Süchtige kommen in die Jahre

4. April 2008, 12:32
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Wer Suchtprobleme als "Jugendsache" ansieht, irrt: Die Abhängigen kommen in die Jahre und erreichen das Pensionsalter

Lissabon - Gesundheitswesen, aber auch Polizei und Justiz werden sich in den kommenden Jahren immer öfter mit Süchtigen zu beschäftigen haben, die das Pensionsalter erreicht haben. So hat sich in Europa der Anteil der Drogenpatienten, die eine Behandlung im Alter über 40 wollten, zwischen 2002 und 2005 verdoppelt. Das stellte heute die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in einer Aussendung fest.

Demografischen Entwicklung

Die Daten finden sich in der EBDD-Publikation "Drogen im Blickpunkt". "Substanzkonsum im Alter: Ein vernachlässigtes Problem", heißt es da. Der Grund liegt einfach in der demografischen Entwicklung der Bevölkerung. Der Trend zur Überalterung in der europäischen Bevölkerung ist unübersehbar - bis zum Jahr 2028 wird über ein Viertel der Menschen 65 Jahre oder älter sein.

Prävalenz nimmt zu

Der Konsum illegaler Drogen kommt bei älteren Erwachsenen zwar weniger häufig vor als bei jungen Menschen, doch die Prävalenz nimmt zu, so die Aussage der Veröffentlichung. In Europa hat sich laut EBDD im Zeitraum zwischen 2002 und 2005 der Anteil der Patienten im Alter ab 40 Jahren, die wegen Opiatproblemen behandel wurden, mehr als verdoppelt - nämlich von 8,6 auf 17,6 Prozent.

US- Schätzungen sprechen von Verdreifachung

Schätzungen der Vereinigten Staaten zufolge könnte sich die Zahl der über 50-Jährigen, die wegen ihrer Drogenprobleme behandelt werden müssen, im Zeitraum zwischen 2001 und 2020 verdreifachen. Der Direktor der EBDD, Wolfgang Götz: "Die steigende Zahl älterer Menschen mit problematischem Substanzkonsum wird neue und höhere Anforderungen an die Behandlungseinrichtungen stellen.

Programme dem Alter anpassen

Programme, die bisher vorwiegend auf die Behandlung jüngerer Menschen ausgerichtet waren, müssen entsprechend angepasst werden, um den Bedürfnissen der älteren Menschen gerecht zu werden." Der Prozess des Älterwerdens kann zu einer Reihe von Problemen führen, die für die Betroffenen das Risiko eines Substanzmissbrauchs mit sich bringen können, heißt es in der Veröffentlichung weiter.

Soziale und psychologische Herausforderung

Hierzu zählen: Soziale Probleme (Geldsorgen), psychologische Probleme (Depression) und körperliche Beschwerden (schmerzhafte Erkrankungen). Ein Problem können auch Medikamente darstellen. Auf über 65-Jährige entfällt etwa ein Drittel aller eingenommenen rezeptpflichtigen Arzneimittel in Europa, darunter häufig Benzodiazepine und opioide schmerzlindernde Arzneimittel.

Arzneimittel- und Alkohlmissbrauch

Ältere Frauen neigen in höherem Maße zum Missbrauch verschreibungspflichtiger Arzneimittel als andere Bevölkerungsgruppen, doch werden ihre Probleme häufig nicht erkannt.

Hinzu kommt noch das Alkohol-Missbrauchsrisiko: In Europa geben 27 Prozent der Menschen ab 55 Jahren an, dass sie täglich Alkohol trinken. Besonders gefährlich ist der Mischkonsum verschiedener Substanzen. (APA)

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    foto: graham barclay/bloomberg news
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