der Menschenfeind.

Am Stadttheater von Baden bei Wien kann man derzeit Joseph Lorenz in der Rolle des hemmungslos ehrlichen, alle Heuchelei hassenden Alceste erleben. Die Inszenierung von Dora Schneider war schon vor einem Jahr am Landestheater Niederösterreich bejubelt worden, jetzt hat sie der Badener Intendant Robert Herzl an sein Haus geholt.

Verblüffend, wie leicht Enzensberger das höfische Setting in ein heutiges verwandeln konnte. Gleich zu Beginn zeigt sich Alceste angeekelt über die dichterischen Ergüsse seines einflussreichen Gönners Oronte (Philipp Brammer), worauf dieser einen Rachefeldzug beginnt. In der Liebe mangelt es Alceste jedoch an Konsequenz; er ist der intriganten Célimène verfallen, in Baden gespielt von Nicole Beutler, die als Femme Fatale zu wenig Ausstrahlung besitzt, und so lässt sich nicht recht nachempfinden, was zwischen ihr und Alceste eigentlich läuft.

Als hinterfotziges Luder Arsinoé macht da Antje Hochholdinger ihre Sache viel besser, die Saat der Zwietracht geht auf, Alceste zieht ab, und übrig bleibt ein schales Partygeschehen. (hast, DER STANDARD/Printausgabe, 04.04.2008)

>> Stadttheater Baden, 19.30
  • Karin Yoko Jochum, Joseph Lorenz und Christoph Zadra (v. li.) in Molières "Der Menschenfeind".
    foto: lechner

    Karin Yoko Jochum, Joseph Lorenz und Christoph Zadra (v. li.) in Molières "Der Menschenfeind".

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